(Neue) Arbeitswelt

BWL Studium? Ab in die Küche!

Quelle: Stefanie Salzer-Deckert/pixelio.de
Geschrieben von Anna M

Man hört ja immer wieder die verrücktesten und die absurdesten Geschichten von Arbeitssuchenden, die sie nach ihren Besuchen bei der Agentur für Arbeit berichten können. Die Aufgabe einer Agentur sollte ja in erster Linie eine Dienstleistung darstellen und daraus resultiert, dass diese Organisation die Interessen und Ziele einer bestimmten Gruppe vertritt und mit dieser gemeinsam versucht, Erfolge zu erzielen. Leider hört man sehr oft auf welch skurrile Art und Weise von dieser bestimmten Agentur Probleme angegangen werden und Lösungen gesucht werden.

Kann jeder Ihren Job machen?

Ich hatte auch schon das große Vergnügen, die netten Fallmanager kennen zu lernen. Fragen wie: Sind Sie noch vor 1965 in Deutschland eingewandert (ich bin 32 Jahre alt!)? oder Was mache ich denn mit Ihnen? Mir fällt nichts ein zu Ihrem Profil! Und Aussagen wie: Hey, hier sitzt eine junge Dame in meinem Büro, willst du sie dir mal antun? und Ach, Sie sind Spätaussiedler – das macht nichts! – musste ich mir anhören und konnte mir so mein eigenes Bild als Kunde der Agentur für Arbeit über ihre Dienstleistungen machen. Auf meine Frage, was ich denn mitbringen müsste, um ihren Job zu machen, bekam ich die Antwort: Jura! Na klar!

Agentur für… was?

Eine Freundin von mir musste letztens auch die Dienstleistungen der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen und kam als potenzielle Kundin zum Gespräch. Mit einem Bachelor in Business Administration, einem Magister in IWK/Slawistik/DaF und Berufserfahrungen kann man einige passende Jobangebote finden…denkt man! Nach einem super tollen innovativen Matchingprozess wurden einige Keywords aus ihrem Lebenslauf ein eine Suchmaske eingegeben und prompt kam das Ergebnis: Servicekraft mit russischer Küche oder wahlweise auch Karusselldrehen. Wahnsinn! Ich weiß ehrlich nicht, was ich dazu sagen soll…sprachlos.

Hilfe mal anders…

Als ich total empört diese Geschichte weiter erzählt habe, musste ich feststellen, dass es vielen Menschen in der Beratung bei der Agentur für Arbeit so ging. Meiner Kollegin wurde geraten, eine Ausbildung zur Hotelfachfrau zu machen mit der grandiosen Begründung, sie würde so nett aussehen. Ganz abgesehen davon, in welche Maßnahmen die sogenannten Kunden gesteckt werden. Bürokauffrauen in Computerkurse und andere tolle Ideen. Habt ihr auch schon solche Erfahrungen machen können?

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

2 Kommentare

  • Meine Erfahrungen mit dem Arbeitsamt: Ich hatte in München und Frankreich Jura studiert, einen französischen Abschluss in Jura, seit dem ersten Semester immer in einer Kanzlei gearbeitet etc pp. Vor einigen Jahren hätte ich mich gerne informiert, wo man in meiner Nähe mit kleinem Kind juristisch tätig werden kann. Die Antwort: „Sie haben ja nichts vorzuweisen und gar keinen richtigen Abschluss. Wollen Sie nicht lieber noch eine Ausbildung machen?“ Ähnlich ging es meinem Mann, einem promovierten Chemiker und IT-Spezialist. Bei befristeten Arbeitsverträgen muss man sich ja vor Vertragsablauf immer rechtzeitig beim Arbeitsamt melden. Deren Idee für meinen Mann: ein Windows-Office-Kurs. Und nein, leider wisse man nicht, welche Chemieunternehmen es im Landkreis gäbe…

  • Man darf da nicht zu viel erwarten. Mein erstes Beratungsgespräch beim Arbeitsamt hatte im Prinzip den Inhalt „Bewerbungsunterlagen haben Sie im Prinzip vorbereitet, ja? Unten finden Sie Computer, mit denen Sie die Jobbörse durchsuchen können. Bei mir mit unserem speziellen Programm sieht die Bildschirmmaske zwar anders aus als auf der Webseite, aber ich kann damit auch nichts anderes machen, und Sie wissen sicher am besten, was Sie können.“

    Zugegeben, für mich als Uniabsolvent (keine 12 Monate innerhalb der letzten Jahre eingezahlt) war nach der Exmatrikulation die Arge oben in der Schottstraße zuständig (die mich sofort zurück ins Tal ans Arbeitsamt verwies, um mir einen Ablehnungsbescheid zu besorgen), dennoch glaube ich nicht, dass man dort überhaupt Möglichkeiten und Interesse hat, sinnvoll zu vermitteln. Ein „Kunde“ in einer Maßnahme ist auch erst mal weg, und vielleicht hat er danach schon etwas gefunden. Einen Arbeitgeber finden muss man sowieso selbst, man kann maximal etwas technische Hilfestellung bekommen, und längst nicht alle Arbeitsverhältnisse kommen über öffentlich ausgeschriebene Stellen zustande, wie sich das Arbeitsamt das so vorstellt.

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