{"id":10184,"date":"2013-05-17T08:07:21","date_gmt":"2013-05-17T06:07:21","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=10184"},"modified":"2016-06-09T15:43:38","modified_gmt":"2016-06-09T13:43:38","slug":"patentlosung-zuwanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/05\/patentlosung-zuwanderung\/","title":{"rendered":"Patentl\u00f6sung Zuwanderung"},"content":{"rendered":"<p>Erstaunlicher Weise relativ wenig kommentiert wurde ein Presseartikel in der Ostth\u00fcringer Landeszeitung vom 12.05.2013 mit der \u00dcberschrift \u201eGewerkschaft: Th\u00fcringen braucht schnell ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte\u201c<\/p>\n<p>Die Th\u00fcringer DGB-Chefin Renate Licht formuliert dort gegen\u00fcber der OTZ: &#8222;Ohne Zuwanderung werden wir unsere Wirtschaftskraft und unseren Lebensstandard nicht aufrecht erhalten k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Als Grund werden die, wie allseits bekannt, zur\u00fcck gehenden Schulabg\u00e4ngerzahlen und die, laut einer Studie des Wirtschaftsministeriums, in den n\u00e4chsten sieben Jahren 200 000 in der Th\u00fcringer Industrie zu ersetzenden Fachkr\u00e4fte genannt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist diese Aussage dann doch einen Kommentar und ein paar Millimeter Quecksilbers\u00e4ule erh\u00f6hten Blutdruck wert.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst einmal: Nat\u00fcrlich finde ich es \u00e4u\u00dferst erstrebenswert, wenn in Europa und der Welt kluge Menschen in verschiedenen L\u00e4ndern studieren, arbeiten und Erfahrungen einbringen und sammeln k\u00f6nnen. Auch sollte es nach meiner Meinung zumindest in Europa eine freie Wahl des Arbeitsplatzes geben. Das ist in einer Zeit, in der man Kindern erkl\u00e4ren muss, was eine Grenzkontrolle ist, wohl eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<br \/>\nAber kann das wirklich das Rezept f\u00fcr die Zukunft sein, anderen L\u00e4ndern, die mit viel gr\u00f6\u00dferen Problemen als Deutschland zu k\u00e4mpfen haben, die jungen Eliten abzuwerben, die diese L\u00e4nder so dringend brauchen? Ist es langfristig sinnvoll und fair die Investments der Ukraine, Ungarns, Rum\u00e4niens etc. in die Bildung ihrer Jugend als herzlich willkommen zur Sicherung unseres Wohlstandes zu verwerten? Und gibt es nicht andere Wege als den Griff in die Mottenkiste der Wirtschaftswunderzeit, um unsere demographischen Probleme in den Griff zu bekommen?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich klingt das wie die Kapitulation vor den Herausforderungen der Demographie. Mit einem etwas anderen Blickwinkel, etwa den des tschechischen Wirtschaftsministers, k\u00f6nnte man das, was da als w\u00fcnschenswert dargestellt wird, auch als geplanten demographischen Diebstahl bezeichnen.<br \/>\nMan k\u00f6nnte mit einem Blick in die j\u00fcngere Vergangenheit auch sagen, dies ist die billige Standardl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland, mit der man sich seit Jahrzehnten vor einer ernsthaften Behandlung des Themas Demographie in unserem Land dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>So haben insbesondere die Ballungszentren der \u201ealten Bundesl\u00e4nder\u201c ihren Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften anfangs aus Italien, der T\u00fcrkei und Griechenland sp\u00e4ter mit hunderttausenden Asylbewerbern und Millionen Siebenb\u00fcrgen, Russlanddeutschen etc. gedeckt.<br \/>\nGar nicht zu reden von den rund <a href=\"http:\/\/www.flucht-und-ausreise.info\/dokumente\/upload\/101bf_%C3%9Cbersiedler-Fl%C3%BCchtlinge_61-90.pdf\">600 000 Menschen<\/a> aus der DDR, die nach dem Mauerbau bis 1988 wie auch immer in den Westen gelangt sind.<br \/>\nDazu kommen noch einmal etwa <a href=\"http:\/\/www.pausenhof.de\/referat\/unbekannt\/binnenwanderung-innerhalb-deutschland\/8685\">1 300 000 Menschen<\/a>, die zwischen 1989 und 2001 das Gebiet der ehemaligen DDR Richtung Westen verlassen haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verbergen sich hinter diesen Zahlen oft sehr gute Gr\u00fcnde zur Wanderung, eine alles in allem gro\u00dfe Integrationsleistung sowie viele menschliche Geschichten von Hilfe und Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck auf individueller Ebene. Aber jenseits der politischen und \u00f6konomischen Wanderungsgr\u00fcnde wirkte dieser stete Zustrom an zumeist jungen Menschen wie ein demographisches Beruhigungsmittel unter dessen Wirkung man sich scheinbar vor einer Auseinandersetzung mit der Tatsache dr\u00fccken konnte, dass in Deutschland mehr Menschen in Rente gehen als geboren werden.<\/p>\n<p>Wenn nun in Th\u00fcringen, wie sehr lange absehbar, die volle Wucht der Demographie und der Abwanderung zuschl\u00e4gt, zeugt es geradezu von Denkverweigerung, als wesentliches Heilmittel die Zuwanderung aus den L\u00e4ndern unserer europ\u00e4ischen Nachbarn zu sehen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Zuwanderung eine Tatsache und sie wird immer eine Rolle spielen, aber doch besser wohl als Sahneh\u00e4ubchen, wenn man seine Hausaufgaben gemacht hat.<br \/>\nWas langfristig an der wichtigen Geburtenziffer zu drehen w\u00e4re, ist sicher ein eigenes Thema. Aber die Kinder, die in den letzten zehn bis zwanzig Jahren nicht geboren worden, sind nun einmal nicht da.<br \/>\nDeshalb bleiben als zu bearbeitende Gr\u00f6\u00dfe nur Menschen, die bereits geboren sind.<br \/>\nBei der Frage, wie verhindern wir weitere Abwanderung und wie generieren wir Zuwanderung, wird wohl in Zukunft mehr Kreativit\u00e4t gefragt sein als die Werbung \u201eTh\u00fcringen braucht Dich\u201c gro\u00dfformatig in Th\u00fcringen zu schalten.<\/p>\n<p>Wer jetzt von mir 10 Patentl\u00f6sungen f\u00fcr die Herausforderung erwartet, muss nat\u00fcrlich entt\u00e4uscht werden. Es machen sich bereits jede Menge kluge Leute in Th\u00fcringen und anderswo Gedanken wie den Folgen des demographischen Wandels beizukommen ist und haben den Stein der Weisen noch nicht gefunden. Und bei aller Neigung zur Kritik, der offensichtliche Druck auf dem Thema sorgt f\u00fcr Bewegung und hoffentlich auch f\u00fcr entschlossene, kreative Schritte au\u00dferhalb des bisher praktizierten Rasters.<\/p>\n<p>Auf der Hand liegt sicher, dass eine der wesentlichen Voraussetzungen f\u00fcr Zuwanderung oder besser R\u00fcckwanderung die Verf\u00fcgbarkeit von attraktiven Jobs in Th\u00fcringen ist. Denn wer sollte nach Th\u00fcringen kommen, um sich zu verschlechtern. Vielleicht richtet es ja auch der Markt! Wenn viele offene Stellen f\u00fcr relativ wenig Bewerber verf\u00fcgbar sind, werden vermutlich die gut bezahlten und spannenden Jobs besetzt werden. Vielleicht verlagert dann der eine oder andere Betrieb an andere Standorte oder es werden Aktivit\u00e4ten mit wenig Wertsch\u00f6pfung eingestellt. \u00dcbrig blieben am Ende eher die attraktiven Unternehmen und Jobs. Insofern w\u00e4re eine Schwemme von Arbeitnehmern aus den Nachbarl\u00e4ndern sogar kontraproduktiv und \u00fcberhaupt nicht im Sinne der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Sollte irgendwann mal gar nichts mehr gehen in Th\u00fcringen, k\u00f6nnte man der gr\u00f6\u00dften Not am Arbeitsmarkt sicher mit einer konsequenten Verschlankung der Verwaltungen auf allen Ebenen abhelfen. Bei der dazu notwendigen Umstellung auf elektronische Prozesse helfen wir gern mit Personal (jedenfalls wenn die Jobs anst\u00e4ndig bezahlt werden).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstaunlicher Weise relativ wenig kommentiert wurde ein Presseartikel in der Ostth\u00fcringer Landeszeitung vom 12.05.2013 mit der \u00dcberschrift \u201eGewerkschaft: Th\u00fcringen braucht schnell ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte\u201c Die Th\u00fcringer DGB-Chefin Renate Licht formuliert dort gegen\u00fcber der OTZ: &#8222;Ohne Zuwanderung werden wir unsere Wirtschaftskraft und unseren Lebensstandard nicht aufrecht erhalten k\u00f6nnen&#8220;. 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