Bewerbung & Interview

Gerüchteküche – Personaler wollen Macht ausüben

Wir sind mal wieder in der Gerüchtküche. Unsere Zutaten heute: Bewerber, Personaler, Macht, diverse Personalratgeber und das Internet. Ich habe da schon mal etwas vorbereitet:

Im Bewerbungsgespräch fühlt sich der Bewerber wie in der mündlichen Prüfung. Der Personaler bombardiert den Bewerber unentwegt mit Fragen – und zwar die von der fiesen Sorte:

  • Was sind Ihre größten Schwächen?
  • Warum glauben Sie, sollten wir Sie bei uns anstellen?
  • Warum haben Sie für Ihr Studium so lange gebraucht?
  • Warum waren Sie nicht im Ausland?
  • Ihre Noten sind ja jetzt nicht die allerbesten. Woran liegt das denn?
  • Warum haben Sie in Ihrem Studium nicht noch mehr Praxiserfahrung gesammelt

Der Personaler amüsiert sich köstlich, weil er den Bewerber mal so richtig unter Druck setzen kann. Ihm kommt es nicht so sehr darauf an, was der Bewerber sagt, sondern vielmehr wie er sich aus dieser Situation herauswindet. Sonst immer als Bettelknecht des Unternehmens verschrieen, hat der Personaler nun mal Gelegenheit selbst Macht auszuüben.

STOPP! Ich fühle mich gerade in ein schlechtes Theaterstück versetzt. Ich kann nur sagen, wenn Personaler tatsächlich so drauf sind, dann haben sie ihr Handwerk und ihre Aufgabe erst recht nicht verstanden. Fragen, die auf Druck und Stress abzielen, haben in meinen Augen nur einen sehr geringen Aussagewert und sollten – wenn überhaupt – nur ganz ganz sparsam eingesetzt werden.

Ziel und Aufgabe eines Gesprächs sollte immer sein, dass Bewerber und Unternehmen sich kennen lernen. Dafür ist eine angenehmen Gesprächsatmosphäre unabdingbar und genau das sollte die Aufgabe eines Personalers sein. Natürlich ist es auch wichtig, Unklarheiten im Lebenslauf herauszufinden, die Schwächen eines Bewerbers herauszukitzeln oder die Motivation für die Bewerbung zu erfahren. Das schafft man aber vor allem dann, wenn man für einen positive Stimmung im Gespräch sorgt, damit sich der Bewerber so wohl fühlt, dass er von allein anfängt darüber zu reden.

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2 Kommentare

  • Nicht wenige Positionen erfordern gelassenes Verhalten in einem stressigen Umfeld. Die berühmten Stress-Interviews gelten in einigen Unternehmen als probates Mittel, Kandidaten aus dem Gleichgewicht zu bringen. Um zu sehen, wie sie unter Belastung reagieren. Ob Recruiter an den Interviews Spaß daran haben, das möchte ich bezweifeln. Ob es um Macht geht, das kann ich nicht beurteilen. Eine solche Einstellung wäre aber unprofessionell und schadet dem Unternehmen.

    Wer als Recruiter plant, ein solches Interview durchzuführen, sollte noch einmal scharf nachdenken. Denn ein Interview verrät nicht nur etwas über den Bewerber, sondern auch über das Unternehmen. Interviews sind -wie das gesamte Recruiting- Teil des Employer Brandings. Wer wird sich durch solche Einstellungsverfahren motiviert fühlen, bei einem Unternehmen anzufangen? Eine angenehme Gesprächsatmosphäre ist da definitiv besser für beide Seiten.

  • Helge, du sprichst mir aus der Seele. Klar, in manchen Situationen sind Stressfragen ein gutes Mittel – nämlich dann, wenn der Job eine gewisse Stressresistenz verlangt. Aber dann sollte auch nur ein Teil des Interviews mit diesen Fragen gespickt sein.

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