{"id":20654,"date":"2020-02-26T08:29:18","date_gmt":"2020-02-26T07:29:18","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=20654"},"modified":"2021-05-27T09:21:11","modified_gmt":"2021-05-27T07:21:11","slug":"kuendigungsfrist-verkuerzen-welche-moeglichkeiten-gibt-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2020\/02\/kuendigungsfrist-verkuerzen-welche-moeglichkeiten-gibt-es\/","title":{"rendered":"K\u00fcndigungsfrist verk\u00fcrzen &#8211; welche M\u00f6glichkeiten gibt es?"},"content":{"rendered":"<p>Wer den Wunsch nach beruflicher Ver\u00e4nderung versp\u00fcrt oder aus wichtigem Grund den Arbeitsplatz wechseln muss, sieht sich mit der Frage konfrontiert: Wie komme ich am schnellsten und sichersten aus meinem Arbeitsvertrag raus? Ist die Anstellung unbefristet, greift die vertraglich geregelte K\u00fcndigungsfrist. In Ausnahmef\u00e4llen l\u00e4sst sich das bestehende Arbeitsverh\u00e4ltnis vorzeitig beenden. Welche das sind, welche M\u00f6glichkeiten es gibt und was du beachten solltest, erf\u00e4hrst du in unserem heutigen Blogartikel:<\/p>\n<p>Bevor wir uns den M\u00f6glichkeiten widmen, kl\u00e4ren wir zun\u00e4chst das Grundlegende: \u00dcblich ist eine 28-t\u00e4gige K\u00fcndigungsfrist zum Monatsende oder zum 15. des Monats. Ausnahmen bilden die K\u00fcndigungsfristen w\u00e4hrend der Probezeit (in der Regel 14 Tage) oder die verl\u00e4ngerte K\u00fcndigungsfrist ab f\u00fcnf Jahre Betriebszugeh\u00f6rigkeit (geregelt im BGB \u00a7 622 Abs. 2). Hier erh\u00f6ht sich die K\u00fcndigungsfrist auf 2 Monate und ab acht Jahren auf drei Monate.<\/p>\n<h2>Au\u00dferordentliche fristlose K\u00fcndigung \u00a0bei Unrechtm\u00e4\u00dfigkeiten<\/h2>\n<p>Das Komplement vom Aufhebungsvertrag \u00a0ist die fristlose K\u00fcndigung bei Unrechtm\u00e4\u00dfigkeiten. Was wird unter Unrechtm\u00e4\u00dfigkeiten verstanden? Unter Unrechtm\u00e4\u00dfigkeiten werden wiederholte Vertragsverletzung verstanden, wie beispielsweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Nichtzahlung des vertraglich vereinbarten Gehalts<\/li>\n<li>Anstiften zu einer Straftat oder vors\u00e4tzlichem L\u00fcgen<\/li>\n<li>sexuellem oder gewaltt\u00e4tigem \u00dcbergriff<\/li>\n<li>Anfeindungen<\/li>\n<li>Mobbing<\/li>\n<\/ul>\n<p>Demzufolge sind dies Umst\u00e4nde, unter denen nach Pr\u00fcfen des Einzelfalls oder nach Abw\u00e4gen der Interessen beider Vertragsparteien das Fortf\u00fchren des Arbeitsverh\u00e4ltnisses bis zur vertraglich geregelten Beendigung (K\u00fcndigungsfrist) nicht mehr zumutbar ist.<\/p>\n<p>Im H\u00e4rtefall wird der Schweregrad des Versto\u00dfes im Einzelfall gepr\u00fcft. Kann aufgrund der Unrechtm\u00e4\u00dfigkeit keine schwerwiegende Auswirkung oder kein schwerwiegender Versto\u00df nachgewiesen werden, ist eine sofortige au\u00dferordentliche K\u00fcndigung in der Regel nicht zul\u00e4ssig. In diesem Fall kann eine ordentliche <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2014\/07\/arbeitsrecht-29-beendigung-eines-arbeitsverhaltnisses-ii-kundigung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00fcndigung<\/a> (Einhaltung der vertraglich geregelten K\u00fcndigungsfrist) oder \u201enur\u201c eine <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/08\/arbeitsrecht-12-sie-werden-abgemahnt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abmahnung<\/a> geltend gemacht werden.<\/p>\n<p>Merke: Dir als Arbeitnehmer steht es ebenso zu, deinen Arbeitgeber darauf aufmerksam zu machen, dass er sich vertragswidrig verh\u00e4lt (Abmahnung). In diesem Fall sollte der Arbeitgeber, Ma\u00dfnahmen zum Beseitigen des Vertragsbruchs einleiten \u2013 z.B. regelm\u00e4\u00dfiges Zahlen des Gehalts, Gew\u00e4hrleisten des Erholungsurlaubes usw. Fraglich ist, wie sehr das Vertrauensverh\u00e4ltnis leidet und ob eine Weiterbesch\u00e4ftigung nach den Vorkommnissen angenehm ist.<\/p>\n<h2>Unwirksamer Arbeitsvertrag<\/h2>\n<p>In diesem Absatz erh\u00e4ltst du einen Einblick, welche im <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/05\/arbeitsrecht-form-und-inhalt-des-arbeitsvertrags\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitsvertrag<\/a> eingebundenen Klauseln rechtswidrig und anfechtbar sind:<\/p>\n<h3>Keine konkrete Benennung zur \u00dcberstundenregelung<\/h3>\n<p>Es muss aus deinem Arbeitsvertrag hervorgehen, wie viele <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2014\/03\/arbeitsrecht-22-es-wird-mal-wieder-spater-schatz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00dcberstunden<\/a> von dir verlangt werden k\u00f6nnen und in welcher Form diese ausgeglichen werden (pauschal mit der Bruttoverg\u00fctung i.H.v. Betrag X oder als Freizeitausgleich). Wichtig zu wissen ist, dass die \u00dcberstunden das zumutbare Ma\u00df nicht \u00fcberschreiten d\u00fcrfen.<\/p>\n<h3>Festgehaltene Vertragsstrafen, die den zumutbaren Rahmen sprengen<\/h3>\n<p>Dein Arbeitgeber kann sich das Recht vorbehalten, bei Verletzung einer Vertragspflicht durch dich, die Zahlung einer Vertragsstrafe geltend zu machen. Zul\u00e4ssig ist die Zahlung einer Vertragsstrafe i.H.v. einem Bruttomonatsgehalt. Jede dar\u00fcber hinausgehende Zahlungsforderung ist unrechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<h3>Weiter- und Fortbildungskosten werden zur\u00fcckgezahlt<\/h3>\n<p>Wenn dein Arbeitgeber in dich investiert und die Kosten f\u00fcr deine Fort- oder Weiterbildung \u00fcbernimmt, kann er nach Beenden des Arbeitsverh\u00e4ltnisses die Kosten nicht von dir zur\u00fcckfordern. Stattdessen wird er von seinem Recht gebraucht machen und in den Arbeitsvertrag eine Klausel einbinden, welche vorgibt, innerhalb welchen Zeitraumes nach Beendigung der Fort- oder Weiterbildungsma\u00dfnahme du nicht k\u00fcndigen darfst.<\/p>\n<h3>Versetzung und erweiterter T\u00e4tigkeitsbereich zugunsten des Arbeitgebers<\/h3>\n<p>Fakt ist, dass dein Arbeitgeber dir gegen\u00fcber weisungsbefugt ist und den Ort deiner Arbeit festlegen kann. Allerdings nur solange, wie er dieses Recht nicht missbraucht, d.h. dich nicht stets und st\u00e4ndig an einen neuen Arbeitsplatz verweist. Gleiches gilt f\u00fcr die festgeschriebenen T\u00e4tigkeiten und Aufgaben. Eine unangemessene Erweiterung deiner Aufgaben ist unzul\u00e4ssig, da sich hieraus ebenso eine unangemessene Benachteiligung f\u00fcr dich ergibt. Zwar kann sich dein Arbeitgeber das Recht vorbehalten, deine Aufgaben zu erweitern, muss dabei aber auch deine Interessen ber\u00fccksichtigen (z.B. keine Degradierung in der Hierarchie).\u00a0<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h3>F\u00fcr Arbeitnehmerinnen: Du darfst nicht schwanger werden<\/h3>\n<p>Dies zu verlangen, w\u00e4re eine Frechheit. Du musst deinem Arbeitgeber keine Rechenschaft dar\u00fcber ablegen, ob und wann du mit der Familienplanung beginnst m\u00f6chtest. Dies ist und bleibt dein Privatleben. Weiterhin ist laut \u00a7 9 des Mutterschutzgesetzes eine K\u00fcndigung in der Schwangerschaft grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<h3>Freiwilligkeitsvorbehalt widerspricht strengem Transparenzgebot<\/h3>\n<p>Beim Freiwilligkeitsvorbehalt geht es um diverse Sonderzahlungen, die der Arbeitgeber leistet. Darunter fallen z.B. Weihnachtsgeld oder ein 13. Monatsgehalt. Da der Arbeitsvertrag einem strengen Transparenzgebot unterliegt, muss in ihm klar definiert sein, ob und welche Sonderzahlungen dein Arbeitgeber leistet. Mit der Formulierung \u201esonstige Leistungen\u201c, \u201efreiwillig\u201c und \u201ek\u00f6nnen jederzeit widerrufen werden\u201c beh\u00e4lt sich der Arbeitgeber vor, bisher geleistete Sonderzahlungen einzustellen, wenn er aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht mehr in der Lage ist, diese zu zahlen. Dies wiederum widerspricht dem Transparenzgebot und ist unwirksam.<\/p>\n<h2>Der Aufhebungsvertrag \u2013 schnell, harmonisch und einvernehmlich<\/h2>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2016\/08\/arbeitsrecht-59-der-aufhebungsvertrag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufhebungsvertrag<\/a> ist im Vergleich zu anderen M\u00f6glichkeiten die g\u00e4ngigste und einfachste L\u00f6sung, um vorzeitig, ohne Einhaltung der vertraglich vereinbarten K\u00fcndigungsfrist, aus dem bestehenden Arbeitsvertrag herauszukommen. Das Zauberwort lautet allerdings: einvernehmlich. Ein Aufhebungsvertrag beruht auf Zustimmung beider Seiten \u2013 deine und die deines Vorgesetzten. Ein Aufhebungsvertrag bietet sich bspw. an, wenn sich f\u00fcr dich eine neue berufliche Herausforderung ergibt und der Arbeitsantritt bei deinem neuen Arbeitgeber vor der vertraglich vereinbarten K\u00fcndigungsfrist liegt. In diesem Fall solltest du deinen Vorgesetzten von deinem Vorhaben in Kenntnis setzen und ihn bitten, deinen Arbeitsvertrag vorzeitig aufzuheben. Stimmt dein Vorgesetzter zu, bist du verpflichtet, ein Schreiben zur vorzeitigen Beendigung des Arbeitsvertrages bei deinem Arbeitgeber vorzulegen.<\/p>\n<p>Achtung: Sei sicher, dass es mit deinem neuen Job klappt. Wenn dem nicht so ist und der Aufhebungsvertrag wirksam ist, entf\u00e4llt vorerst dein Anspruch auf Arbeitslosengeld, da du das Arbeitsverh\u00e4ltnis freiwillig beendet hast. Ob dich deine ehemalige Firma zur\u00fccknimmt, steht auf einem anderen Blatt.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Wie der heutige Blogartikel zeigt, gibt es einige M\u00f6glichkeiten, um vorzeitig aus dem Arbeitsvertrag herauszukommen. Grundlage daf\u00fcr bieten die Bestimmungen und Rechtm\u00e4\u00dfigkeiten der Gesetzestexte. Ich empfehle dir, deinen Arbeitsvertrag genau durchzulesen und ggf. durch eine Fachkraft pr\u00fcfen zu lassen. Zumindest solltest du bei Fragen zum Vertrag auf deinen Arbeitgeber zugehen, um Unklarheiten beiseite zu r\u00e4umen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer den Wunsch nach beruflicher Ver\u00e4nderung versp\u00fcrt oder aus wichtigem Grund den Arbeitsplatz wechseln muss, sieht sich mit der Frage konfrontiert: Wie komme ich am schnellsten und sichersten aus meinem Arbeitsvertrag raus? Ist die Anstellung unbefristet, greift die vertraglich geregelte K\u00fcndigungsfrist. In Ausnahmef\u00e4llen l\u00e4sst sich das bestehende Arbeitsverh\u00e4ltnis vorzeitig beenden. Welche das sind, welche M\u00f6glichkeiten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":66,"featured_media":20655,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20654"}],"collection":[{"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/66"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20654"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20654\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20654"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20654"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20654"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}