IT & Technik

Augmented & Virtual Reality in unserem Alltag

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Geschrieben von Julia

In den letzten Jahren haben sich zwei Begriffe in unseren Alltag geschlichen, die inzwischen nicht einmal mehr vor der Jenaer Fußgängerzone halt machen: Augmented und Virtual Reality. Doch was genau bedeuten sie eigentlich und wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Konzepten?

Wie unterscheiden sich Augmented und Virtual Reality?

Augmented und Virtual Reality können als zwei Pole eines Spektrums betrachtet werden: Bei der Augmented Reality (AR) befinden wir uns sowohl körperlich als auch geistig immer noch in der echten Welt, nur dass diese durch die Technologie „erweitert“ wird (englisch augmented). Im Gegensatz dazu tauchen wir bei der Virtual Reality (VR) ganz in eine neue Welt ein, die uns mit bisher noch kostspieligen technologischen Hilfsmitteln wie 3D-Brillen vermittelt wird.

Soweit, so gut, aber was bedeutet „Erweiterung der Realität“?

Wahrscheinlich sind viele von uns bereits mit Augmented Reality in Berührung gekommen, ohne zu wissen, worum es sich dabei handelt. Ein Vorläufer war das 2012 zuerst öffentlich präsentierte und viel diskutierte Google Glass – ein Art Brille mit integrierter Kamera, durch die im rechten Blickfeld nur für den Träger ersichtlich Informationen angezeigt werden. Ihre Funktionen werden unter anderem durch Kopfbewegungen, Sprache und Augenzwinkern gesteuert.

Dass sich dieses Produkt jedoch nicht durchsetzen konnte, liegt wahrscheinlich unter anderem daran, dass es inzwischen einige Anwendungen für’s Smartphone gibt, welches die meisten von uns ohnehin im Alltag in der Tasche haben. Ein einfaches Beispiel ist das Spiel Pokémon Go, das 2016 weltweit für Aufsehen sorgte. Es ermöglicht den Spielern, in der echten Welt Pokémon zu „fangen“ und miteinander kämpfen zu lassen – ein guter Anlass, rauszugehen und neue Menschen zu treffen.

Abgesehen davon hat Augmented Reality auch großes Potential in der Lernunterstützung. Beispielsweise gibt es AR Apps für Smartphones und Tablets in einigen Museen, sodass die Besucher interaktiv mehr über die Ausstellungen erfahren können, beispielsweise im Akropolis-Museum in Athen oder im British Museum in London. Auch gibt es verschiedene Apps, die die Berliner Mauer für die Hauptstadt-Besucher erlebbar machen, indem der Nutzer mit dem Handy seine Umgebung filmt, deren Strukturen von der App erkannt werden. Daraufhin werden an den Originalschauplätzen Bilder und Videos rund um die Mauer auf dem Display darüber gelegt.

Die neuen Möglichkeiten der AR sind auch an den Marketingabteilungen großer Unternehmen nicht vorbeigegangen. So bietet das bekannte schwedische Möbelhaus eine App, mit der Käufer im Vorhinein in den eigenen vier Wänden per Smartphone sichtbar machen können, wie gut sich ihre gewünschten Neuanschaffungen einpassen.

Eine (schöne) neue Welt mit Virtual Reality

Der Ansatz der Virtuellen Realität ist ein ganz anderer: Hier wird nicht auf der tatsächlichen Umgebung des Nutzers aufgebaut, sondern eine ganz neue erschaffen. Um das zu erreichen, ist es mit einer einfachen Smartphone-App nicht getan. Stattdessen wird spezielles Equipment wie die oben genannten 3D-Brillen (Head-Mounted Display) verwendet. Diese können auch mit anderer Technik wie sogenannten Datenhandschuhen, mit denen das Gefühl erzeugt wird, virtuelle Gegenstände ertasten zu können, kombiniert werden. Ziel ist dabei, dem Nutzer das Gefühl zu geben, was er nun sieht, hört, oder auch fühlt, wäre real – Wissenschaftler sprechen hier von Immersion .

Dadurch ist die VR ebenfalls ideal dazu geeignet, dem Nutzer neues Wissen zu vermitteln. Denn wir lernen am besten durch möglichst konkrete Wahrnehmung: Wenn wir einen Gegenstand oder eine Situation von allen Seiten betrachten können und im besten Fall, wenn wir dabei Emotionen verspüren. So zeigt der von der UN beauftragte VR-Film „Clouds over Sidra“ eindrucksvoll das Leben in einem Flüchtlingscamp im Jordan.

 

Auch in der Medizin findet VR Anwendung, beispielsweise in der Ausbildung von Chirurgen und zur Planung komplexer Operationen. Auch in der psychologischen Forschung und Behandlung hat sich die VR etabliert. So können Patienten mit Angststörungen oder Posttraumatischer Belastungsstörung auf kontrollierte Weise mit ihren Ängsten konfrontiert werden. Diese Art der Kontrolle ist auch unabdinglich für wissenschaftliche Forschung, beispielsweise zur Simulation von ethischen Gedankenexperimenten oder psychologischen Fragestellungen, zum Beispiel ob man in bestimmten Situationen basierend auf der Hautfarbe des eigenen oder eines anderen Avatars andere Entscheidungen trifft.

Ein großer Faktor, der die Entwicklung der VR vorantreibt, ist aber viel trivialer: Die Spieleindustrie. Wie auch bei AR gibt es inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, das Erlebnis „normalen“ Computerspielens zu erweitern, indem man in die virtuelle Welt eintaucht und sich wirklich physisch in ihr bewegt. Für das bekannte Head-Mounted Display Oculus Rift von Facebook gibt es eine ganze Reihe an Anwendungen, von 3D-Versionen von Spieleklassikern wie Solitaire bis zur Nachbildung von Anne Franks Haus in Amsterdam .

Im AR & VR – Bereich arbeiten

Wer sich dafür interessiert, selbst praktische Anwendungen in VR und AR zu entwickeln, kann je nach Interessenlage Spezialisierungen vom Medizintechniker, vielseitigem Software-Projektmanager, über den visuell orientierten 3D-Designer, bis hin natürlich zum Programmierer oder Spieleentwickler anstreben.

Wer sich für die Software-Seite interessiert, sollte ein Hochschulstudium in Informatik oder einer verwandten Disziplin absolvieren und dabei Kenntnisse in objektorientierten Programmiersprachen wie C#, C++ oder Java erwerben. Ein (auch selbstständiges) Studium von gängigen Plattformen wie Unity oder Blender ist von großem Vorteil, sowie Erfahrungen mit Technologien wie Motion Capture, Gestenerkennung oder physikalischer Simulation.

Für die Umgebungserkennung, die die Voraussetzung für AR darstellt, sind Kenntnisse maschineller Bildverarbeitung grundlegend.

Fazit

Augmented und Virtual Reality freuen sich immer größerer Beliebtheit und werden sich in Zukunft durch ihre vielfältigen Einsatzgebiete aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem selbstverständlichen Aspekt unseres Lebens entwickeln. Die Berliner Apps MauAR und Timetraveler, oder auch Anbieter wie der VR Court Jena , in dem VR-Stationen zum Spielen gemietet werden können, zeigen, dass die neuen Technologien bereits in unseren Innenstädten angekommen sind. Sobald die Hardware noch günstiger zu haben ist, wird VR sicher bis in die heimischen Wohnzimmer vordringen und für viel Spaß und Abwechslung sorgen.

Über den Autor

Julia

Julia hat in Jena, Osnabrück, Nottingham (England) und Trento (Italien) studiert und bringt ihre Erfahrungen seit Ende 2017 im IT-Consulting-Team ein.