{"id":16771,"date":"2016-02-26T08:02:56","date_gmt":"2016-02-26T07:02:56","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=16771"},"modified":"2019-04-04T15:51:37","modified_gmt":"2019-04-04T13:51:37","slug":"erfolgreich-dank-introversion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2016\/02\/erfolgreich-dank-introversion\/","title":{"rendered":"Erfolgreich dank Introversion"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem popul\u00e4ren <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2015\/10\/auf-die-persoenlichkeit-kommt-es-an-12\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Big-Five-Modell<\/a> ist Intro- bzw. Extraversion eine der f\u00fcnf Hauptdimensionen der Pers\u00f6nlichkeit. Sie wird gern zur Einsch\u00e4tzung anderer Personen verwendet \u2013 vielleicht, weil sie recht offensichtlich, von au\u00dfen leicht zu beobachten ist. (Wem die Einsch\u00e4tzung f\u00fcr die eigene Person schwerer f\u00e4llt, dem k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.intros-extros.com\/online-test\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Online-Tests<\/a> einen guten Anhaltspunkt liefern.)<\/p>\n<p>In Medien und Alltag wird das Merkmal der Intro- bzw. Extraversion immer h\u00e4ufiger in Beziehung zum Berufserfolg gesetzt \u2013 und nicht selten ziehen die Introvertierten im Hinblick auf den heutigen, \u00fcberwiegend \u201eextro-freundlichen\u201c Arbeitsstil den K\u00fcrzeren. Grund genug, die positiven Seiten der Introversion einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Was hei\u00dft hier introvertiert?<\/h2>\n<p>Introvertierte Personen sind ruhig und zur\u00fcckhaltend. Sie treten neuen Kontakten eher reserviert oder gar verschlossen gegen\u00fcber und sind tendenziell \u201eDenker\u201c, d.h. sie handeln am liebsten planvoll und analysieren Sachverhalte zuvor bis in die Tiefe. Gruppenveranstaltungen und Menschenmengen vermeiden sie, an oberfl\u00e4chlicher H\u00f6flichkeit und Small Talk liegt Ihnen wenig. Dagegen genie\u00dfen sie intensive Beziehungen zu einzelnen Personen oder auch die Zeit f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p>Typisch extrovertierte Menschen bilden das Gegenst\u00fcck, sie sind quirlig und gesellig, kontaktfreudig und kommunikativ. H\u00e4ufig sind sie eher \u201eMacher\u201c, d.h. sie handeln spontan oder gar impulsiv und leben nach dem Motto \u201ewoher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich h\u00f6re, was ich sage\u201c. Extrovertierte Personen lieben Anregung und Abwechslung, stehen gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und \u201esurfen\u201c mit Leichtigkeit auf einer Welle an neuen Eindr\u00fccken.<\/p>\n<p>Eine interessante Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Unterschiede bietet das neurophysiologische Modell nach Eysenck. Es geht bei intro- und extrovertierten Personen von unterschiedlichen Erregungsschwellen des Gehirns aus, welche genetisch bedingt sind. Nach diesem Modell haben Introvertierte eine geringere Schwelle f\u00fcr \u00e4u\u00dfere Reize, die dazu f\u00fchrt, dass sie bei hoher Stimulation schnell \u00fcberfordert sind. Extrovertierte haben dagegen eine hohe Erregungsschwelle und sind auf Stimulation von au\u00dfen angewiesen, um ihr optimales Erregungsniveau aufrecht zu erhalten. Diese Theorie erkl\u00e4rt, warum Introvertierte sich von einer gro\u00dfen Reizdichte zur\u00fcckziehen, w\u00e4hrend Extrovertierte diese gezielt aufsuchen.<\/p>\n<p>Eysenck war es auch, der feststellte, dass es nicht nur diese zwei Kategorien, n\u00e4mlich entweder Intro- oder Extraversion gibt, sondern dass sich Individuen auf einem Kontinuum zwischen diesem beiden Extrema einordnen lassen. Die jeweilige Auspr\u00e4gung von Intro- bzw. Extraversion ist neben genetischen Faktoren und der Sozialisation auch von situativen Faktoren abh\u00e4ngig, z.B. kurz zuvor erlebtem Erfolg\/Misserfolg, Alkoholkonsum oder aktueller Stimmung.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Fachkompetenz oder F\u00fchrungsverantwortung?<\/h2>\n<p>Welche Jobs eignen sich demnach f\u00fcr Introvertierte? Zu diesem Thema ist bereits viel geschrieben worden, denn die Herausforderungen f\u00fcr Introvertierte sind vielf\u00e4ltig. Gro\u00dfraumb\u00fcros empfinden sie als besonders belastend, da sie viel Energie aufwenden m\u00fcssen, um akustische St\u00f6rquellen auszublenden. In Meetings z\u00f6gern sie trotz guter Ideen mitunter so lange, dass sie nicht zu Wort zu kommen, weil sie vor einer Meinungs\u00e4u\u00dferung alle Details durchdenken wollen. Und bei Networking-Events tun sie sich mit Small Talk und neuen Kontakten schwer, weil sie sich lieber \u00fcber relevante Themen, als um der blo\u00dfen Kommunikation willen, unterhalten.<\/p>\n<p>Es liegt also nahe, Introvertierten zu Jobs zu raten, welche im Hinblick auf die T\u00e4tigkeit an ihre St\u00e4rken ankn\u00fcpfen und in Bezug auf die Arbeitsbedingungen keine unn\u00f6tige Energie kosten. Typische \u201eIntro-Jobs\u201c finden sich in Wissenschaft, Verwaltung und auch an vielen PC-Arbeitspl\u00e4tzen (Software-Entwickler, Social Media Manager, Schriftsteller). Durch ihre Neigung, sich tiefgehend in Themen einzuarbeiten und systematisch vorzugehen, ist eine fachliche Spezialisierung bis hin zum Expertentum f\u00fcr Introvertierte (bei entsprechendem Interesse und Talent) naheliegend. R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten, wenig Teamarbeit und Meetings, die eine umfassende Vorbereitung erlauben, helfen ihnen, die bestm\u00f6gliche Leistung zu erbringen.<\/p>\n<p>Umgekehrt werden Positionen in der Projektleitung oder Personalf\u00fchrung h\u00e4ufig eher den kommunikationsstarken Extrovertierten \u00fcbertragen. Dass dies nicht zwangsl\u00e4ufig die richtige Entscheidung ist, belegen sogar Studien. Ob jemand eine gute F\u00fchrungskraft ist, h\u00e4ngt vor allem von den sozialen F\u00e4higkeiten einer Person ab (d.h. Zuverl\u00e4ssigkeit, Transparenz, Empathie etc.) \u2013 und diese sind unabh\u00e4ngig von Intro- bzw. Extraversion!<\/p>\n<p>Bei genauerem Hinsehen sind Introvertierte mindestens genauso gut f\u00fcr F\u00fchrungspositionen geeignet. Durch ihr feines Gesp\u00fcr in 1:1-Kontakten k\u00f6nnen sie sich gut auf ihre Mitarbeiter einstellen und ein Vertrauensverh\u00e4ltnis aufbauen. Umgekehrt sind sie weniger abh\u00e4ngig von sozialer Best\u00e4tigung als Extrovertierte und lassen sie dadurch weniger manipulieren oder unter Druck setzten. Die F\u00e4higkeit zum genauen Hin- und Zuh\u00f6ren und ihr Hang zu intensiver und gr\u00fcndlicher Recherche f\u00fchrt zu besseren, fundierten Entscheidungen. In der Chefetage kommen Introvertierte also gut an \u2013 die Schwierigkeit liegt wohl auf dem Weg dorthin, wo sie sich mit Extrovertierten im direkten Wettstreit um die begehrten Positionen befinden.<\/p>\n<h2>Introversion als Chance<\/h2>\n<p>Wie man sieht, schlummert sowohl fachlich als auch menschlich viel Potential hinter der ruhigen Fassade. Wenn die Arbeitsbedingungen stimmen (Stichwort \u201eartgerechte Haltung\u201c) und Introvertierte au\u00dferdem eine gute F\u00f6rderung erhalten, die sie dazu ermutigt, ihre Komfortzone zu verlassen, stehen ihnen alle Wege offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem popul\u00e4ren Big-Five-Modell ist Intro- bzw. Extraversion eine der f\u00fcnf Hauptdimensionen der Pers\u00f6nlichkeit. Sie wird gern zur Einsch\u00e4tzung anderer Personen verwendet \u2013 vielleicht, weil sie recht offensichtlich, von au\u00dfen leicht zu beobachten ist. (Wem die Einsch\u00e4tzung f\u00fcr die eigene Person schwerer f\u00e4llt, dem k\u00f6nnen Online-Tests einen guten Anhaltspunkt liefern.) 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