{"id":10332,"date":"2013-06-06T08:19:49","date_gmt":"2013-06-06T06:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=10332"},"modified":"2016-06-15T16:56:31","modified_gmt":"2016-06-15T14:56:31","slug":"fehlender-nachwuchs-in-der-wissenschaft-ein-hausgemachtes-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/06\/fehlender-nachwuchs-in-der-wissenschaft-ein-hausgemachtes-problem\/","title":{"rendered":"Fehlender Nachwuchs an deutschen Hochschulen  \u2013 ein \u201ehausgemachtes Problem\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Familien- und Freundeskreis gibt es so einige fertig Promovierte, Doktoranden die mitten in ihrer Dissertation stecken oder zumindest mit dem Gedanken spielen zu promovieren. <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/01\/promotion-gruende\/\">Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Promotion<\/a> gibt es eine ganze Reihe und mein pers\u00f6nlicher Eindruck ist, dass es gen\u00fcgend Leute mit ernsthaften Promotionsabsichten gibt. Und trotzdem: Zahlreiche Studien kommen zu dem Schluss, dass an deutschen Universit\u00e4ten in den kommenden Jahren Lehrkr\u00e4fte und Professoren an allen Ecken und Enden fehlen werden. Wie passt das zusammen?<!--more--><\/p>\n<p>Gestern wurde ich eingeladen, auf eine erfolgreich abgegebene Promotion anzusto\u00dfen. Manch einer mag sich jetzt wundern, denn normalerweise feiert man erst eine \u00fcberstandene Verteidigung. Doch bis zur fertigen Dissertation ist es ein steiniger Weg: Man braucht neben Durchhalteverm\u00f6gen auch Selbstdisziplin, eine h\u00f6chst eigenst\u00e4ndige Arbeitsweise und nicht zuletzt eine hohe Frustrationstoleranz. Nicht jeder, der sich vornimmt zu promovieren, h\u00e4lt dies mehrere Jahre durch. Zus\u00e4tzlich ist es nicht einfach als Doktorand seinen Lebensunterhalt zu sichern: Ein Stipendium oder eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl zu bekommen, ist alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Und wer das geschafft hat, muss sich auf befristete Vertr\u00e4ge und ein regelm\u00e4\u00dfiges \u201eGehangel\u201c von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag einstellen. Insofern kann ich es durchaus nachvollziehen, dass man nach jahrelangem Kampf allein die Abgabe der fertigen Dissertation als Grund zum Feiern ansieht.<\/p>\n<p>Diejenigen, denen es also trotz aller widrigen Umst\u00e4nde gelingt zu promovieren, qualifizieren sich ohne Zweifel als potentielle F\u00fchrungskr\u00e4fte \u2013 sowohl in der freien Wirtschaft, aber vor allem auch f\u00fcr eine weitere wissenschaftliche Karriere an einer Universit\u00e4t oder Fachhochschule. Und hier ist der Knackpunkt: Mit dem frisch erworbenen Doktortitel in der Tasche, wollen allerdings die wenigsten an der Universit\u00e4t bleiben. Die vielen hochmotivierten Jungakademiker, die sich voller Eifer an das \u201eProjekt Promotion\u201c gemacht haben, scheinen innerhalb weniger Jahre desillusioniert festzustellen, dass ihnen Hochschule und Wissenschaft scheinbar nicht die berufliche Perspektive bieten k\u00f6nnen, die sie sich vorstellen. Der deutsche Hochschulbetrieb hat offensichtlich ein Problem damit, die in den eigenen Reihen frisch Promovierten halten zu k\u00f6nnen. Und die Gr\u00fcnde? Ganz gewiss wusste der eine oder andere schon mit Beginn der Promotion, dass er wieder zur\u00fcck in die freie Wirtschaft will. Aber es gibt eben auch die andere Gruppe, die sich zu Beginn beide beruflichen Wege vorstellen konnte und sich letztendlich ganz bewusst gegen den Hochschulbetrieb entscheidet.<\/p>\n<p>Schon seit l\u00e4ngerem bin ich immer wieder auf Ursachenforschung, gerade auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Die Gr\u00fcnde und Erkl\u00e4rungen sind denkbar vielf\u00e4ltig und nat\u00fcrlich gibt es keine Generalantwort. Doch in Gespr\u00e4chen wird f\u00fcr mich eins immer deutlicher: Die Promotionsanw\u00e4rter und Promovierten \u201evon heute\u201c haben wenigstens schon einmal im Rahmen von Praktika Einblicke in die Wirtschaft erhalten (h\u00e4ufig haben sie bereits umfassendere Berufserfahrung) und k\u00f6nnen gut zwischen der Arbeitswelt Hochschule\/ \u00f6ffentlicher Dienst einerseits und der freien Wirtschaft andererseits vergleichen. Und da schneidet erstere nicht immer gut ab. Unter meinen Freunden, die selbst im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tig waren oder sind, werden die Vorurteile, mit denen der \u00f6ffentliche Dienst (und damit auch der Hochschulbetrieb) zu k\u00e4mpfen hat, mehrheitlich best\u00e4tigt. Alles ist irgendwie lahmer und tr\u00e4ge; wo in der freien Wirtschaft bei mangelnder Arbeitsleistung irgendwann Konsequenzen gedroht h\u00e4tten, wird im \u00f6ffentlichen Dienst gekonnt dr\u00fcber hinweg gesehen. Und diejenigen, die konsequent \u00fcberzeugende Leistungen bringen, alle fachlichen sowie pers\u00f6nlichen Qualifikationen f\u00fcr eine erfolgreiche Hochschullaufbahn vorweisen, werden mit dauerhaft befristeten Vertr\u00e4gen sowie mangelnder Unterst\u00fctzung und Wertsch\u00e4tzung \u201ebelohnt\u201c. Erkl\u00e4rungen \u00e0 la \u201eIch wei\u00df was ich fachlich kann und das kann ich auch woanders einbringen, wenn ich hier nicht entsprechend unterst\u00fctzt werde\u201c sind dann keinesfalls verwunderlich, sondern absolut verst\u00e4ndlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Familien- und Freundeskreis gibt es so einige fertig Promovierte, Doktoranden die mitten in ihrer Dissertation stecken oder zumindest mit dem Gedanken spielen zu promovieren. Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Promotion gibt es eine ganze Reihe und mein pers\u00f6nlicher Eindruck ist, dass es gen\u00fcgend Leute mit ernsthaften Promotionsabsichten gibt. 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