Körper, Geist & Job

Selbsterfüllende Prophezeiung

Quelle: Jarmoluk/pixabay.com
Geschrieben von Ulrike

Welche Gemeinsamkeit besteht zwischen der Vorhersage einer Wahrsagerin und der Meinung Ihres Vorgesetzten? Keine, denken Sie? Nicht unbedingt, denn beide können im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung wirken. Was sich hinter diesem Phänomen verbirgt und wie man es für sich nutzen kann, darum geht es im heutigen Beitrag.

Definition

Von einer selbsterfüllenden Prophezeiung spricht man, wenn die Erwartungen oder Befürchtungen einer Person ihr Verhalten unbewusst so beeinflussen, dass diese auch tatsächlich eintreten. Ein sehr populäres Beispiel zur Entstehung dieser Kettenreaktion stammt von Paul Watzlawick (Die Geschichte mit dem Hammer): Ein Mann möchte sich von seinem Nachbar einen Hammer ausleihen und gerät in eine negative Gedankenspirale, die in der Überzeugung gipfelt, dass ihm der benötigte Hammer mit böser Absicht vorenthalten wird. Mit dieser negativen Überzeugung tritt er dem Nachbarn gegenüber und provoziert dadurch selbst eine ablehnende Reaktion. Dem Protagonisten unterläuft der für die selbsterfüllende Prophezeiung typische Denkfehler, seine eigene Rolle zu übersehen und die folgenden Ereignisse als Beweis für die eigene Vorhersage aufzufassen.

Beispiele aus der Forschung

Erstmals wissenschaftlich belegt wurde die selbsterfüllende Prophezeiung durch ein klassisches Experiment von Robert Rosenthal (man spricht auch vom Rosenthal-Effekt). In 18 Klassen einer amerikanischen Grundschule teilte er den jeweiligen Lehrern mit, dass ca. 20% ihrer Schüler ein besonders großes intellektuelles Potential hätten. Die Namen dieser Schüler hatte Rosenthal allerdings nicht auf Basis einer Potentialanalyse ausgewählt, wie er die Lehrer glauben machte, sondern ausschließlich nach dem Zufallsprinzip. Acht Monate später hatten diese angeblich „besonderen“ Kinder sich im Vergleich zu den übrigen Kindern deutlich stärker in ihrer Intelligenz gesteigert. Die Erwartung der Lehrer hatte dazu geführt, dass sie den vermeintlich vielsprechenden Schülern mehr Aufmerksamkeit geschenkt und sie intensiver gefördert hatten.

Und nicht nur Erwartungen, die von außen erzeugt werden, sind in dieser Form wirksam. Neuere Studien zeigen beispielsweise auch, dass Männer, die nach ihrer eigenen Einschätzung ein geringes Herzinfarktrisiko haben, unabhängig von ihrem tatsächlichen genetischen Risiko, dreimal seltener einen Herzinfarkt erleiden als der Durchschnitt (Gramling et al., 2010) oder dass bei Senioren die Angst vor Stürzen, unabhängig vom physiologischen Sturzrisiko, zu einer größeren Anzahl von Stürzen führt (Delbaere et al., 2010).

Gefahr oder Vorteil?

Selbsterfüllende Prophezeiungen können sowohl bei negativen als auch bei positiven Vorhersagen wirken und sind damit Fluch und Segen zugleich. Dass negative Erwartungen viele Situationen verkomplizieren und oft einen ungünstigen Einfluss auf deren Ausgang haben, wird den meisten schon bekannt sein. Umso wichtiger ist es, sich bewusst auf einen positiven Verlauf einzustimmen und an diesen zu glauben. Das gilt im Alltag ebenso wie auch im Job für alle Situationen, in denen die eigene Einstellung und Überzeugung eine wichtige Rolle für das Gelingen spielt: vor dem Vorstellungsgespräch, bei einer Gehaltsverhandlung, aber auch in wichtigen Präsentationen oder Meetings.

Gleiches gilt auch für Führungskräfte oder die Arbeit im Team. Gerade durch Rosenthals Experiment wird deutlich, dass die positive Erwartung eines Vorgesetzten und das resultierende Verhalten die Leistung der Mitarbeiter stark verbessern kann. Und auch gegenüber den Kollegen kann die Erwartung, dass jemand ein tolles Teammitglied ist und stets sein Bestes gibt, genau dies zur Folge haben.

Fazit: Mit einer optimistischen Grundeinstellung nimmt man die Welt nicht nur als besser war, sondern macht sie oft sogar tatsächlich besser 😉

Über den Autor

Ulrike

Ulrike „wagte“ Anfang 2015 nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben zu uns und unterstützt uns seitdem als studierte Psychologin im Recruiting. Sie steht nun auf der anderen Seite im Bewerbungsprozess und berichtet über den Perspektivenwechsel, ihre Erfahrungen und andere interessante Themen - natürlich nicht, ohne uns ab und zu einen kleinen Einblick in die Psyche des Menschen zu gewähren.

1 Kommentar

  • Hallo,
    da ist viel wahres dran. Wer zu pessimistisch an ein Vorhaben heran tritt und immer nur das Haar in der Suppe sucht, kann eigentlich gleich aufgeben. Mit einer positiven Grundeinstellung fällt vieles im Leben leichter.
    Gruß

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