Bewerbung & Interview

Geheimcodes im Arbeitszeugnis

Arbeitszeugnis, Quelle: RainerSturm/pixelio.de
Geschrieben von Lisa

Wenn man als Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt, um sich einer anderen Aufgabe zu widmen, hat man grundsätzlich immer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Unterschieden wird zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Arbeitszeugnis.

Einfaches Arbeitszeugnis

Dieses Zeugnis beinhaltet lediglich Angaben zu den Personalien sowie zur Art und Dauer der Beschäftigung.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis

Neben den Informationen, die im einfachen Arbeitszeugnis stehen, enthält das qualifizierte Arbeitszeugnis detaillierte Angaben zu den Aufgaben und Tätigkeiten und der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung.

Arbeitszeugnisse klingen meist gut formuliert.  Tatsächlich ist es aber so, dass  die Vorgesetzten einen sogenannten Geheimcode verwenden, um das wirkliche Auftreten des Mitarbeiters nett zu verpacken.

Welche Formulierungen werden für die Leistungsbeurteilung im Arbeitszeugnis verwendet?

Gerade die Leistungsbeurteilung ist ein wesentlicher Bestandteil in Arbeitszeugnissen. Um einen Einblick in die wichtigsten Formulierungen der Leistungsbeurteilung zu erhalten, sind nachfolgend einige, nach Schulnoten geordnet, aufgelistet. Diese soll euch dabei helfen, eure Leistungen selbst zu beurteilen.

Sehr gut

  • „Die Leistungen haben in jeglicher Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden.“
  • „…erledigte die zugeteilten Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“
  • „…verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.“

Gut

  • „…hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.“
  • „…erledigte Aufgaben stets selbstständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.“
  • „…verfügt über umfassende Fachkenntnisse.“

Befriedigend

  • „…hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.“
  • „…führte die zugeteilten Aufgaben systematisch aus.“
  • „…verfügt über solide Fachkenntnisse.“

 Ausreichend

  • „…hat unseren Erwartungen entsprochen.“
  • „…hat die übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit ausgeführt.“
  • „…verfügt über solides Basiswissen.“

Mangelhaft

  • „…hat im Allgemeinen den Anforderungen entsprochen.“
  • „…hatte die Gelegenheit, alle zu erledigenden Arbeiten kennen zu lernen.“
  • „…hat die Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.“

Ungenügend

  • „Die Arbeitsqualität entsprach meistens den Anforderungen.“
  • „…hat nach Kräften versucht, die geforderten Leistungen zu erbringen.“
  • „…war um eine zuverlässige Arbeitsweise bemüht.

Welche Formulierungen werden für die Verhaltensbeurteilung im Arbeitszeugnis benutzt?

Neben der Leistungsbeurteilung ist die Verhaltensbeurteilung auch ein elementarer und unverzichtbarer Teil von Arbeitszeugnissen. Es beurteilt das Sozialverhalten im Arbeitsumfeld. Nachfolgend seht ihr eine Auflistung, die euch dabei helfen soll, euer Verhalten zu bewerten.

Sehr gut

  • „… Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei / vorbildlich / mustergültig / lobenswert / sehr gut.“
  • „… Auftreten ist jederzeit geprägt von ihrer/seiner zuvorkommenden, hilfsbereiten und kontaktfreudigen Art.“
  • „… wurde von Vorgesetzten und Kollegen als fleißiger und freundlicher Mitarbeiter sehr geschätzt.“

Gut

  • „… Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war jederzeit einwandfrei / vorbildlich / mustergültig / lobenswert / sehr gut.“
  • „…Auftreten ist geprägt von ihrer/seiner zuvorkommenden, hilfsbereiten und kontaktfreudigen Art.“
  • „… wurde von Vorgesetzten und Kollegen als fleißiger und freundlicher Mitarbeiter geschätzt.“

Befriedigend

  • „… Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei / vorbildlich.“
  • „… fügte sich gut in die Betriebsgemeinschaft ein.“
  • „…  Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets spannungsfrei.“

Ausreichend

  • „…Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war korrekt.“
  • „… Verhalten gab zu Beanstandungen keinen Anlass.“
  • „…Führung war stets tadellos. Gegenüber Kollegen verhielt er sich immer korrekt.“

Mangelhaft / Ungenügend

  • „… Führung gab uns selten Anlass zu Beanstandungen.“
  • „…Verhalten gegenüber Vorgesetzten war unbelastet.“
  • „…war stets um ein taktvolles Verhalten bemüht.“

Wie ihr seht, gibt es bei den Formulierungen nur minimale Unterschiede. Sie sagen aber dennoch etwas ganz Unterschiedliches aus. Auch für Arbeitgeber dürfte diese Auflistung interessant sein. Denn oftmals möchte der Chef dem Mitarbeiter ein sehr gutes Zeugnis ausstellen, ist aber nicht ganz so versiert im Umgang mit den Textbausteinen eines Arbeitszeugnisses und schreibt deshalb ein eher Schlechtes.

Auf welche Formulierungen im Arbeitszeugnis muss man zusätzlich achten?

Es gibt allerdings noch andere Punkte, die mindestens genauso wichtig für das Arbeitszeugnis sind wie Leistungs- und Verhaltensbeurteilungen. Es werden auch Kernkompetenzen, also die Schlüsselqualifikationen oder Soft-Skills, beurteilt. Nachfolgend sind diese nach Themen geordnet aufgelistet mit den dazugehörigen Formulierungen der Noten:

Fachwissen im Arbeitszeugnis

  • Sehr gut: „…  besitzt ein hervorragendes, jederzeit verfügbares Fachwissen.“
  • Gut: „… verfügt über ein abgesichertes, erprobtes Fachwissen.“
  • Befriedigend: „… verfügt über das erforderliche Fachwissen und setzte es erfolgreich ein.“
  • Ausreichend: „… verfügt über Fachwissen und setzte es ein.“

Initiative und Kreativität im Arbeitszeugnis

  • Sehr gut: „… hatte immer wieder ausgezeichnete Ideen, gab wertvolle Anregungen, ergriff selbstständig alle erforderlichen Maßnahmen und führte sie entschlossen durch.“
  • Gut: „… hatte oft gute Ideen, gab weiterführende Anregungen, ging alle Aufgaben tatkräftig an und handelte selbstständig.“
  • Befriedigend: „… gab gelegentlich eigene Anregungen, übernahm die ihm übertragenen Aufgaben und führte sie aus.“
  • Ausreichend: „… übernahm die ihm übertragenen Aufgaben und führte sie unter Anleitung aus.“

Belastbarkeit

  • Sehr gut: „… war ein stets ausdauernder und außergewöhnlich belastbarer Mitarbeiter, der auch unter schwierigsten Arbeitsbedingungen alle Aufgaben in hervorragender Weise gelöst hat.“
  • Gut: „… war ein ausdauernder und gut belastbarer Mitarbeiter, der auch wechselnden Beanspruchungen unter Termindruck gut gewachsen war.“
  • Befriedigend: „… war ein ausdauernder und belastbarer Mitarbeiter, der auch wechselnden Beanspruchungen unter Termindruck gewachsen war.“
  • Ausreichend: „… war ein in der Regel ein ausdauernder und belastbarer Mitarbeiter, der auch wechselnden Beanspruchungen gewachsen war.“

Loyalität

  • Sehr gut: „… stellte stets das Interesse des Unternehmens in den Vordergrund und hat am heutigen Stand des Unternehmens maßgeblich mitgewirkt.“
  • Gut: „… arbeitete stets zum Wohle des Unternehmens.“
  • Befriedigend: „… arbeitete zum Wohle des Unternehmens.“
  • Ausreichend: „… arbeitete im Allgemeinen zum Wohle des Unternehmens.“

Zuverlässigkeit

  • Sehr gut: „… war immer sehr pflichtbewusst und stets zuverlässig.“
  • Gut: „… war immer pflichtbewusst und zuverlässig.“
  • Befriedigend: „… war pflichtbewusst und zuverlässig.“
  • Ausreichend: „… war grundsätzlich pflichtbewusst und zuverlässig.“

Fortbildungsbereitschaft

  • Sehr gut: „… nutzte immer Gelegenheiten sein Fach- und Führungswissen durch entsprechende Fortbildungen kontinuierlich zu erweitern und vertiefen, was sich stets in den sehr guten Arbeitsergebnissen niederschlug.“
  • Gut: „… nutzte stets die betrieblichen Fortbildungsmöglichkeiten, um sein Fachwissen auf dem Laufenden zu halten.“
  • Befriedigend: „… nutzte die betrieblichen Fortbildungsmöglichkeiten, um sein Fachwissen auf dem Laufenden zu halten.“
  • Ausreichend: „… nutzte einige betriebliche Fortbildungsmöglichkeiten, um sein Fachwissen auf dem Laufenden zu halten.“

Wie ihr nun sehen könnt, gibt es eine ganze Reihe Kernkompetenzen, die im Arbeitszeugnis bewertet werden. Wie schon bei der Leistungs- und Verhaltensbeurteilung, klingen auch hier die Formulierungen alle sehr ähnlich.

Welche Rolle spielt der Schlussteil im Arbeitszeugnis?

Der Schlussteil spielt eine erstaunlich große Rolle. Dort findet sich das Fazit des Zeugnisses und mancher Personaler liest überhaupt nur den Schlussteil der Zeugnisse.

Klingt die Zusammenfassung nach einer schlechten Bewertung, kann das schon mal dazu führen, dass die Bewerbung zur Seite gelegt wird. Deshalb ist es wichtig, auf eine gute und inhaltlich wertvolle Schlussformulierung zu achten. Die folgende Auflistung zeigt euch die Idealformulierungen für den Schlussteil:

Idealformulierung für den Schlussteil

  • eine Zusammenfassung des Zeugnisses (etwa: Frau XY erledigte Ihre Aufgaben jederzeit zu unserer vollsten Zufriedenheit)
  • der Grund der Kündigung (Frau XY verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch. Leider müssen wir Frau XY betriebsbedingt kündigen.)
  • eine Formulierung, die das Bedauern über das Ausscheiden des Mitarbeiters aus dem Unternehmen ausdrückt (Wir bedauern das Ausscheiden von Frau XY aus unserem Unternehmen sehr und verlieren mit Ihr eine hervorragende und geschätzte Mitarbeiterin.)
  • Dank für die geleistete Arbeit und gute Wünsche für die private und berufliche Zukunft. (Wir danken Frau XY für die sehr gute Arbeit und wünschen ihr für ihre berufliche und persönliche Zukunft alles erdenklich Gute.)

Wir haben auch zahlreiche weitere Informationen über Geheimcodes im Arbeitszeugnis, etwa über Formulierungen im Zeugnis in unserem dritten Teil, die Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitszeugnis oder auch was man tut, wenn man kein Arbeitszeugnis hat und sich trotzdem bewerben möchte.

Über den Autor

Lisa

Lisa war von Anfang 2014 bis Herbst 2015 BA-Studentin bei uns. Sie hat Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Personalwirtschaft/Personaldienstleistungen studiert und erprobte ihr theoretisches Wissen bei uns in der Praxis. Noch am Beginn des Berufslebens, berichtete Lisa über Erfahrungen aus dem Unialltag sowie die Herausforderungen bei der Arbeit in einer Personalagentur und zeigte uns dabei ihre Sicht eines Berufsanfängers.

1 Kommentar

  • Auch Zeugnissprache ändert sich und vormals sehr gute Wertungen verlieren an Aussagekraft: Die Formulierung „Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war (stets) einwandfrei“ hat in den letzten Jahren in den Standardwerken der Zeugnisschreibung (z.B. „Arbeitszeugnisse in Textbausteinen“, Prof. Arnulf Weuster/Brigitte Scheer, Boorberg Verlag, 11. Auflage) eine Herabstufung um eine Note erfahren. Zuvor galt „Das Verhalten war stets einwandfrei“ als typische Floskel für eine zusammenfassende Verhaltensbewertung mit der Note 1 (jetzt: Note 2) und „Das Verhalten war einwandfrei“ (ohne „stets“) stand für die Note 2 (jetzt: Note 3). Um also die Note 1 beim Verhalten eindeutig zu vergeben, sollte die Formulierung lauten: „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich.“

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