{"id":12443,"date":"2014-05-15T08:09:56","date_gmt":"2014-05-15T06:09:56","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=12443"},"modified":"2016-06-10T15:12:00","modified_gmt":"2016-06-10T13:12:00","slug":"mut-zu-offline-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2014\/05\/mut-zu-offline-urlaub\/","title":{"rendered":"Mut zu Offline-Urlaub!"},"content":{"rendered":"<p>Bald steht die Urlaubssaison an.<\/p>\n<div>\n<p>Im Arbeits- und auch sonstigen Alltag sind Smartphone, Laptop, Tablet-PCs nicht mehr wegzudenken. Mobil sein ist alles. Schnelle Reaktion scheint lebensnotwendig. Wer Wichtiges und Unwichtiges nicht mitteilt, ist out!<\/p>\n<p>F\u00fchlen wir uns krank durch diese st\u00e4ndige Pr\u00e4senz, brauchen wir dringend Urlaub. Wir brauchen einen klaren Kopf, eine Entr\u00fcmpelung unseres Geistes, eine Konzentration auf das Wesentliche!<\/p>\n<p>Doch wie ich k\u00fcrzlich herausfand, sind die Backpacker von heute auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Anstatt mit anderen Reisenden oder der Bev\u00f6lkerung ins Gespr\u00e4ch zu kommen oder all das, was einen umgibt zu beobachten und Unbekanntes aufzusaugen, wird ins Smartphone geglotzt \u2013 st\u00e4ndig und \u00fcberall. Man k\u00f6nnte ja etwas verpassen, was in der bunten Facebook-Welt passiert UND noch viel wichtiger: man macht die Reise ja nicht f\u00fcr sich, sondern muss das Erlebte auch st\u00e4ndig kommentiert an seine \u201eFreunde\u201c weitergeben \u2013 sonst m\u00fcsste man ja nicht um die halbe Welt jetten \u2013 wozu denn auch! \u00a0Den Daheimgebliebenen wird selbst an einer furchtbar trostlosen Stelle des sonst so sch\u00f6nen Ozeans ein Foto geschickt oder zugeskypt \u2013 mit sich im Vorder- und der trostlosen Stelle im Hintergrund.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt heute direkt Mut dazu, nicht erreichbar zu sein. Einer meiner Lieblingsschriftsteller (\u00fcbrigens bietet der ganz viel Lekt\u00fcre f\u00fcr einen geist-reichen Urlaub) \u2013 n\u00e4mlich Martin Suter \u2013 schrieb in seinen Kurzgeschichten \u00fcber die Business Class, die Urlaub macht, die nun folgende Kurzgeschichte. Viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<blockquote><p><b>Lindner offline<\/b><\/p>\n<p>Diese Sommerferien will Lindner nutzen, um seinen Ehe wieder ein wenig ins Lot zu bringen. Er hat einiges gut zu machen. Dreiundzwanzig Wochenenden au\u00dfer Haus. (Die Statistik stammt von seiner Frau Jeanette.) Eine statistisch nicht erfasste Zahl von Fangt-schon-mal-ohne-mich-an, ein paar Dutzend Mir-ist-da-etwas-dazwischengekommen und etwa gleich viele Ich-hoffe-du-hast-noch-nicht-gekocht. Plus die Privatbewirtung von Landmanns, bei der er vergessen hatte, Jeanette rechtzeitig auf die Glutenallergie von Frau Landmann aufmerksam zu machen. (Sie hatte sechs verschiedene hausgemachte Pasta gekocht.) Plus die Sache mit Patrizia, von der Jeannette zwar nichts wei\u00df, aber ahnt sie etwas?<\/p>\n<p>Lindner \u00fcberrascht die Familie also mit Offline-Ferien. Seine Assistentin hat ihm ein Haus am Arsch der Welt organisiert. Genauer: am Arsch von Mallorca. Eine Finca mit Solarstrom, \u00d6kopool und ohne Telefonanschluss. Zwanzig Cherokee-Minuten vom n\u00e4chsten Kaff entfernt.<\/p>\n<p>Jeanette ist sprachlos. Ganz im Gegenteil zu Joel (9) und Jasmin (7), als sie erfahren, dass \u201eoffline\u201c auch MP3-, Gameboy-, und TV-frei bedeutet. Jeanette findet ihre Sprache erst wieder, als Lindner ihr er\u00f6ffnet, dass \u201eelektronisch frei\u201c auch bedeute, dass er Laptop, Palm und Handy ebenfalls zu Hause lassen werde. \u201eAuch mein Handy?\u201c fragt sie fassungslos.<\/p>\n<p>Der Gedanke, dass Lindner w\u00e4hrend zweier Wochen keinen t\u00e4glichen Kontakt zur Firma haben k\u00f6nnte, ist nat\u00fcrlich absurd. W\u00e4hrend Jeanette vormittags in die Tienda des n\u00e4chsten Orts zum Einkaufen f\u00e4hrt, bleibt er unter dem Vorwand, die Kinder besser kennenlernen zu wollen, zu Hause und verfasst seine Faxe. Am Nachmittag f\u00e4hrt er zur Tienda und kauft sich die Zeitungen vom Vortag. Bei dieser Gelegenheit gibt er seine Faxe auf und holt sich die ab, die angekommen sind. Er ist nicht der Einzige, der diesen Service von Pilar, der Tochter des Tiendabesitzers, nutzt. Manchmal muss er eine ganze Weile warten, bis andere Herren in Shorts, die ebenfalls Offline-Ferien machen, bedient sind.<\/p>\n<p>Das Konzept ist ein Erfolg. Lindner pflegt seine Ehe, ohne dabei die Firma zu vernachl\u00e4ssigen. Aber am zweitletzten Ferientag, als er wegen eines dringenden Faxes auch Jeanettes morgendlichen Einkauf \u00fcbernimmt und am Abend den Inhalt der Schachtel mit der Aufschrift \u201eLindner\u201c nach der Antwort durchsucht, st\u00f6\u00dft er auf folgendes Fax. \u201eAch, Kleines, wie soll ich einen Tag ohne Dein Morgenfax \u00fcberleben? Konntest Du ihm nicht entwischen? Xxx Carlo.\u201c<\/p>\n<div>\n<p>Zuerst denkt er, Pilar habe sich in der Schachtel geirrt. Aber dann sieht er, dass die Zeilen an Lindner adressiert sind. Jeanette Lindner.<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bald steht die Urlaubssaison an. Im Arbeits- und auch sonstigen Alltag sind Smartphone, Laptop, Tablet-PCs nicht mehr wegzudenken. Mobil sein ist alles. Schnelle Reaktion scheint lebensnotwendig. Wer Wichtiges und Unwichtiges nicht mitteilt, ist out! F\u00fchlen wir uns krank durch diese st\u00e4ndige Pr\u00e4senz, brauchen wir dringend Urlaub. 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