Ratatouille

Von bösen Personalern und undankbaren Bewerbern

Teamleiter, Quelle: saulhm/pixabay.com
Geschrieben von Anna M

Letztens bekam ich eine Anfrage von einem Bewerber, der sich für einige unserer Stellen interessiert hat. Ich habe ihm schnell geantwortet, dass die Stellen noch vakant sind und ich mich auf seine Unterlagen freue. Darauf erhielt ich eine sehr eigenartige Antwort. Der Bewerber hätte sich etwas genauer informiert und ihm ist aufgefallen, dass wir nicht für unser eigenes Unternehmen suchen, sondern für einen Kunden. Und da er davon ausgeht, dass wir keine Ahnung haben und nur eine Checkliste abhaken, hätte er eh keine Chance, jemals zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Dann folgte ein sehr uncleverer Schachzug von ihm, in dem er beide Stellen, für die er sich anfangs interessiert hatte, schlecht geredet hat. Bei der einen hat er sich über die eingesetzten Technologien ausgelassen und festgestellt, dass man diese nicht benutzen sollte. Bei der anderen katapultierte er sich selbst raus, indem er die fehlenden fünf Jahre Berufserfahrung mehr als deutlich angesprochen hat und seine Chancen selbst ausgerechnet hat. Als Fazit seiner „Selbstabsage“ fügte er aber hinzu, dass für ihn ohnehin nur der persönliche Kontakt mit dem zukünftigen Chef und den Kollegen zählt und dass er mir noch viel Erfolg bei der Suche wünscht. Ich konnte es nicht auf mir sitzen lassen und obwohl ich eigentlich dafür keine Zeit verschwenden sollte, habe ich dem Herren ausführlich geantwortet:

„Sehr geehrter Herr …, interessanter Ansatz. Ich finde es traurig, dass Sie sich selber für beide Stellen eine Absage erteilt haben. Es stimmt, dass wir ein externer Dienstleister sind. Es stimmt aber nicht, dass ich nach einer Checkliste arbeite. Ich will auch immer den Menschen kennen lernen und rede mit jedem Kandidaten (der geeignet zu sein scheint) persönlich oder am Telefon, nachdem er oder sie mir ihre Unterlagen geschickt hat, denn nur anhand dieser kann ich mir ein Bild von den technischen Qualifikationen machen und dann gezielt Fragen stellen. Ich weiß nicht, was daran verwerflich sein soll. Außerdem sind immer alle Angaben in den Stellenbeschreibungen sehr dehnbar und ich schaue immer, wie der Bewerber persönlich auf mich wirkt, was er außerhalb der Arbeit macht, was ihn bewegt und welche Ziele er hat – aus beruflicher und persönlicher Sicht. Ich kenne meine Kunden sehr gut und kann schon am Anfang sehen, zu welchem Unternehmen wer passt und führe so die beiden Parteien zusammen. Wenn Sie meinen, den Kontakt gleich abzubrechen, finde ich das schade. Falls Sie sich das noch anders überlegen, freue ich mich auf Ihre Unterlagen.“

Darauf antwortete er, er würde sich seit Jahren bei mehreren Anbietern bewerben und hätte noch nie eine Antwort erhalten, noch nicht mal eine Eingangsbestätigung und er würde noch nicht mal wissen, ob seine Unterlagen vollständig angekommen wären. Auch auf wiederholte Nachfragen, hätte er nie ein Antwort bekommen und ans Telefon ist auch nie jemand gegangen oder er landete in einer Endloswarteschleife. Aus diesen Gründen hält er nichts von Personalvermittlern und hält diese Seiten nur für Scheinseiten, die nie jemanden vermitteln. Es würde seinen Bekannten auch so gehen und bei der Recherche nach Leidensgenossen in unterschiedlichen Foren ist auf andere Opfer dieser bösen Scheinpersonalvermittlern gestoßen. Das alles ist also reine Zeitverschwendung für ihn, aber er bedankt sich bei mir für die Antwort, mit der er nicht gerechnet hätte und er würde mir in den nächsten Tagen seine Unterlagen zuschicken. Das ist doch mal was, dachte ich mir und habe mich gefreut, ihn überzeugt zu haben.

Nach mehr als einer Woche kam seine Bewerbung, die nur aus einem Lebenslauf bestand. Dieser war so schlecht geschrieben und so unstrukturiert, ohne Zeitangaben, ohne Unternehmensnamen, mit zwei unterschiedlichen Telefonnummern, das Layout war komplett verschoben (wahrscheinlich bei der Umwandlung zur PDF passiert)…es war einfach nicht schön. Nichtsdestotrotz wollte ich mit ihm reden und versuchte ihn, mehrere Tage hintereinander zu erreichen (auf beiden Telefonnummern). Ich habe auch auf dem AB gesprochen und ihm eine E-Mail geschrieben, dass er sich bitte doch bei mir melden soll. Was ist dann passiert? NICHTS! Er rief mich nicht zurück. Und nun frage ich mich, warum dieser Mensch sich die Zeit genommen hat, sich zu erklären und über die bösen Personaler zu schimpfen, anstatt mal mit einem zu reden, der ihm geantwortet hat. Was soll ich aus dieser Geschichte für mich persönlich mitnehmen?

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

6 Kommentare

  • Das kann ich Ihnen sagen Anna. Als ich gerade ausgelernt in die Berufswelt entlassen wurde, wurden mir auch Personalvermittler nahegelegt (keine bestimmten), sondern eben als Unterstützung bei der Arbeitssuche……
    Nach (ich habe extra nochmal nachgesehen) 56 Bewerbungen und 1/3 davon persönlicher Vorstellung bei jehnen Personalvermittlern ist mein Fazit gewesen, dass ich als unerfahrende, unmotivierte Arbeitssuchende abgestempelt wurde, die angeblich nicht versteht, dass es noch andere Bewerber gibt, weil ich wegen meiner Bewerbung (und somit meiner beruflichen Zukunft) ernsthaft Sorgen mache und jeder weitere Tag als Arbeitslose ein „verlorener“ Tag ist.

    Wenn Personalvermittler den „perfekten“ Bewerber wollen der sich zu 100% sich richtig soll, sollte die/der Personalvermittler dies auch tun und Bewerber nicht als Bittsteller sehen.

  • Hallo Marion,
    ich sehe die Bewerber nicht als Bittsteller. Sie haben meinen Artikel anscheinend falsch verstanden. Es tut mir leid, dass Sie so schlechte Erfahrungen gemacht haben. Ich wollte nur meinem Ärger Luft machen, da ich das traurig fand, dass sich der Kandidat nicht mehr gemeldet hatte und meiner Meinung nach auch nur seinem Ärger Luft machen wollte. Und als er auf einmal auf offene Ohren gestoßen war, sich zurückgezogen hat aus für mich nicht erklärbaren Gründen. Bewerber, die zu 100% passen, gibt es nicht oder nur selten. Und das wissen wir auch. Wir geben uns Mühe, alle gerecht zu behandeln und leider können wir nicht allen einen Job anbieten.

  • Hallo,

    als derzeit Arbeitssuchender in der IT kenne ich das Problem mit Arbeitsvermittlern. Ich habe generell keine so schlechte Meinung von ihnen, leider tummeln sich viele in dem Becken und versuchen offensichtlich ihre Datenbanken zu füllen. Manch einer verfährt noch nach der alten Methode, sammelt Lebensläufe und verschickt sie wahllos an Unternehmen. Die Person passt nicht? Egal, auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

    Ich wünsche mir, dass es mehr gute Personalvermittler gibt, die sich auch in der Materie auskennen. Ärgerlich, wenn einem als Netzwerkprofi nur Stellen als Windows- oder Linux-Administrator angeboten werden. Ein Vermittler braucht nicht selber coden oder das OSI Model rauf- und runterbeten können. Aber er sollte die Unterschiede bei den Spezialisierungen innerhalb eines Bereiches kennen. Das würde schon viel helfen.

    Anna, der von Dir (ich bleibe mal frech beim Internet-Du) beschriebene Ansatz, wie Du mit Bewerbern umgehst, der sagt mir persönlich zu. Schauen, ob der Kandidat einigermaßen passt, dann ein persönliches Gespräch. Da kann man ja schon viele Hinweise finden, ob das Profil des Bewerbers überhaupt Chancen beim Unternehmen hätte. Irgendwann kennt man ja seine Pappenheimer unter den Entscheidern.

    Gruß
    Sascha

    PS: Lang geworden, wollte nur ein paar Zeilen schreiben 😉

  • Hallo Sascha,
    du hast vollkommen recht – man muss sich selbst mit dem Thema intensiv auseinandersetzten. Ich hatte auch anfangs damit zu tun, mich bei den ganzen Programmiersprachen zurecht zu finden. Das muss auch Spaß machen, andernfalls sollte man überlegen, den Job zu wechseln.
    Liebe Grüße
    Anna

  • Ich habe jetzt zwei Artikel von Anna gelesen, beide naiv und arrogant. Und zwar so sehr, dass ich Ihre Seite nicht mehr besuchen werde und zudem das Bedürfnis habe, Ihnen das mitzuteilen.

  • Hallo Martina,
    vielen Dank für das ehrliche Feedback. Wir freuen uns immer über Kommentare zu unseren Artikeln und beantworten diese auch. Mich würde es jedoch sehr interessieren, was Sie an den zwei Artikeln, die Sie von mir gelesen haben, stört. Vielleicht kann ich das eine oder andere klar stellen oder erläutern, bzw. ändern.
    Ich freue mich auf Ihre Antwort.
    LG
    Anna

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