Ratatouille

Sag mal, was arbeitest du eigentlich?

Neulich habe ich wieder festgestellt: Der Generationenkonflikt zwischen Eltern und Kinder hört nie auf. In der Regel kommt dieser in der Pubertät besonders schlimm zum Vorschein, doch danach ist es noch lange nicht vorbei. Auf anderem Niveau gehen die durch den Altersunterschied bedingten Diskussionen weiter, wenn die Kinder auf einmal selbst berufstätig sind.

Doch von vorn. Im Kinder- und Jugendalter, wenn man noch „die Füße unter den elterlichen Tisch hat“ stehen in den meisten Familien gemeinsame Mahlzeiten auf dem Tagesplan – und das ist auch gut so. Doch aus Kind- und Jugendperspektive empfindet man das nicht so, immerhin muss man erzählen wie es in der Schule war, ob man alle Hausaufgaben gemacht hat und warum die Klassenlehrerin um ein persönliches Gespräch bittet. Und andersrum berichten die Eltern von ihrem Tag, was sie auf Arbeit erlebt haben und welche beruflichen Probleme sie beschäftigen. Vor einigen Wochen meinte eine Mutter von zwei fast erwachsenen Töchtern zu mir, dass sie ihre Kinder regelrecht nervt und ihnen ganz bewusst erzählen würde, was sie konkret arbeitet.

Aus heutiger Sicht finde ich das gut, aber selbst einmal im Jugendalter hätte ich mir manchmal Spannenderes vorstellen können (Sorry Mutti! ;)) Aber versteht mich nicht falsch: Ich finde es wirklich wichtig, dass Kinder (ungefähr) wissen was ihre Eltern beruflich machen. Auch die Kinder werden größer und müssen sich nach der Schule für einen beruflichen Weg entscheiden. Und was hilft bei der Berufsorientierung besser, als die täglichen Eindrücke vom Arbeitsalltag der Eltern?

Aber wie so oft im Leben dreht sich der Spieß einmal um, die Kinder werden erwachsen und zählen nun selbst zu den Berufstätigen. Erzähle ich heute meinen Eltern oder anderen Familienmitgliedern von meinem Job, dann sehe ich nicht selten in fragende Gesichter: „Marketing, ist das was mit Werbung?“, „Bloggen, wie schreibt man das denn überhaupt?“. Das ging schon mit dem Studium und der Vertiefung Internationales Management los: „Was managet man denn da?“, gefolgt von „Bei Lehramt hätte ich mir noch vorstellen können, was du machst…“

Ich finde es immer wieder amüsant zu sehen, wie sich die Eltern-Kind-Beziehung mit den Jahren verändert. Hat man als pubertierender Teenager gerade noch die Augen über die wirklich banal klingenden Berufsprobleme der Eltern verleiert, findet man sich schon auf der anderen Seite wieder, der lieben Familie mühsam erklärend was genau man eigentlich den ganzen Arbeitstag lang macht.

Ich gerate dabei gelegentlich an meine Grenzen, vor allem wenn das jeweilige Gegenüber so gar nichts mit den Themen Internet, Social Media und „neumodischen Fachbegriffen“ am Hut hat. Aber mit dem gelegentlichen Unverständnis der älteren Generation über die heutigen Berufsbilder umgehen zu können, gehört wohl auch zum Erwachsenwerden dazu.

Das wird sich wohl auch nie ändern – und wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich bis heute nach wie vor nur dass meine Mutter „irgendwas mit Solarzellen macht“ 😉

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4 Kommentare

  • Ich bin Softwareentwickler im Business-Umfeld. Mein Schwiegervater (Zimmermann) war auch immer in Sorge, ob ich denn genug Geld mit diesem Computer-Zeug verdienen könne, um seine Tochter und seine Enkel zu ernähren. Ein Schreiner, Bodenleger oder Kraftfahrer wäre ihm vermutlich lieber. So sind die Zeiten…

  • Interessanter Artikel, konnte meine Erfahrungen darin wieder finden und hoffe meinem eigenen Kind einmal einen besseren Einblick in meine Arbeit als Softwareentwickler liefern zu können. Ebenso hoffe ich, dass ich später, wenn diese im Berufsleben stehen, noch für Neues Interesse zeige.

  • Au ja, das kenne ich auch gut 😀 „Zum Coachen setze ich auf diagnostische Instrumente“ – „Wie ein Arzt?“ – „Na ja, ich weiß ja nicht, was ein Arzt so einsetzt, bei mir sind das dann Programme, die Unternehmen bei der Personalauswahl und -entwicklung oder Menschen bei der Potenzialanalyse helfen.“
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass „unsere Eltern“ etwas Handfestes, Greifbares besser fassen können als etwas „Virtuelles“. Auch beliebt: Die Frage, ob man denn davon leben könnte 😉 Ja, klar – ich lebe doch.

    Ich bin gespannt, was uns die nächste Generation um die Ohren hauen wird. Wie die ihr Geld verdient und wie wir dann nicht mehr mitkommen – hoffen wir mal, wir wirken dann nicht zu altbacken und kommen noch ansatzweise mit 😉

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