{"id":19462,"date":"2018-07-24T09:45:31","date_gmt":"2018-07-24T07:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=19462"},"modified":"2018-07-17T14:41:36","modified_gmt":"2018-07-17T12:41:36","slug":"arbeitsrecht-die-fuenf-groessten-irrtuemer-zum-thema-krankschreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/07\/arbeitsrecht-die-fuenf-groessten-irrtuemer-zum-thema-krankschreibung\/","title":{"rendered":"Arbeitsrecht: Die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Irrt\u00fcmer zum Thema Krankschreibung"},"content":{"rendered":"<p>Derzeit herrschen sommerlich warme Temperaturen in Deutschland und alle genie\u00dfen die Sonne. Die Grippe- und Erk\u00e4ltungszeit ist noch weit weg und \u00fcber Krankheit und Unwohlsein mag sich keiner so richtig Gedanken machen zu wollen.<br \/>\nTrotzdem kann es nat\u00fcrlich auch im Sommer zu Krankheiten und Unf\u00e4llen und damit zu einer Arbeitsunf\u00e4higkeit kommen. Also riskieren wir mal einen Blick auf das Thema und r\u00e4umen mit den f\u00fcnf wohl hartn\u00e4ckigsten Irrt\u00fcmern auf:<\/p>\n<h2>1. Wann muss ich mich beim Arbeitgeber krank melden?<\/h2>\n<p>Der Virus hat voll zugeschlagen. Am liebsten w\u00fcrde ich im Bett bleiben und mich nicht bewegen. Aber ich rappele mich auf und schleppe mich zum Arzt. Der Arbeitgeber braucht schlie\u00dflich eine Bescheinigung \u00fcber meine Krankheit. Ist das wirklich notwendig?<\/p>\n<p>Erst einmal ist jeder Arbeitnehmer gem\u00e4\u00df \u00a7 5 Absatz 1 Satz 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) verpflichtet sich unverz\u00fcglich, das hei\u00dft, vor Arbeitsbeginn beim Arbeitgeber krank zu melden. Dazu reicht es in der Regel aus, sich pers\u00f6nlich oder durch einen Vertreter (Angeh\u00f6riger oder Kollege) telefonisch oder per SMS zu melden. Wichtig ist, dass die Krankmeldung den Arbeitgeber beziehungsweise eine Person erreicht, die zur Vertretung des Arbeitgebers berechtigt ist.<\/p>\n<p>Eine Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung muss vorgelegt werden, wenn die Erkrankung l\u00e4nger als drei Tage andauert (\u00a7 5 Abs. 1 S. 2 EFZG).<br \/>\nDer Arbeitgeber kann jedoch verlangen, dass der Arbeitnehmer eine Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung vorlegt, die auf den ersten Tag der Erkrankung ausgestellt ist. In diesem Fall kommt man um einen Arztbesuch nicht herum.<\/p>\n<p>Der Arbeitnehmer ist jedoch nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber die Diagnose mitzuteilen.<\/p>\n<h2>2. Muss ich f\u00fcr meinen Chef erreichbar sein?<\/h2>\n<p>Nein. W\u00e4hrend der Krankschreibung soll man sich auskurieren und ausruhen. Aus diesem Grund ist man auch nicht verpflichtet f\u00fcr seinen Chef oder die Kollegen per Telefon oder E-Mail erreichbar zu sein.<\/p>\n<h2>3. Darf man trotz Krankschreibung gek\u00fcndigt werden?<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt, eine Krankschreibung sch\u00fctzt nicht vor einer Entlassung. Wenn die K\u00fcndigung form- und fristgerecht zugestellt wurde, ist sie auch wirksam und beendet das Arbeitsverh\u00e4ltnis.<br \/>\nAuch die <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2015\/03\/arbeitsrecht-40-kuendigung-wegen-krankheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Krankheit selbst kann ein K\u00fcndigungsgrund<\/a> darstellen. Dabei m\u00fcssen zwei Voraussetzungen erf\u00fcllt sein.<\/p>\n<h3>Negative Gesundheitsprognose<\/h3>\n<p>Eine negative Gesundheitsprognose ist dann zu bejahen, wenn zum Zeitpunkt der K\u00fcndigung damit zu rechnen ist, dass der Arbeitnehmer auch weiterhin wegen Krankheit nicht arbeitsf\u00e4hig ist. In der Regel ist das der Fall, wenn der Arbeitnehmer in den letzten drei Jahren jeweils mindestens sechs Wochen krankheitsbedingt nicht gearbeitet hat und nicht zu erwarten ist, dass sich sein Zustand in Zukunft bessert.<\/p>\n<p><u><\/u><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Interessenabw\u00e4gung<\/h3>\n<p>In einem weiteren Schritt m\u00fcssen dann die Interessen des Arbeitgebers an einer Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses mit den Interessen des erkrankten Arbeitnehmers abgewogen werden. Dabei spielen insbesondere die Dauer der Betriebszugeh\u00f6rigkeit, das <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2014\/11\/arbeitsrecht-35-diskriminierung-wegen-des-alters\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alter des Arbeitnehmers<\/a> oder das Vorliegen einer Behinderung eine Rolle. Einer K\u00fcndigung kann aber auch entgegenstehen, wenn ein Betriebsunfall die Ursache der langen Erkrankung gewesen ist. Eine krankheitsbedingte K\u00fcndigung ist in der Praxis sehr schwer durchsetzbar, zumal nach sechs Wochen die Pflicht zur Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber und damit auch die finanzielle Belastung wegf\u00e4llt.<\/p>\n<h2>4. Darf man trotz Krankschreibung ausgehen oder gar reisen?<\/h2>\n<p>Hier kommt sie wieder, die typische Juristenantwort: \u201eEs kommt darauf an!!!\u201c<br \/>\nGestattet ist, was den Heilungsprozess f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Mitunter k\u00f6nnen lange Spazierg\u00e4nge, <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/05\/sports-city-jena-von-basketball-bis-yoga\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sport<\/a> oder ein Aufenthalt am Meer oder im Gebirge gerade auch bei psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen bei der Genesung hilfreich sein.<\/p>\n<p>Um ganz sicher zu gehen in solchen F\u00e4llen \u00c4rger mit dem Arbeitgeber zu vermeiden, sollte man sich vom Arzt attestieren lassen, dass derartige Aktivit\u00e4ten dem Genesungsprozess aus medizinischer Sicht nicht entgegenstehen.<\/p>\n<h2>5. Ist Arbeiten trotz Krankschreibung erlaubt?<\/h2>\n<p>Ihr kennt das bestimmt auch. Der Termin f\u00fcr das n\u00e4chste Roll out der Softwareversion 3.xx steht kurz bevor oder die Aktenberge stapeln sich auf dem Schreibtisch. Jetzt krank zu Hause zu liegen geht eigentlich gar nicht. Also eine Ibu eingeworfen und mit Taschent\u00fcchern und Nasenspray bewaffnet schleppt man sich ins B\u00fcro obwohl der Arzt einen f\u00fcr den Rest der Woche mittels Krankenschein ins Bett befohlen hat.<\/p>\n<p>Mal ganz abgesehen davon ob man sich selbst oder den Kollegen damit einen Gefallen tut, stellt sich die Frage, ob das \u00fcberhaupt erlaubt ist.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt auch hier: der Arbeitnehmer entscheidet selbst, ob er sich fit genug f\u00fchlt, arbeiten zu gehen oder nicht. Der vom Arzt ausgestellte Krankenschein stellt fest, dass der Arbeitnehmer zum Zeitpunkt des Arztbesuches nicht arbeitsf\u00e4hig ist. Au\u00dferdem gibt der Arzt eine Prognose ab, wie lange die Arbeitsunf\u00e4higkeit anhalten wird. Sollte sich der Arbeitnehmer fr\u00fcher als angegeben wieder fit f\u00fchlen zu arbeiten, kann er dies tun. Eine Gesundschreibung durch den Arzt gibt es nicht.<\/p>\n<p>Es h\u00e4lt sich auch hartn\u00e4ckig das Ger\u00fccht, man sei nicht unfallversichert, wenn man trotz Krankschreibung arbeiten geht. Aber auch das stimmt so nicht. Arbeiten trotz Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung hat in der Regel keinen Einfluss auf die Versicherungsleistungen der Unfall- oder Krankenversicherung. Einzige Ausnahme: Kommt es w\u00e4hrend des vorzeitigen Arbeitsbeginns wegen der urspr\u00fcnglichen Erkrankung zu einem Unfall, kann dies zu Streit mit der Unfallversicherung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Sollte die Arbeitsunf\u00e4higkeit bereits l\u00e4nger als sechs Wochen andauern und der Arbeitnehmer nimmt seine T\u00e4tigkeit vorzeitig auf, ist dies der Krankenversicherung zu melden, da zum Zeitpunkt der tats\u00e4chlichen Arbeitsaufnahme der Anspruch auf Krankengeld entf\u00e4llt. Zuviel gezahlte Leistungen sind gegebenenfalls zur\u00fcck zu zahlen.<\/p>\n<p><strong>Anmerk. d. Autorin:<\/strong> Dieser Beitrag gibt die rechtliche Situation nur allgemein und verk\u00fcrzt wieder. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und ersetzt die individuelle Beratung im konkreten Einzelfall nicht. Jegliche Haftung wird trotz sorgf\u00e4ltiger Bearbeitung ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit herrschen sommerlich warme Temperaturen in Deutschland und alle genie\u00dfen die Sonne. Die Grippe- und Erk\u00e4ltungszeit ist noch weit weg und \u00fcber Krankheit und Unwohlsein mag sich keiner so richtig Gedanken machen zu wollen. Trotzdem kann es nat\u00fcrlich auch im Sommer zu Krankheiten und Unf\u00e4llen und damit zu einer Arbeitsunf\u00e4higkeit kommen. 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