Körper, Geist & Job

Boreout – krank vor Langeweile

Introversion, Quelle: RudolphoDuba/pixelio.de
Geschrieben von Anna M

Man kommt früh zur Arbeit und man weiß nicht, was man tun soll. Man könnte ja E-Mails lesen und wenn man wirklich welche bekommen hat, diese beantworten…ja…und nun? Ah! Der Sommerurlaub muss noch gebucht werden und die Oma hat auch bald Geburtstag…da könnte man doch ein Fotokalender zusammenstellen. Super! Der Staub wurde auch schon seit zwei Tagen nicht gewischt – also aufräumen. Kennt das einer von euch?

Keine dringenden Aufgaben, kein Stress, keine Termine und sonst auch nicht viel – das klingt nach einem super Job. Man kriegt Geld und kann seine privaten Aufgaben alle erledigen. Und wenn diese erledigt sind, dann kann man sich ja auf Facebook rumtreiben und dann vielleicht ein Buch lesen und dann… Ja, dann wird es irgendwann jedem langweilig. Keine Arbeit bedeutet auch keine Ziele, keine Auslastung, keine Erfolgserlebnisse, keine Anerkennung, sondern pure Unterforderung und dadurch trotzdem Erschöpfung und miese Laune. Ich denke, es gibt wenig Arbeitnehmer, die mit so einem Arbeitsalltag total zufrieden sind.

Die Symptome scheinen dieselben wie bei Burnout zu sein. Man ist am Ende solch eines Tages total fertig mit den Nerven, ist wie gerädert und total müde. Langeweile macht krank und im Fachjargon nennt man die Krankheit Boreout. Bei Boreout handelt es sich eigentlich um eine Unzufriedenheit mit dem Job. Die Langeweile entwickelt sich schnell zu einem Zustand der Verzweiflung und Ratlosigkeit, die Menschen werden sogar depressiv. Kann man das denn nicht umgehen? Wenn man zu wenig Arbeit hat, kann man das doch dem Chef sagen und mehr Aufgaben einfordern. Ist das so leicht vor dem Chef zuzugeben, dass man nichts zu tun hat? Dieser kann doch auf die Idee kommen, dass der Mitarbeiter vielleicht ganz überflüssig ist und es besser wäre, wenn man seinen Arbeitsplatz einfach streicht. Die Angst, die Arbeit zu verlieren, hemmt die Menschen, ihren Frust und Verzweiflung offen darzulegen. Boreout kann aber auch qualitative Ursachen haben, wenn der Arbeitnehmer mit der Anforderung unzufrieden ist, wenn die Aufgaben viel zu leicht erscheinen und weniger spannend sind.  Einige Aufgaben können den Mitarbeiter psychisch sättigen und dadurch fühlt er sich sehr schnell unterfordert, obwohl er die Aufgaben vorher vielleicht gern gemacht hat.

„Betroffene“ entwickeln Strategien, um beschäftigt zu wirken. Dies macht jedoch noch mehr psychischen Stress, denn man macht sich die ganze Zeit etwas vor. Müdigkeit, Lustlosigkeit, Gereiztheit aber auch physische Beschwerden wie Magen- oder Kopfschmerzen sind häufig. Was tut man aber dagegen?

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

2 Kommentare

  • Zu einem wirkungsvollen Gegenmittel kann die Beschäftigung mit einem bisher kaum frequentierten aber interessantem beruflichen Thema werden. So könnte man als Personaler eigene Präsentationen zu Fachthemen wie die „Personalgewinnung der Zukunft“ erstellen. Sie können vielleicht nicht mit Powerpoint umgehen? Kein Problem sie haben ja Zeit, danach können sie es (Tipp: Layoutvorlage im Unternehmen nutzen). Besuchen Sie doch mal eine kostenlose Abendveranstaltungen zu einem beruflichen Thema wie dem „Ideenmanagement“ oder sie nehmen an kostenlosen beruflichen „Webinaren“ (XING) teil. Nebenbei bringen sie ihren Lebenslauf und ihren beruflichen Webauftritt auf Vordermann. Danach präsentieren sie die Ergebnisse ihrem Chef: „Sie haben sich mal ein paar Gedanken gemacht….“. Springt dieser darauf nicht an, ist das nun ein guter Zeitpunkt den Arbeitgeber zu wechseln.
    Viel Erfolg!

  • Dem kann ich nur zustimmen. Bore Out führt zu einer weitaus größeren Stresssituation als das Burn Out. Denn durch das nicht beschäftigt sein, sucht man nach Möglichkeiten, um gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten möglichst busy zu wirken. Eben das Simulieren einer kurzzeitigen Geschäftigkeit löst in dem Betroffenen weitaus mehr Druck, als das Einhalten einer anstehenden Frist bei höherem Arbeitsaufwand. Umso wichtiger ist es passende Maßnahmen gegen das Bore Out zu ergreifen. Beispielsweise kann es helfen, den Arbeitsplatz zu wechseln und sich Positionen mit einem vielfältigen Aufgabengebiet zu stellen. Eventuell kann die Teilnahme an Schulungen und Weiterbildungen hilfreich sein. Diese verhelfen gewöhnlich zur Übernahme eines breitergefächerten Verantwortungsbereichs oder zur Anstellung in einem anderen Tätigkeitsfeld. Darüber hinaus ist es sinnvoll, wenn man in einer solchen Situation der Langeweile das direkte Gespräch mit dem Arbeitgeber sucht und gemeinsam an einer Lösung arbeitet. Bringt das auch nicht hilft als letzte Möglichkeit aus der Misere nur noch die Kündigung

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