Bewerbung & Interview

„Meine Frau hat gesagt, ich soll mich bei Ihnen bewerben“

Folgendes Anschreiben habe ich letzte Woche von einem Bewerber erhalten:

„Sehr geehrte Frau Krüger,

gezwungenermaßen habe ich Ihr Stellenangebot auf Wunsch meiner Frau mit Interesse lesen müssen. Meine Frau sagt, dass dieser Job genau der Richtige für mich ist. Aber ich fühle mich für dieses Stellenangebot völlig deplatziert. Angeblich sei ich im Projektmanagement äußerst kreativ und kann ganz gut mit Kunden umgehen.

Na ja jedenfalls, wenn einem die Scheiße bis zum Hals steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Daher mache ich in Ruhe dieses Anschreiben fertig, obwohl meine Frau im Hintergrund ganz schön drängelt.

Sie meint, ich soll schreiben, dass ich ein zuverlässiger, engagierter, hoch motivierter Mensch bin, der ganzheitliches Denken, Sorgfalt, Kundenorientierung, Belastbarkeit, Analyse- und Problemlösefähigkeit, schnelles, effektives und durchdachtes Arbeiten mitbringt […]. Und ein bisschen Englisch kann ich auch noch, soll ich noch mitteilen.

So, ich werde nun mein Anschreiben hiermit beenden. Ich freue mich schon auf Ihre entspannte Ablehnung. Damit kann ich meiner Frau zeigen, dass ich Recht habe. Sie brauchen nicht traurig sein, dass ich nicht der Richtige bin. Kopf hoch und lächeln! Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Sie die oder den Richtige/n für das tolle Stellenangebot finden. Ach ja, anbei sende ich meinen Lebenslauf mal auf Englisch und mein letztes Arbeitszeugnis zu, sonst bekomme ich Stress mit meiner Frau.

Mit freundlichem Gruß,

*******

Tja, was sagt man dazu? Ich bin mir mehr als unsicher, ob der Bewerber es Ernst mit seiner Bewerbung meint und mit dem Anschreiben auf sich aufmerksam machen wollte oder ob er tatsächlich keinen Bock auf den Job hat. Denn einerseits strotzt sein Anschreiben nur so vor Fehlern (die habe ich jetzt mal weitestgehend korrigiert) und sein Qualifikationen passen tatsächlich nur in ganz wenigen Punkten zu den Anforderungen der Stelle. Andererseits findet er das Stellenangebot sehr interessant, listet eine ganze Menge Dinge auf, die er schon gemacht hat und für das Layout seiner Bewerbung hat er sich auch besonders viel Zeit genommen.

Was auch immer ich mit dem Kandidaten mache… Eines muss man ihm lassen: Kreativität zählt auf jeden Fall zu seinen herausragenden Stärken. Und Mut… Denn ich kann mir vorstellen, dass sich der ein oder andere Personaler genervt fühlt. Ich jedefalls fand die Bewerbung irgendwie witzig und kann dem Kandidaten empfehlen, sich auch mal im Comedy-Bereich zu versuchen, wenns mit der IT-Branche nicht klappt.

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14 Kommentare

  • Hallo,
    für mich macht es den Eindruck, dass er so Aufmerksamkeit erreichen will. Es ließt sich auch ganz lustig. Also Ziel erreicht. Aber man kann es irgendwie nicht ernst nehmen.
    In der IT Branche braucht man auch viel Humor. Also passt das schon 😀

  • Ich denke auch, das er nur ufmerksamkeit möchte. Aber wenn er wirklich ernst meint, was er schreibt, gäbe es ja zwei Möglichkeiten, ihn zu ärgern.
    1. Einladen zum Gespräch – mal sehen wie er sich da gibt.
    2. (Mein persönlicher Favorit) Seiner Frau einen Brief schreiben und das Anschreiben mit dem Hinweis beilegen, dass sie ihn doch bitte besser kontrollieren soll, wenn sie ihn schon zwingt Bewerbungen zu schreiben. Das ganze natürlich auf neutralem Briefpapier, damit er das Schreiben nicht verschwinden lassen kann. 🙂

  • Ich bin für die zweite Lösung … Vielleicht sollte man das mit der ersten Kombinieren. Beide einladen und wenn man ihm eine Frage stellt und er antwortet, nicht drauf reagieren, sondern seine Frau antworten lassen. 😀

    Das wäre bestimmt lustig – wenn auch eine ziemliche Arbeitszeitverschwendung – aber was tut man nicht alles für eine Work-Life Balance 😉

  • Mir fällt dazu gerade was ein: Es gibt doch dieses Buch“ Sehr geehrter Herr Hornbach: Um ein Haar hätte ich mich bei Ihnen beworben“. Die „Bewerbungen“ da drin klingen genauso. Vielleicht gibts ja bald ein neues Buch und wir sind mittendrin?!

  • Der Kandidat hätte es bei mir ganz nach vorn geschafft. Kreativ, phantasievoll, mutig, geistig fit…was will man mehr von einem Arbeitnehmer. TOP Bewerbung.

  • Der Bewerber scheint mir sehr kompetent zu sein.
    Ich finde es sehr beachtenswert, dass ein IT-ler nicht mehr zu Hause bei der Mami wohnt,
    sondern mit einer echten Frau verheiratet ist.
    Respekt!!!

  • Vielleicht wäre auch eine Antwort ala „Eigentlich wollten wir Sie nicht einladen, aber die Regeln der Gleichberechtigung kombiniert mit der bescheuerten Gesetzeslage, dass jeder Spinner einen verklagen kann, wenn man diese nicht einhält, zwingen uns dazu. ….“ zumindest passend. Ob im Context von HR angebracht, kann ich nicht entscheiden 😀

  • So langsam glaube ich auch, dass der Bewerber es vermutlich doch Ernst meinte, aber aus der Masse herausstechen wollte. Ich werde mir auf jeden Fall was Passendes als Antwort überlegen. Im Übrigen habe ich über Twitter noch folgenden Link erhalten, den ich Euch nicht vorenthalten will: http://www.b-treude.de/walser.htm

  • Perfekte Guerilla-Bewerbung, oder?
    So einen Typen muss man als Bewerber dann ja fast einladen, allein um die persönliche Neugierde zu befriedigen!
    Und, um ihm – falls er es echt ernst meint – einen Strich durch die Rechnung zu machen.

  • Ich hab ja meine Bewerbungszeit schon ne Weile hinter mir gelassen und obwohl man in der Werbebranche ja auf kreative (Be)werbeformen zurückgreifen soll hab ich doch so meine Zweifel, ob ich mit der geschilderten Art und Weise ebenfalls zum Ziel gekommen wäre. Für meine Geschmack ist das zu durchsichtig und letztlich leidenschaftslos.
    Bin aber mal gespannt ob sich in der Angelegenheit noch etwas entwickelt.

  • Jaja, die Frauen.

    Wir hatten vor einigen Wochen auch so einen Fall: eine von vielen Initiativbewerbungen um eine Position im mittleren Management im Raum München kam von einem offensichtlich mit einer sehr temperamentvollen Italienerin verheirateten Mann. Diese rief noch am selben Tag mehrfach an, weil noch keine Eingangsbestätigung da sei (die kommen natürlich erst, nachdem die Bewerbung tatsächlich gesichtet und ggf. abgelegt wurde). Bei der Gelegenheit hat sie gleich mehrfach die Führungsqualitäten ihres Mannes angepriesen und noch betont, wie toll doch München sei, und dass sie unbedingt dorthin möchten.

    Führungsqualitäten hin oder her (für sich genommen war der Lebenslauf nicht soo schlecht, auch wenn wir gerade keine passenden Projekte hatten) – wer zuhause die Hosen anhatte war unmissverständlich nicht er 😉

  • Die Bewerbung ist Top .
    Das nenne ich kreative Bewerbung , sowas ist heute angesagt .
    Der Mann hat Mut . Kompliment an ihn .
    Ich hätte ihn eingeladen .

  • Nun, kurz und bündig ist der Text schon. Meine Bewerbungen sind sehr viel dichter. Habe nun auch schon viel gemacht und 4 Seiten Lebenslauf bringe ich auch schon zusammen. Als ich vor Jahren mal den Lebenslauf meines Vaters sah, bin ich schon bei 3 Seiten zusammen gezuckt. Aber viele Seiten sind auch interessante Persönlichkeiten. Bei dem obigen Kandidat hätte ich auf jeden Fall eine Einladung klar gemacht und vorallem ohne Frau. Vielleicht passt er auf die Kinder auf und die Frau hat schon kein bock mehr drauf das Geschreie zu hören. Er schreibt auch sehr aus der Null-Bock Haltung heraus. Ab 100 Bewerbungen kann das schnell mal passieren. Bei mir scheint es an meiner Behinderung zu liegen, dass ich wohl durch das Netz der Personaler rutsche.
    Fazit: ich bin auch IT-ler mit viel Erfahrung aus dem Frontend. Suche jetzt aber etwas für eMobility

  • „galgenhumor“ oder „auf die schaufel nehmen“?

    bin überzeugt, dass sich hier jemand einen super spass gemacht hat:-)

    haha, ich explodier vor lachen bei dem vorletzten satz, wobei der typ nicht ganz unrecht hat, denn wenn kein dem auftraggeber passender kandidat aufgetrieben wird gibts keine vermittlungsprovision*sfg*

    „Sie brauchen nicht traurig sein, dass ich nicht der Richtige bin. Kopf hoch und lächeln! Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Sie die oder den Richtige/n für das tolle Stellenangebot finden.“

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