{"id":19513,"date":"2018-09-25T09:55:11","date_gmt":"2018-09-25T07:55:11","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=19513"},"modified":"2018-09-17T11:27:11","modified_gmt":"2018-09-17T09:27:11","slug":"sport-ist-mord-oder-zumindest-ein-kuendigungsgrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/09\/sport-ist-mord-oder-zumindest-ein-kuendigungsgrund\/","title":{"rendered":"Sport ist Mord! &#8211; oder zumindest ein K\u00fcndigungsgrund???"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Sport: eine Methode Krankheiten durch Unf\u00e4lle zu ersetzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses bekannte Zitat eines unbekannten Verfassers enth\u00e4lt schon ein gewisses Ma\u00df an Wahrheit, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland pro Jahr ca. 1,5 Millionen Sportunf\u00e4lle, wie Knochenbr\u00fcche oder B\u00e4nder- und Muskelrisse gibt. Diese f\u00fchren nicht selten auch zur <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/07\/arbeitsrecht-die-fuenf-groessten-irrtuemer-zum-thema-krankschreibung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitsunf\u00e4higkeit<\/a> im Job.<\/p>\n<h2>Regelungen im Arbeitsvertrag<\/h2>\n<p>Da fragt sich so mancher Arbeitgeber, ob er sich das gefallen lassen muss.<br \/>\nAm besten w\u00e4re es doch seinen Mitarbeitern gef\u00e4hrliche Sportarten gleich ganz zu verbieten. Aber ist das auch rechtlich umsetzbar?<\/p>\n<p>Die Antwort: Ein klares \u201eNein\u201c!<\/p>\n<p>Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer nicht vorschreiben, wie dieser seine <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/04\/freizeit-in-jena-aktivmoeglichkeiten-und-mehr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freizeit<\/a> zu verbringen hat. Auch dann nicht, wenn es sich um eine potentiell gef\u00e4hrliche Sportart handelt. Damit w\u00fcrde er das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit verletzen. Eine Regelung im Arbeitsvertrag oder eine derartige Weisung des Arbeitgebers w\u00e4re unwirksam.<\/p>\n<h2>Anspruch auf Entgeltfortzahlung<\/h2>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EfzG) hat der Arbeitnehmer gegen\u00fcber dem Arbeitgeber bei einer Arbeitsunf\u00e4higkeit einen Anspruch auf Fortzahlung des Arbeitsentgeltes f\u00fcr die Dauer von sechs Wochen. \u00a7 3 EfzG setzt daf\u00fcr jedoch voraus, dass den Arbeitnehmer an der Arbeitsunf\u00e4higkeit kein Verschulden trifft.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte der findige Arbeitgeber ja argumentieren, ein Arbeitnehmer, der in seiner Freizeit Fu\u00dfball spielt oder sich im Winter auf Skiern die verschneiten Bergh\u00e4nge der Alpen hinunter wagt und sich dabei verletzt, ist selbst Schuld. Damit h\u00e4tte er den Anspruch auf Entgeltfortzahlung verwirkt. Aber so einfach ist das nun wieder auch nicht:<\/p>\n<h2>Verschulden<\/h2>\n<p>Schuldhaftes Verhalten liegt vor, wenn grob fahrl\u00e4ssig oder vors\u00e4tzlich gegen das von einem verst\u00e4ndigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartende Verhalten versto\u00dfen wird.<\/p>\n<p>Ein Verschulden ist regelm\u00e4\u00dfig bei besonders gef\u00e4hrlichen Sportarten zu bejahen: Das Bundesarbeitsgericht geht von einer gef\u00e4hrlichen Sportart aus, wenn das Verletzungsrisiko so gro\u00df ist, dass ein gut ausgebildeter Sportler, der alle Regeln beachtet, eine Verletzung nicht vermeiden kann. Bisher wurde in Deutschland nur Kickboxen als gef\u00e4hrliche Sportart deklariert. (ArbG Hagen, 1989). Ebenfalls darunter fallen, d\u00fcrften Sportarten wie Basejumping, Volcanoboarding oder Highlining. Jedoch ist hier immer eine Einzelfallbetrachtung erforderlich.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Arbeitnehmer kann seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung aber auch dann verlieren, wenn er eine \u201enormale\u201c Sportart aus\u00fcbt und ihn trotzdem ein Verschulden trifft. Dies ist regelm\u00e4\u00dfig dann der Fall, wenn er sich selbst \u00fcberfordert oder sich nicht an die anerkannten Regeln h\u00e4lt. Wenn sich beispielsweise ein Skianf\u00e4nger gleich auf die schwarze Piste wagt oder sich ein Rennsportfahrer nicht ordnungsgem\u00e4\u00df anschnallt, kann Verschulden gegeben sein.<\/p>\n<p>Wer jedoch vern\u00fcnftig und seinen F\u00e4higkeiten entsprechend Sport treibt, muss nicht f\u00fcrchten im Falle eines Sportunfalls auf sein Gehalt zu verzichten.<\/p>\n<h2>K\u00fcndigung wegen Sportverletzung<\/h2>\n<p>Was ist aber, wenn ein Mitarbeiter wegen Sportverletzungen sehr lange oder aber h\u00e4ufig und immer wieder ausf\u00e4llt?<\/p>\n<p>In einem solchen Fall k\u00f6nnte ihm eine <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2014\/07\/arbeitsrecht-29-beendigung-eines-arbeitsverhaltnisses-ii-kundigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">personenbedingte K\u00fcndigung<\/a> drohen.<br \/>\nEine solche ist gerechtfertigt, wenn ein Mitarbeiter wegen einer schweren Verletzung nicht mehr in der Lage ist, seinen Job auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Die H\u00fcrden f\u00fcr den Arbeitgeber sind hier sehr hoch. Zum einen muss der Arbeitnehmer deutlich l\u00e4nger als sechs Wochen krank sein. Zum anderen muss f\u00fcr die Zukunft eine negative Gesundheitsprognose vorliegen.<\/p>\n<p>Bei h\u00e4ufigen Kurzerkrankungen muss der Arbeitgeber nachweisen, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis nachhaltig gest\u00f6rt ist und zu bef\u00fcrchten ist, dass die Anzahl der Erkrankungen in der Zukunft zunehmen wird. Dieser Nachweis d\u00fcrfte in der Praxis schwer zu f\u00fchren sein.<\/p>\n<h2>Sport w\u00e4hrend der Krankheit<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend einer bestehenden Arbeitsunf\u00e4higkeit darf der Arbeitnehmer nichts tun, was seiner Genesung entgegensteht. Damit kommt es auch hier wieder auf den Einzelfall an. Bei bestimmten Krankheitsbildern, wie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/11\/endstation-depression-oder-doch-wieder-irgendwie-in-den-job-einsteigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Depressionen<\/a>, kann sportliche Bet\u00e4tigung sogar f\u00fcr die Genesung f\u00f6rderlich sein. Bei Muskelerkrankungen oder Knochenbr\u00fcchen sollte man lieber keinen Sport treiben. Tut man es doch, riskiert man unter Umst\u00e4nden eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die K\u00fcndigung.<\/p>\n<p><strong>Anmerk. d. Autorin:<\/strong> Dieser Beitrag gibt die rechtliche Situation nur allgemein und verk\u00fcrzt wieder. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und ersetzt die individuelle Beratung im konkreten Einzelfall nicht. Jegliche Haftung wird trotz sorgf\u00e4ltiger Bearbeitung ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sport: eine Methode Krankheiten durch Unf\u00e4lle zu ersetzen. 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