{"id":15165,"date":"2015-03-11T08:07:53","date_gmt":"2015-03-11T07:07:53","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=15165"},"modified":"2016-05-12T11:37:36","modified_gmt":"2016-05-12T09:37:36","slug":"2-teil-interview-informatikstudenten-mw-dringend-gesucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2015\/03\/2-teil-interview-informatikstudenten-mw-dringend-gesucht\/","title":{"rendered":"Informatik studieren?!"},"content":{"rendered":"<p><em>In der letzten Woche konntet ihr hier bereits den <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2015\/03\/informatikstudenten-mw-dringend-gesucht-ist-das-auch-was-fuer-mich\/\" target=\"_blank\">ersten Teil des Interviews mit Professor Klaus K\u00fcspert<\/a> vom Informatik-Lehrstuhl f\u00fcr Datenbanken und Informationssysteme der Uni Jena lesen. Nat\u00fcrlich m\u00f6chten wir euch auch den zweiten Teil nicht vorenthalten. Im Fokus heute: Frauen in der Informatik und Trends der Zukunft \u2026<\/em><!--more--><\/p>\n<h2>2. Teil des Interviews<\/h2>\n<p><span style=\"color: #ed1c24;\"><strong>Bewerberblog:<\/strong><\/span> Der Anteil an Informatikstudentinnen ist offenbar recht gering, wir merken es auch an der Zusammensetzung der Bewerberschar &#8211; die Herren dominieren. Woran mag das liegen und kann man etwas dagegen unternehmen?<\/p>\n<p><span style=\"color: #ed1c24;\"><strong>Prof. K\u00fcspert:<\/strong> <\/span>Ein sehr wahres Thema und schon immer zu beobachten. In meinem eigenen Informatikstudium, vor ein paar Jahren also \ud83d\ude09 , war&#8217;s auch schon so bzw. vielleicht noch krasser: Ich studierte an der TH (heute TU) Darmstadt. Welches M\u00e4dchen wollte schon Informatik studieren und dann auch noch an einer Technischen Hochschule\/Universit\u00e4t? Fragen Sie mich bitte nicht, wie hoch etwa der prozentuale weibliche Anteil der Informatikstudierenden etwa an der RWTH Aachen heute ist &#8211; ich wei\u00df es nicht, ahne aber\u2026<\/p>\n<p>Dazu also ein paar Bemerkungen: Zum einen denke ich, dass es in den Ingenieurwissenschaften genau so ist: Klassischer Maschinenbau, Elektrotechnik, gar Bergwissenschaften, &#8230; Sie k\u00f6nnen die weiblichen Studierenden vermutlich oft an einer Hand abz\u00e4hlen. Informatik ist genau genommen, laut Definition, keine Ingenieurwissenschaft, deshalb ja auch das bekannte Akronym MINT, wo Informatik eigenst\u00e4ndig gez\u00e4hlt wird. Informatik ist aber durchaus in der &#8222;N\u00e4he&#8220; der Ingenieurwissenschaften und das ist auch gut so. Jetzt kann man nat\u00fcrlich sagen: &#8222;Das lindert den Kummer nur wenig, dass es anderen Studieng\u00e4ngen auch nicht anders oder besser geht als der Informatik.&#8220; Ja.<\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt schon in der Schule an: Informatik, wenn \u00fcberhaupt angeboten, wird dort auch nicht gerade von den M\u00e4dchen \u00fcberrannt nach meinem Kenntnis- und Erfahrungsstand. Es ist halt gesellschaftlich in Deutschland weit in den K\u00f6pfen verankert, dass eher die M\u00e4nner &#8222;an den Rechenautomaten stehen&#8220; als die Frauen. In den USA z.B. ist das meines Wissens durchaus etwas anders im Bewusstsein und in der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Beobachtung: In den Bindestrichf\u00e4chern ist der Damenstudierendenanteil durchaus h\u00f6her, immerhin: Das gilt bei uns etwa f\u00fcr die Wirtschaftsinformatik, die Bioinformatik (die ohnehin), auch die Wirtschaftsmathematik (sie hat auch Informatikbez\u00fcge, nat\u00fcrlich). Ich denke, die Gr\u00fcnde sind wieder unterschiedlich. So bevorzugen Damen vielleicht in der Tat etwas mehr die Anwendungen einer Disziplin oder die Mixtur aus Grundlagen UND Anwendungen. Das spricht f\u00fcr den Wirtschaftsinformatikstudiengang, den ich sehr sch\u00e4tze (er wird in Jena gemeinsam von der Wirtschaftswissenschaftlichen und der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik und Informatik betrieben, das schon seit etwa 15 Jahren). Bei der Bioinformatik dagegen ist&#8217;s wohl das Gebiet &#8222;Bio&#8220;, das die Damen anspricht und wo vielleicht auch in den Schulen das Sch\u00fclerinneninteresse ausgepr\u00e4gter ist als bei den m\u00e4nnlichen Sch\u00fclern. Und Wirtschaftsmathematik hat eben nicht so das &#8222;Ingenieursimage&#8220; wie Informatik und anderes.<\/p>\n<p>L\u00f6sungen: Guter Rat ist teuer. Zum einen sollte nat\u00fcrlich (noch) mehr Aufkl\u00e4rungsarbeit geleistet werden in der &#8222;Gesellschaft&#8220;, an Schulen, bei Sch\u00fclerinnen. Da tun wir seitens der Jenaer Informatik einiges und deutlich mehr als etwa vor 10 Jahren und andere Hochschulen tun dies auch. Ob sich&#8217;s schon quantitativ auswirkt, kann ich nicht sagen, wahrscheinlich allenfalls marginal bisher. Au\u00dferdem kann man sich nat\u00fcrlich daran etwas erfreuen, dass eben die Wirtschaftsinformatik ja einen vorzeigbaren Damenanteil hat &#8211; immerhin. Sp\u00e4ter im Beruf ist ja das Einsatzspektrum von Informatikern einerseits und Wirtschaftsinformatikern andererseits nicht immer sooo getrennt und unterschiedlich, gebraucht werden beide Klientel in den meisten Unternehmen.<\/p>\n\n<p><span style=\"color: #ed1c24;\"><strong>Bewerberblog:<\/strong><\/span> Wagen wir mal einen Blick in die Zukunft. Wo liegen Ihrer Meinung nach die spannenden Themen der IT-Zukunft bzw. damit verbunden, was sind gute berufliche Einstiegsfelder f\u00fcr Informatiker?<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ed1c24;\">Prof. K\u00fcspert:<\/span> <\/strong>Spannende Themen der IT-Zukunft: So ganz der \u201eVision\u00e4r&#8220; bin ich eigentlich nicht, es gibt ja auch den sarkastischen Spruch: \u201eWer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.&#8220; \ud83d\ude09 Nein, Blick nach vorne ist schon gut und n\u00f6tig. Vieles wird sich in Zukunft um Schlagworte, die es ja schon seit ein paar Jahren gibt, wie \u201eInternet der Dinge&#8220;, \u201eIndustrie 4.0&#8243; und \u00e4hnliches drehen. Nat\u00fcrlich ganz stark damit verbunden das Thema \u201eMobilit\u00e4t&#8220; in all dem. Da waren wir am Lehrstuhl auch schon \u201evision\u00e4r&#8220;: Eine Doktorarbeit zu Mobilen Datenbanken wurde bereits von 1999-2004 bearbeitet und kam zu sehr guten Ergebnissen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielt das ganze Thema \u201eBusiness Intelligence&#8220;, \u201eBusiness Analytics&#8220; und in welchen Begriffen auch immer eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle. Das geht einher mit mehr Systemf\u00e4higkeiten in Bereichen wie Nat\u00fcrlichsprachliche Systeme, Sprachverstehen und -generierung und dergleichen. Ich war vor meinen aktuell 20 Universit\u00e4tsjahren in Jena 10 Jahre bei IBM in Heidelberg t\u00e4tig. Damals waren schon solche Gebiete um die \u201eNat\u00fcrlichsprachlichkeit&#8220; herum erfolgreich bearbeitet worden. Der breite Einzug in die Praxis hat aber nach meinem Eindruck erst begonnen und wird weiter Momentum erhalten.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ed1c24;\"><strong>Bewerberblog: <\/strong><\/span>Vielen Dank f\u00fcr diese Einblicke! M\u00f6chten Sie unseren Lesern und jenen, die <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2015\/10\/warum-ich-nicht-informatik-studiere\/\" target=\"_blank\">noch \u00fcberlegen, ob sie Informatik studieren werden<\/a>, etwas auf den Weg geben?<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ed1c24;\">Prof. K\u00fcspert:<\/span> <\/strong>Viele Studierende sind zu stark rein \u201eKonsumenten&#8220; der Lehrveranstaltungen &#8211; man sitzt drin, l\u00e4sst sich berieseln (h\u00f6rt vielleicht wirklich sogar zu\u2026), bleibt passiv. Das erscheint mir ganz schlimm.<\/p>\n<p>Es mag ja in gro\u00dfen Lehrveranstaltungen mit -zig oder Hunderten von Teilnehmern gar nicht anders gehen. Solche Lehrveranstaltungen gibt es aber in der Jenaer Informatik zum Gl\u00fcck so gut wie nicht. Es sind meist \u00fcberschaubare Teilnehmerzahlen, selten viele Dutzend. Ein Diskussionsmodus w\u00e4re da viel besser als ein Monologmodus seitens des Dozenten.<\/p>\n<p>Ich selbst versuche diesen Diskussionsmodus seit 20 Jahren, aber es ist schwierig, es \u201ekommt&#8220; oft zu wenig seitens der Teilnehmer. Wenn man Fragen ans Auditorium stellt, antworten nur recht wenige und oft eher die gleichen. Viele setzen sich in Lehrveranstaltungen schon so, damit der Dozent sie hoffentlich nicht ansprechen kann: Abstand, Deckung. Das ist ausgesprochen schade.<\/p>\n<p>Wie der alte Spruch lautet: \u201eEs gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten und eigentlich nicht mal die.&#8220; Viele Studierende trauen sich aber nicht zu fragen. Die einen, weil sie wohl doch f\u00fcrchten, ihre Frage w\u00fcrde von Kommilitonen &#8211; oder dem Dozenten &#8211; als \u201edumm&#8220; angesehen. Die anderen, weil sie vor ihren Kommilitonen nicht als \u201eSchlaumeier\/Besserwisser&#8220; erscheinen m\u00f6chten. Res\u00fcmee: Fast gar keiner fragt und sagt etwas. Und \u00e4hnlich, wenn der Dozent Antworten h\u00f6ren m\u00f6chte, die bleiben auch weitgehend aus. Das tut auf Dauer weh und nimmt dem Dozenten ein wenig die Lebensfreude.<\/p>\n<p>Nach meinem Eindruck sind diesbez\u00fcglich etwa Informatikstudierende auch noch im Mittel etwas \u201eschlimmer&#8220; als etwa die Wirtschaftsinformatikstudierenden. An dem alten Spruch vom teils \u201eNerd&#8220; in der Informatik ist leider schon ab und an was dran. Es w\u00e4re sehr begr\u00fc\u00dfenswert, wenn sich die Studierenden das etwas zu Herzen nehmen w\u00fcrden, dass man diesbez\u00fcglich \u201ean sich arbeitet&#8220; &#8211; es hilft, erfreut den Dozenten und gibt einem Selbstbewusstsein. Die ber\u00fchmten \u201esocial skills\u201c sind schon sehr wesentlich im Studium und danach, mindestens so wichtig wie die fachlichen Aspekte und F\u00e4higkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Woche konntet ihr hier bereits den ersten Teil des Interviews mit Professor Klaus K\u00fcspert vom Informatik-Lehrstuhl f\u00fcr Datenbanken und Informationssysteme der Uni Jena lesen. Nat\u00fcrlich m\u00f6chten wir euch auch den zweiten Teil nicht vorenthalten. 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