(Neue) Arbeitswelt

Offline-Urlaub, ein neuer „Trend“?

Quelle: magann/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Und weil der Sommer endlich da, habe ich gleich mal eine Woche Urlaub am Bodensee verbracht. Einer unserer Ausflüge ging ins schöne Lindau und mitten im Auto wurden wir angerufen, mit der Bitte doch einen kurzen Blick auf eine Mail zu werfen. Unsere Anmerkung, dass wir im Urlaub allerdings offline sind, konnte unser telefonisches Gegenüber zunächst gar nicht fassen.

Und das konnte ich wiederum nicht fassen. Schließlich zählt das @-Zeichen bei mir nie zu den bestimmenden Kriterien bei der Suche nach einem Quartier, der Laptop bleibt sowieso immer zu Hause und – jetzt oute ich mich endgültig – einen Handyvertrag, bei dem der unbegrenzte Internetzugriff inklusive ist, habe ich ebenfalls nicht. Mit meinem Handy bin ich nur dann im Netz, wenn ein WLAN in Reichweite ist, zu dem ich auch die Zugangsdaten habe und für das ich nicht extra zahlen muss. Auf Arbeit und in den eigenen 4 Wänden kann ich ja rund um die Uhr im www surfen und da brauche ich nicht noch für meinen 5-Minuten-Weg zwischen Büro und Wohnung Internetzugriff – ein Navi brauche ich nicht mehr, den Weg kenne ich mittlerweile 😉

Das Gleiche trifft übrigens auch für meine bessere Hälfte zu, die bei besagtem Anruf neben mir saß. Mühsam quälte sich mein Freund ab, seinem Kumpel über Telefon zu erklären, dass er die Mail erst lesen könne wenn wir aus dem Urlaub zurück sind. „Und deine Holde, hat sie Internet? Nein, sie auch nicht.“ Schweigen. „Echt nicht?“ Wir müssen beide lachen. „Krass. Das müsste ich auch mal machen, so ganz ohne Laptop und Internet.“

Bevor ich mich an diesen Artikel gesetzt habe, habe ich bei Google eigentlich nur aus Spass „Offline im Urlaub“ eingegeben. Umso überraschter habe ich festgestellt, dass einige Reiseanbieter bereits mit Angeboten „Offline-Urlaub“ locken. Hier wird offline teilweise viel ernster genommen, als ich bisher selbst auf die Idee gekommen bin: Neben fehlendem Internetzugang und Handyverbot, gibt es weder Fernseher, Radio noch ein Telefon auf dem Zimmer. Sogar in den Speiseräumen läuft statt Radio nur klassische oder Entspannungsmusik.

Doch nicht nur Reiseanbieter folgen dem scheinbar neuen Trend, sondern auch die Consulting-Branche. Berater nehmen ihre vom Arbeitsalltag vollkommen reizüberfluteten „Patienten“ an die Hand, und führen sie behutsam an einen wirklich erholsamen Urlaub heran – ganz ohne Smartphone und Laptop. Entspannung durch digitale Entgiftung!

Ich bin mir unsicher, was ich von solchen Angeboten halten soll. Ich selbst glaube (und hoffe inständig!), dass ich wohl eher weniger darauf zurückgreifen muss. Spontan schießt mir „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ in den Kopf, weil ich bei mir selbst immer merke, wenn mich das digitale Arbeits- und Zeitalter zu sehr in Beschlag nimmt und ich eine kleine Auszeit brauche. Aber gerade in der IT- und Kommunikationsbranche gibt es sicher einige potentielle Teilnehmer, bei denen sich die tägliche Arbeit mit Technik & Internet bereits zu einer so massiven Sucht entwickelt hat, dass ein vorübergehender kalter Entzug dringend nötig wäre.

Wie bei fast allen Dingen im Leben muss jeder für sich selbst entscheiden, ob und welche Rolle die liebe Technik auch im Urlaub spielen darf. Immerhin kann sie die schönsten Wochen des Jahres auch erleichtern, sei es nun dank Wetterbericht, der gesparten Wartezeit durch digital gekaufte Eintrittskarten oder E-Books, die den Koffer gleich um einiges leichter werden lassen.

Und trotzdem: Wenn sämtliche Urlaubserlebnisse via Twitter, Facebook & Co. in Echtzeit mit den Daheimgebliebenen geteilt werden, dann werden die gemeinsamen Abende mit Freunden, um die Urlaubsfotos zu zeigen und die Frage „Wie war’s im Urlaub?“ bald Geschichte sein. Und das wäre doch furchtbar schade, oder? Also, seid mutig und offline!

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