{"id":20661,"date":"2020-03-11T12:00:10","date_gmt":"2020-03-11T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/?p=20661"},"modified":"2021-05-27T09:46:29","modified_gmt":"2021-05-27T07:46:29","slug":"prokrastination-umgang-mit-der-volkskrankheit-aufschieberitis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2020\/03\/prokrastination-umgang-mit-der-volkskrankheit-aufschieberitis\/","title":{"rendered":"Prokrastination: Umgang mit der Volkskrankheit Aufschieberitis!"},"content":{"rendered":"<p>Abgabe am Sonntag.<\/p>\n<p>Montag: Es ist noch Zeit.<br \/>\nDienstag: Es ist noch Zeit.<br \/>\nMittwoch: Es ist noch Zeit.<br \/>\nDonnerstag: Ich sollte langsam anfangen.<br \/>\nFreitag: Ich sollte wirklich langsam anfangen.<br \/>\nSamstag: Nachher geht\u2019s dann aber los.<br \/>\nSonntag: Ich h\u00e4tte fr\u00fcher anfangen sollen\u2026<\/p>\n<p>Das Hinausz\u00f6gern von Aufgaben, die erledigt werden m\u00fcssen &#8211; Wer kennt es nicht? Ihr schiebt Auftr\u00e4ge vor euch her, obwohl die Deadline immer n\u00e4her r\u00fcckt; \u00e4rgert euch \u00fcber euch selbst, obwohl ihr doch dieses Mal fr\u00fcher beginnen wolltet, um ohne Stress zum Ende zu kommen. Ihr habt prokrastiniert.<\/p>\n<h2>Prokrastinieren \u2013 Was ist das \u00fcberhaupt?<\/h2>\n<p>Prokrastinieren meint das Aufschieben unangenehmer T\u00e4tigkeiten. Diese werden nicht, nicht rechtzeitig oder nur unter gro\u00dfem Druck bew\u00e4ltigt. Es kann nahezu jeden treffen \u2013 egal, ob im Studium, dem Job oder der Hausarbeit. Abschlussarbeiten, Steuererkl\u00e4rungen und Fr\u00fchjahrsputz sind nur einige Beispiele f\u00fcr etwaige Aufgaben. Dennoch gilt stets: \u201eAufgeschoben ist nicht aufgehoben.\u201c<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde f\u00fcr das Aufschieben k\u00f6nnen sein, dass die Leistungsanforderungen oft mit Versagens\u00e4ngsten verbunden sind, die eigenen Leistungsanspr\u00fcche sind zu hochgesteckt oder die Zielsetzungen sind ganz und gar unrealistisch. Eine weitere m\u00f6gliche Ursache f\u00fcr das Hinausz\u00f6gern unliebsamer Aktivit\u00e4ten ist eine grunds\u00e4tzliche Neigung des Menschen: Wir tun das, was uns kurzfristig belohnt und uns hilft, positive Emotionen zu empfinden. Unser Gehirn ist auf Belohnungen ausgerichtet. So opfern wir unsere Willensst\u00e4rke f\u00fcr kurzfristigen Genuss. In diesem Zusammenhang sprechen Wissenschaftler vom <em>Akrasia-Effekt<\/em>. Das griechische Wort steht f\u00fcr geistige Schw\u00e4che. Wir k\u00f6nnen den Willen nicht aufbringen, etwas Bestimmtes zu tun \u2013 stattdessen pr\u00e4ferieren wir unmittelbare Belohnungen.<\/p>\n<h2>Folgen und Handlungstipps<\/h2>\n<p>Obwohl es so psychologisch logisch scheint, zu prokrastinieren, ist es mit zahlreichen Problemen verbunden. Zu hohe Anspr\u00fcche an sich selbst, Schuldgef\u00fchle, Selbstzweifel, Pr\u00fcfungsangst und <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2013\/11\/endstation-depression-oder-doch-wieder-irgendwie-in-den-job-einsteigen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Depressionen<\/a> sind nur einige der Risiken, die mit der sogenannten \u201eAufschieberitis\u201c einhergehen. Nach der Prokrastination folgen oft Stresssituationen. Sie erh\u00f6hen zwar unsere Leistungs- und Handlungsf\u00e4higkeit rasant, doch gleichzeitig k\u00f6nnen \u00dcberlastungserscheinungen des K\u00f6rpers resultieren.<\/p>\n<p>Genau hier entsteht das Paradoxon der Prokrastination: Statt sich m\u00fchsam zu \u00fcberwinden, eine Aufgabe anzugehen, wird sie intuitiv weggeschoben, in der Hoffnung, sich sp\u00e4ter vielleicht leichter motivieren zu k\u00f6nnen. Erst hinterher zeigt sich oft, dass es im Laufe der Zeit jedoch stets schwerer wird. Genau das beschreibt der <em>Depletion-Effekt<\/em>: Wir wollen den einfacheren Weg, die Abk\u00fcrzung gehen, ohne zu merken, dass es dadurch erst kr\u00e4ftezehrender wird.<\/p>\n<p>Wenn Prokrastination dauerhaft auftritt, ist sie pathologisch. Betroffene leiden unter mangelnder Disziplin, Organisationsverhalten oder Ausdauer. Es liegt klinisch eine bedeutsame St\u00f6rung der Selbststeuerung vor. Was also tun gegen die allgegenw\u00e4rtige Volkskrankheit? Lest daf\u00fcr die folgenden <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2017\/09\/10-schritte-gegen-prokrastination\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">10 Tipps<\/a>!<\/p>\n<p>Nun habt ihr euch vielleicht selbst dabei erwischt, dass ihr auch gelegentlich prokrastiniert und konntet euch informieren, was ihr dagegen tun k\u00f6nnt. Fraglich ist jedoch, ob dieses Ph\u00e4nomen vielleicht auch gute Seiten an sich hat \u2013 Mehr dazu findest du im n\u00e4chsten Abschnitt.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Aufschieberitis \u2013 Fluch oder Segen?<\/h2>\n<p>Immer \u00f6fter lesen wir von der <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2018\/04\/work-life-blending-statt-work-life-balance\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Work-Life-Balance<\/em><\/a>. Es f\u00e4llt uns schwer, ein Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben zu erreichen; vielleicht haben einige von uns sogar verlernt, abzuschalten. Wir erkennen nicht an, dass es unm\u00f6glich ist, jeden Tag acht Stunden lang 100 % Einsatz zu zeigen. Immer mehr Menschen sind vom <em>Workaholism<\/em> betroffen, eine Form der Arbeitssucht. Sie zeigt sich, wenn private Lebensbereiche und die eigene Gesundheit aufgrund der investierten Arbeitszeit vernachl\u00e4ssigt werden. Betroffene, k\u00f6nnen nach der Arbeit nicht <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2019\/03\/endlich-feierabend-tipps-zum-abschalten-von-der-arbeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abschalten<\/a>, vernachl\u00e4ssigen soziale Beziehungen.<\/p>\n<p>Deswegen sollen uns nationale Gl\u00fccksformeln wie <em>Hygge<\/em>, <em>Nunchi<\/em>, <em>Sisu<\/em> oder <em>Lagom<\/em> zur\u00fcck auf den Weg ins Wohlgef\u00fchl f\u00fchren. Obwohl sie aus den unterschiedlichsten L\u00e4ndern der Erde stammen &#8211; wie D\u00e4nemark oder China &#8211; \u00a0zielen sie alle auf dasselbe ab: Dem Menschen in unruhigen Zeiten ein Gef\u00fchl der W\u00e4rme und Behaglichkeit zu vermitteln. Zeiten der Ruhe, wie sie auch durch Prokrastination ergeben, stehen nicht zwangsweise im Zusammenhang mit Faulheit oder sollten gar das Selbstwertgef\u00fchl schm\u00e4lern. Im Gegenteil: Es ist geradewegs eine Kunst, sich Zeit zum Nichtstun zu schaffen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Mal abgesehen davon, dass wir beim Aufschieben bestimmter Aufgaben sehr kreative L\u00f6sungen f\u00fcr diese entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Fazit: Aufschieben ist ein Balanceakt<\/h2>\n<p>Prokrastination ist ein weit verbreitetes und allgegenw\u00e4rtiges Problem. Wer pr\u00e4feriert nicht ein Bier mit den Freunden vor dem Schreiben komplexer Texte? Sicher w\u00fcrden viele von uns, ohne mit der Wimper zu zucken, den leichteren Weg w\u00e4hlen. Du bist also nicht der Einzige, der doch \u00f6fter als gedacht dazu neigt, zu prokrastinieren.<\/p>\n<p>Doch immer alles liegenzulassen, kann in Stress enden. Also wie w\u00e4gt man ab, ob eine Sache warten kann oder nicht? Wann ist Zeit f\u00fcr Erholung, wann ist Zeit f\u00fcr Selbstdisziplin und Zwang? Diese Fragen m\u00fcssen in jedem Fall individuell beantwortet werden, denn die Entscheidung h\u00e4ngt von der eigenen Situation und der Art der Aufgabe ab. Bestimmte Dinge m\u00fcssen schnell erledigt werden, beispielsweise, wenn sie gegebenenfalls die Existenz des Studiums oder Jobs gef\u00e4hrden k\u00f6nnten. Andere Projekte, die vielleicht viel Kreativit\u00e4t oder intensiver Recherche bed\u00fcrfen, weniger existenziell sind, profitieren von einer Langsam-Erledigen-Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Egal, ob du f\u00fcr dich Prokrastination nun als Fluch oder Segen wertest: Es ist wichtig, dein <a href=\"https:\/\/towerconsult.de\/bewerberblog\/2019\/06\/wohlbefinden-am-arbeitsplatz-tipps-zur-steigerung-der-produktivitaet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wohlbefinden<\/a>, Gesundheit und Leistungsf\u00e4higkeit in Einklang miteinander zu bringen. Solltest du dies trotz intensiver Bem\u00fchungen nicht schaffen, kannst du dir jederzeit therapeutische Hilfe suchen. Denn Prokrastination als Symptom psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Arbeitsst\u00f6rungen ist nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abgabe am Sonntag. Montag: Es ist noch Zeit. Dienstag: Es ist noch Zeit. Mittwoch: Es ist noch Zeit. Donnerstag: Ich sollte langsam anfangen. Freitag: Ich sollte wirklich langsam anfangen. Samstag: Nachher geht\u2019s dann aber los. Sonntag: Ich h\u00e4tte fr\u00fcher anfangen sollen\u2026 Das Hinausz\u00f6gern von Aufgaben, die erledigt werden m\u00fcssen &#8211; Wer kennt es nicht? 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