{"id":19749,"date":"2019-02-26T09:34:53","date_gmt":"2019-02-26T08:34:53","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=19749"},"modified":"2021-04-08T10:10:43","modified_gmt":"2021-04-08T08:10:43","slug":"die-oprema-eine-erfindung-mit-hindernissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2019\/02\/die-oprema-eine-erfindung-mit-hindernissen\/","title":{"rendered":"Die OPREMA &#8211; eine Erfindung mit Hindernissen"},"content":{"rendered":"<p>Im heutigen Blog-Artikel m\u00f6chten wir euch auf eine kleine Zeitreise zu den Anf\u00e4ngen der digitalen Rechentechnik in der DDR mitnehmen. Welche H\u00fcrden mussten die Pioniere der IT &#8211; <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2017\/06\/kaemmerer-johannsmeier-zuse-pioniere-der-deutschen-it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wilhelm K\u00e4mmerer<\/a> und Herbert Kortum &#8211; \u00fcberwinden? Wie schrieben sie dennoch hier in Jena durch die Erfindung der OPREMA &#8211; des ersten Computers der DDR &#8211; Geschichte?<\/p>\n<h2>Ein schwieriger Start<\/h2>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg belasteten die Reparationszahlungen an die Alliierten Firmen wie Carl Zeiss Jena stark. Ausr\u00fcstung, Konstruktionsunterlagen, Patentschriften &#8211; vieles wurde inklusive der f\u00fchrenden Wissenschaftler bereits ab Juni 1945 nach Heidenheim in Baden-W\u00fcrttemberg zwangsweise ausgelagert. Einer dieser f\u00fchrenden K\u00f6pfe &#8211; Herbert Kortum &#8211; floh bedingt durch die dortigen Arbeitsbedingungen 1946 wieder zur\u00fcck nach Jena. Doch kaum zur\u00fcck wurde er zusammen mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Wilhelm K\u00e4mmerer und Fritz Straube zur Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Milit\u00e4r zwangsverpflichtet. An 5 Jahre Arbeit schlossen sich weitere 18 Monate Aufenthalt auf der \u201eInsel des Vergessens\u201c im Seligersee nahe Moskau an, um die Geheimhaltung der Forschungsergebnisse zu sichern. Diese Zeit nutzten die Zeissianer ebenfalls, um bei ausgiebigen Spazierg\u00e4ngen ihren eigenen programmgesteuerten digitalen Rechenautomaten zu entwickeln. Aus anderen L\u00e4ndern waren \u00e4hnliche \u201eComputer\u201c bereits bekannt, sodass sie bei ihrer R\u00fcckkehr nach Jena der Werksleitung die Umsetzung ihres Projektes vorschlugen.<\/p>\n<h2>Die DDR-IT und OPREMA<\/h2>\n<p>Doch die Anfangszeit des IT-Sektors in der DDR gestaltete sich schwierig. Ein Gleichziehen oder gar \u00dcberholen westlicher Nationen wurde nie erreicht. Dies lag unter anderem daran, dass die DDR-F\u00fchrung anf\u00e4nglich die Bedeutung der EDV nicht erkannte. Noch bis 1959 lag der Fokus auf der allseits etablierten B\u00fcromaschinenindustrie. 70 % der Investitionsmittel wurden in diesem Bereich investiert und behinderten die Entwicklung der Rechentechnik.<\/p>\n<p>Erst das in Russland geformte Konzept von Kortum und K\u00e4mmerer f\u00fchrte zu einem Umbruch im Denken. Die OPREMA war geboren. Diese <strong>OP<\/strong>tische <strong>RE<\/strong>chen<strong>MA<\/strong>schine war ein auf Basis polarisierter Relais arbeitender elektromechanischer Rechenautomat, mit den gleichen Grundbausteinen wie Konrad Zuses Z3. Durch die neue Maschine konnten optische Berechnungen viel schneller durchgef\u00fchrt werden. Sie ersetzte nicht nur den Rechenaufwand von 50 bis 120 Mitarbeitern, die an anderen Stellen eingesetzt werden konnten, sondern rentierte sich auch, da sie die Entwicklungszeiten auf ein Zehntel verk\u00fcrzte. Eine \u00f6konomische Verbesserung, die die Bedeutung der Rechentechnik endlich auch in das Bewusstsein der DDR-F\u00fchrung brachte.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Was machte die OPREMA so besonders?<\/h2>\n<p>Bei einer Taktzahl von 150 Hz, die im Grunde angibt, wie viele Operationen pro Sekunde m\u00f6glich sind, brauchte die OPREMA beispielsweise f\u00fcr Addition\/Subtraktion 120 ms, f\u00fcr Multiplikation\/Division 800 ms, und das Wurzelziehen1200 ms. Zwar haben heutige Prozessoren Taktzahlen im GHz-Bereich (also Milliarde\/Sekunde), dennoch war dies f\u00fcr eine Rechenmaschine, die auf Relais basiert zu dieser Zeit eine gro\u00dfe Leistung. Die OPREMA bestand aus rund 17.000 Relais und hatte eine Verkabelung von rund 500 km Kabeln. Die Eingabe des Programms und der numerischen Daten erfolgte nach dem Vorbild von Lochkartenmaschinen \u00fcber Stecktafeln.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise dauerte die Konzeptions- und Bauphase nur 7 \u00bd Monate (Beginn: Fr\u00fchjahr 1954, Fertigstellung: Ende 1954). Die schnelle Fertigstellung der Anlage beruht vermutlich auch darauf, dass das Konzept bereits lange vorher in den K\u00f6pfen der Pioniere existierte und nur noch physisch umgesetzt werden musste. Der Versuchsbetrieb begann im April 1955. Es zeigte sich, dass die Maschine, deren zwei identische Rechner ihre Ergebnisse zu Pr\u00fcfzwecken st\u00e4ndig miteinander verglichen, einwandfrei funktionierte. Die Verantwortlichen entschieden, dass beide Rechner einzeln fungieren sollten. Somit standen zwei eigenst\u00e4ndige Rechner f\u00fcr Berechnungen zur Verf\u00fcgung. Die Zuverl\u00e4ssigkeit der beiden Rechner war gew\u00e4hrleistet, da die Relais im stromlosen Zustand geschaltet wurden. Dadurch hatte man beim Schalten keine Funkenbildung, was die Abnutzung der Relais stark verringerte. Beeindruckend ist au\u00dferdem, dass die 55 Quadratmeter gro\u00dfe Maschine im Betrieb nur eine Leistungsaufnahme von ca. 40 Watt hatte, was in etwa der Leistungsaufnahme einer heutigen Deckenleuchte entspricht.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Was k\u00f6nnen wir von unserer heutigen kleinen Zeitreise mitnehmen? Trotz der Tatsache, dass zur damaligen Zeit bereits andere digitale Rechenmaschinen existierten, war die OPREMA keinesfalls eine reine Kopie der aus dem Westen bekannten Maschinen. Kortum und K\u00e4mmerer entwickelten die OPREMA aus den schwer zug\u00e4nglichen, stark reglementierten Bauelementen zur DDR-Zeit. Das erreichten sie ohne jeglichen Import von technischem Know-how oder Werkstoffen aus dem Westen. Durch ihre Pionierleistung zeigten sie der DDR-F\u00fchrung die Bedeutung von Investitionen in die digitale Rechentechnik und bewiesen gleichzeitig auf beeindruckende Weise, dass selbst mit begrenzten Mitteln vieles m\u00f6glich ist. Leider war die OPREMA lange nicht allen B\u00fcrgern der DDR zug\u00e4nglich und der Betrieb der Maschine nur Spezialisten vorbehalten. Dennoch ebnete sie bereits w\u00e4hrend ihrer Erprobung dem ersten serienm\u00e4\u00dfig gebauten Computer &#8211; ZRA 1- den Weg.<\/p>\n<p>Mit der Entwicklung der OPREMA legten die Pioniere den Grundstein zur heutigen Bedeutung Jenas als innovativen und zukunftsorientierten IT-Standort in Mitteldeutschland. Auf diese Weise wurden schon damals die Voraussetzungen f\u00fcr <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/12\/arbeitsplaetze-am-it-standort-jena\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">heutige Arbeitspl\u00e4tze<\/a> und Forschungszentren geschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im heutigen Blog-Artikel m\u00f6chten wir euch auf eine kleine Zeitreise zu den Anf\u00e4ngen der digitalen Rechentechnik in der DDR mitnehmen. Welche H\u00fcrden mussten die Pioniere der IT &#8211; Wilhelm K\u00e4mmerer und Herbert Kortum &#8211; \u00fcberwinden? Wie schrieben sie dennoch hier in Jena durch die Erfindung der OPREMA &#8211; des ersten Computers der DDR &#8211; Geschichte? 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