Ratatouille

Klopf, klopf…hier ist meine Bewerbung!

Bewerbung, Quelle: 422737/pixabay.com
Geschrieben von Anna M

Immer wieder frage ich mich, ob es eine gute Idee ist, wenn Bewerber ohne Ankündigung an der Tür stehen und ihre Bewerbung persönlich abgeben wollen oder sich beraten lassen wollen, weil sie sich unsicher sind, ob es Sinn macht, sich auf die eine oder andere Stelle zu bewerben. Eine Überraschung ist es auf jeden Fall immer und man muss spontan auf die neue Situation ohne Vorbereitung reagieren.

So wie bei allem anderen gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Manchmal ist es interessant und spannend und man kann sich sehr gut in die Position der Bewerber hineinversetzen und sucht sofort nach Lösungen, aber dann gibt es auch andere Situationen, bei denen mir eher die Haare zu Berge stehen und ich froh bin, dass dies nur Ausnahmen bleiben.

Eigeninitiative zu zeigen und den Mut aufzubringen, einfach an der Tür anzuklopfen, kann nicht jeder. Das kostet sicherlich Überwindung. Man könnte ja in einem sehr unpassenden Moment auftauchen und sich damit gleich am Anfang alles verbauen, weil die Ansprechpartner des Unternehmens eine Prüfung oder andere wichtige Termine haben, total gestresst sind und sich extrem gestört fühlen. Da fällt die Bewerbung, für die man sich viel Mühe gegeben hat, schnell unter den Tisch. Ich habe mich letztens mit einem Unternehmen unterhalten und die Reaktion der Mitarbeiter fand ich toll. Sie freuen sich über solche unerwarteten Gäste, da es ihnen zeigt, dass die Bewerber sich über die Firma kundig gemacht haben, sie toll fanden und sie gleich kennenlernen wollten. Das schmeichelt natürlich, aber das Auftauchen allein reicht nicht aus. Man muss schon mit konkreten Vorstellungen ankommen und die Kenntnisse und Fähigkeiten müssen zum Unternehmen passen, so dass beide Seiten einen Mehrwert aus einer Zusammenarbeit herausziehen können.

Planlos irgendwo aufzutauchen, nach dem Motto „hier bin ich, was habt ihr zu bieten?!“, ist eher ungünstig. Solch einen Fall hatte ich letzte Woche. Der Bewerber stand plötzlich vor meiner Tür und wollte von mir wissen, welchen Fernstudiengang er nun auswählen soll, damit er danach von mir einen Job bekommt. Völlig unvorbereitet, keine Bewerbung (außer zerknüllte Flyer von der Akademie), keinen Plan, keine konkreten Ideen… Er möchte aber irgendwas mit Computern machen, damit kriegt man doch immer einen Job! Eigentlich ist er Feuerspucker und sein Traum ist es, Feng Shui Berater zu werden, aber dafür bringt er zu wenig Vorkenntnisse mit, wurde ihm beim Arbeitsamt erklärt. Und für Informatik reicht es etwa??? Ach ja, klempnern kann er auch ein wenig! Was denken sich die Leute dabei und was denken sich vor allem die Berater beim Arbeitsamt?

Zusammenfassend muss ich sagen, ich finde es nicht verkehrt, seine Bewerbung persönlich beim potentiellen Arbeitgeber einzureichen – da muss aber auch was dahinter stecken. Konkrete Ideen, Vorstellungen und Ziele sollte man mitbringen und diese kurz in zwei Sätzen zusammenfassen können, da man meistens nicht viel Zeit hat, in diesem einen kurzen Augenblick zu überzeugen.

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

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