Bewerbung & Interview

Hört zu, ich bin superschlau!

Es gibt Menschen, die sind intelligent und machen nicht viel Res darum. Und dann gibt es Menschen, die sind auch intelligent und wollen ihr Umfeld auch immer unbedingt daran teilhaben lassen. Solche Menschen nennt man dann gelegentlich auch mal Besserwisser. Obwohl man als Besserwisser nicht unbedingt intelligent sein muss… aber das geht jetzt zu weit, zurück zum Thema:

Da ist also ein vermutlich ziemlich schlauer Mensch, der in seiner Bewerbung schreibt, dass er einen IQ von 150 hat und auch Mitglied bei Mensa e.V. ist. Und nun? Was fange ich als Personaler denn damit an?

Dass er ganz schön pfiffig ist, könnte ich auch an seinen Noten oder seinen Arbeitszeugnissen sehen. Will er mir damit sagen, dass er es gut findet, Intelligenz zu fördern und sich mit anderen intelligenten Menschen auszutauschen? Vielleicht will er mir auch indirekt zu verstehen geben, dass er nur in einem intelligenten Arbeitsumfeld arbeiten möchte.

Was er damit aber nicht schafft, ist eine Aussage zu seinen eigentlichen fachlichen und persönlichen Fähigkeiten zu treffen. Ich kann nicht erkennen, wie gut er sich als Softwareentwickler macht, ob er auch schon mal schwierige Projekte gemeistert hat und wie er so mit seinen Kollegen zusammenarbeiten kann.

Vielmehr hat solch eine Angabe im Lebenslauf immer so einen faden Beigeschmack à la „Seht her, ich gehöre zu den 2% der schlausten Menschen – ich bin höchstwahrscheinlich schlauer als ihr.“ Hat schon irgendwie was von Besserwisser… oder?

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6 Kommentare

  • Hallo Daniela,

    ich denke in solchen Momenten immer „jeder ist selbst seines Glückes Schmied“. In deinem Fall wird sich der Bewerber ja was dabei gedacht haben und muss folglich auch mit der Konsequenz leben, dass derartige Eigenwerbung polarisiert.

    Beste Grüße aus Berlin
    Tibor

  • @ Tibor: es wäre sehr zu wünschen, dass besonders solche Bewerber/innen, wie Daniela sie so treffend beschrieben hat, selbstreflexiv und selbstkritisch sind. Meiner Erfahrung nach sind aber gerade solche Leute genau das nicht oder nur in den seltensten Fällen. Und so wundern sich die meisten in der Kategorie Besserwisser/in dann auch noch über eine Absage, wo sie doch so superschlau sind…
    Leider.

    Beste Grüße aus Wien
    Andrea

  • Dazu fällt mir ein Sprichwort ein: Intelligenz wirkt nur von unten wie Arroganz.

    Unabhängig davon ob es clever ist in einer Bewerbung zu schreiben, dass man einen IQ von 150 hat, gefällt mir die Richtung in die dieser Blog driftet leider immer weniger.

    Bei dem Wort „Besserwisser“ denke ich zunächst vor allem an Einzelpersonen, die über Jobs reden, deren Anforderungen weit über ihr eigenes Niveau gehen und dabei Leuten, die weit höher qualifiziert sind als sie selbst, mit allzu flotter Zunge launige Ratschläge unterbreiten.

    Leider bleibt man dabei zu oft konstruktive Vorschläge und Lösungsansätze schuldig, sondern liefert überwiegend destruktive Lästerei am „negativen Beispiel“.

    Brauchen wir das? Reichen für diese Art der „Unterhaltung“ nicht RTL und die Bildzeitung?

    Es fehlt vielmehr an einer Kultur, in der Intelligenz einen hohen gesellschaftlichen Wert hat.
    Es muss wieder „cool“ sein gute Noten zu haben und etwas besser zu wissen ist schließlich etwas positives!

    Was ist der Unterschied zwischen einem für den Job geeigneten, intelligenten „Besserwisser“ und jemandem, der für die Position ungeeignet ist?
    Ganz einfach: reden Sie mit 2 Leuten über die Bedeutung des Mahayana-Buddhismus für die religiöse Entwicklung in Indien. Der IQ-100 Durchschnittsversager wird Sie als arrogante Labertasche links liegen lassen. Der IQ-150 „Besserwisser“ wird zuhören, parallel anfangen nachzuschlagen und wird morgen über das Thema mehr wissen als Sie selbst.
    Und ebenso gehen diese Leute mit allen anderen Problemen um, auf die sie stoßen. Sie sind um Lösungen daher nie verlegen, die tägliche Übung macht den Meister. Das ist ein Persönlichkeitsmerkmal, welches jemanden für eine bessere Position besonders qualifiziert.

    Dies hat nichts mit Arroganz zu tun. Wir brauchen Leute, die sich jenseits ihres Horizonts begeistern und interessieren können. Den Rest kann man – auf Deutsch gesagt – in der Pfeife rauchen!

    Natürlich muss es nicht nur Könige sondern auch Bauern geben. Aber eine Person, die mit der Position eines Bauern zufrieden ist und nicht den Hunger verspürt, im Leben noch deutlich mehr zu erreichen, sollte davon absehen, anderen Menschen Ratschläge erteilen zu wollen.

    Diesen Hunger nicht zu spüren, sich mit niederen Zielen zufrieden zu geben und negativ über andere zu reden, um sich selbst besser zu fühlen, ist leider auch eine Charaktereigenschaft. Nur nicht notwendigerweise eine positive.

  • Mich würde interessieren wie er das in Sätze verpackt hat. Sollte er einfach geschrieben haben „Ich habe einen IQ von 150“, dann würde ich sagen, Aufschneider. Sollte er dass locker passend in ein bis zwei Sätze verpackt haben, so das man ihm die 150 auch anmerkt, dann würde mich das doch beeindrucken.

    Gruß Tobi

  • @Markus: Natürlich ist jemand, der besonders intelligent ist, nicht automatisch arrogant. Nur konnte ich mit dieser Angabe im Lebenslauf nichts anfangen – wie hoch der IQ eines Menschen ist, sagt mir noch nichts über seine fachlichen und sozialen Fähigkeiten. Allein vom IQ zu antizipieren, dass er fachlich gut ist, sich vielleicht schnell in neue Themengebiete einarbeiten kann und dazu noch gut mit anderen Menschen arbeiten kann, ist mir zu vage. Da eine valide Aussage zu bekommen, halte ich für schwierig. Dass ich gemutmaßt habe, dass jemand, der seinen IQ angibt, am Ende „nur“ ein Besserwisser ist, der mit seinem IQ angeben will, könnte man ja auch als spitze Bemerkung verstehen 😉
    @Tobi: Die Angabe war einfach im Lebenslauf unter „Sonstiges“ aufgelistet, ohne weitere Hinweise oder Erläuterungen.

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