Bewerbung & Interview

Das ist doch immer Zeitarbeit?!

Personalagentur, Quelle: ClkerFreeVectorImages/pixabay.com
Geschrieben von Anna

Vorurteile Personalagentur 1

Als Mitarbeiter einer Personalagentur hat man es nicht leicht. Du denkst nun bestimmt: „Jetzt lamentieren sie wieder!“. Ich meine das nicht bezogen auf die Tätigkeit, nein, eher bezogen auf den Ruf. Als ich vergangenes Jahr im Zug mit einer älteren Frau ins Gespräch gekommen bin, ist sie nach meiner Antwort auf die Frage, was ich beruflich tue, tatsächlich von mir weggerückt. Ohne Quatsch! Ich sagte nur, dass ich bei einer Personalberatung arbeite und schon geriet das Gespräch ins Stocken. Dabei war es vorher eigentlich ganz nett mit ihr zu sprechen. Mich überraschte diese Reaktion, schließlich habe ich nicht gesagt, dass ich Pelze aus Hundewelpen vertreibe. Woher kommt nur dieser so schlechte Ruf?

Ihr macht doch was mit Zeitarbeit!

Für viele ist Personalagentur gleichbedeutend mit Zeitarbeit. Diese polarisiert stark, ist jedoch für die Meisten verbunden mit Verdrängung von Stammpersonal und vor allem einem, verglichen mit dem der festen Mitarbeiter,  niedrigen Gehalt. Einer Meinung zum Thema Zeitarbeit möchte ich mich an dieser Stelle enthalten. Fakt ist, dass es seit Jahren Bestrebungen gibt, diese fairer und in der Verantwortung für den Menschen zu gestalten. Darüber hinaus handelt es sich auch hier, wie so oft, nicht um ein Thema, in dem es nur schwarz und weiß gibt. Wozu ich jedoch eine Meinung habe, ist die Ansicht, dass alle Personalagenturen mit Zeitarbeit gleichzusetzen sind. Das stimmt nämlich nicht, wie man an unserem Beispiel (der TowerConsult GmbH) sieht. Leiharbeit gehört überhaupt nicht zu unserer Produktpalette und wir sind damit nicht die Einzigen.

Was macht eine Personalberatung?

Ich glaube, ein Grund für den schlechten Ruf von Beratungsagenturen ist genau dieses Unwissen. Mir selbst war es, bis ich mich das erste Mal bei uns 🙂 beworben habe, auch nicht richtig klar, wie eine Agentur arbeitet und wie der Bewerbungsprozess abläuft.

Fragt man Wikipedia, erhält man folgende Antwort:

Eine Personalberatung berät Unternehmen bei deren Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften. Sie umfasst die Begleitung von Findungsprozessen, die Gestaltung und Durchführung von Beurteilungsmaßnahmen, die Personalentwicklung, Vergütungsberatung, das Personalmarketing, die Begleitung in der Organisations(-entwicklung) sowie strategische und konzeptionelle Fragestellungen in der Personalarbeit.

Also, nix Zeitarbeit! Im Fokus steht der Bewerber, der für ein Unternehmen gesucht wird. Man unterscheidet zwischen Zeitarbeit und Recruiting. Das Unternehmen verlagert im Falle eines Recruitingauftrages quasi seine Personalabteilung temporär nach außen, um Zeit und letztlich Kosten zu sparen, die langwierige Suchprozesse bedingen können. So wie man beispielweise Marketingleistungen oder juristische Themen verlagert, weil die Arbeitskraft und/oder das Know-how im Unternehmen fehlen, kann man dies auch mit Personalangelegenheiten tun. Mit der Einstellung des Bewerbers ist die Arbeit der Personalagentur getan, da dieser beim Unternehmen angestellt ist und, nicht wie im Falle von Zeitarbeit, bei der Agentur selbst. Für den Bewerber ist dieser Prozess KOSTENLOS.

Prozess der Personalsuche über eine Personalagentur – Unternehmenssicht

Folgende Grafik, in der der Begriff Zeitarbeit nicht einmal vorkommt ;), zeigt den Standardprozess der Personalsuche mit Hilfe einer Personalagentur aus Unternehmenssicht.

Personalagentur_Prozess_Unternehmen

Zunächst werden die Anforderungen der zu besetzenden Stelle besprochen. Wer wird gesucht (Bezeichnung)? Welche Erfahrungen und Kenntnisse sind notwendig? Was hat das Unternehmen seinen Mitarbeitern zu bieten? Auf Basis dieser Informationen schreibt die Agentur die Stelle aus, verbreitet sie in Stellenportalen, Social-Media-Kanälen, über Anzeigen, etc. und/oder spricht Kandidaten aus der eigenen Datenbank bzw. über Business Netzwerke (z.B. XING) an. Die eingehenden Bewerbungen werden gesichtet und Bewerber am Telefon interviewt. Aus diesen schriftlichen und mündlichen Informationen wird je ein Profil zu den am geeignetsten scheinenden Bewerbern erstellt und an das Unternehmen weitergeleitet. Die interne Fach- und Personalabteilung entscheiden anschließend, welche Kandidaten sie gern in einem persönlichen Gespräch kennenlernen möchte. Ein Mitarbeiter der Personalagentur, möglichst der, der den Kandidaten durch das Telefoninterview schon kennengelernt hat, begleitet das Interview. Seine Aufgabe ist es, das Gespräch am Laufen zu halten, offene Fragen zu klären und im Anschluss dem Unternehmen beratend zur Seite zu stehen, z.B. bei Fragen wie: Welche Voraussetzungen müssen zur Einstellung noch erfüllt werden? Wie können mögliche Gehaltsvorstellungen angepasst/erreicht werden? Bietet sich ein weiteres Gespräch an? Muss das Stellenprofil überarbeitet werden? Am Ende des Prozesses auf dieser Seite sollte ein Bewerber stehen, der einen Arbeitsvertrag erhält und zeitnah beginnen kann.

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Der Prozess aus Bewerbersicht

Du denkst dir, schön und gut, aber was habe ich als Bewerber davon? Mehr als du vielleicht erwartest. Bewirbst du dich bei einer Agentur, hast du zwar eine konkrete Stelle vor Augen, es muss jedoch nicht bei einer bleiben. Soll heißen, Agenturen haben meist mehrere Kunden und offene Positionen, sodass sie dir verschieden Stellen anbieten können. Das Telefoninterview dient dazu, dich besser kennen zu lernen und ggf. fehlende Informationen zu gewinnen, die zur Zusage einer Stelle führen können – eine interne Personalabteilung hat dafür nicht immer Zeit. Du bekommst außerdem die Möglichkeit, deine Unterlagen noch einmal zu überarbeiten und vor einer Weiterleitung an das Zielunternehmen erneut einzureichen.Personalagentur_Prozess_Bewerber

Im Bewerbungsgespräch sitzt du dann nicht allein vor einem ganzen Gremium, sondern hast jemanden an deiner Seite. Auch zum Thema Gehalt kann eine Agentur dich beraten. Ein Unternehmen meldet sich lange Zeit oder gar nicht zurück? Auch hier bietet eine Agentur Vorteile. Sie fragt beim Unternehmen nach und meldet sich mit Zwischenstandberichten bei dir bzw. steht dir für Rückfragen jederzeit zur Seite.

Am Ende des Prozesses solltest du eine neue Stelle haben. Ist dies nicht der Fall, so hast du zumindest deine Unterlagen überarbeitet. Sofern du dein Einverständnis gibst, bleiben deine Unterlagen in der Bewerberdatenbank der Agentur gespeichert und du wirst bei neuen, auf dich passenden, Stellen kontaktiert.

Böse Personalagentur. Oder nicht?!

Natürlich solltest du dich nicht nur über Agenturen bewerben. Persönliche Kontakte zu Unternehmen sind nicht zu unterschätzen. Es empfiehlt sich, in jeder Bewerbungsphase verschiedene Möglichkeiten zu nutzen und nicht nur auf eine Ausschreibung hoffen. Eine Personalagentur KANN dabei eine Möglichkeit darstellen.

Über den Autor

Anna

Anna, unsere „Frau fürs Schöne“, war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

2 Kommentare

  • Liebe Anna,
    Ich hatte ein Vorstellungsgespräch bei einer Personalagentur. Dort fragte man mich als erstes ob ich einen Vermittlungsgutschein der Arge hätte. Ich bin aber nicht arbeitslos gemeldet, also habe ich auch keinen Anspruch auf einen. Daraufhin meinte man, man würde meine Unterlagen weiterreichen, es würde aber wohl so aussehen, dass die Person eingestellt würde, die den Gutschein vorlegen kann. Andernfalls müsse das Unternehmen das Honorar zahlen. Das zum Thema Personalagentur.
    Mit freundlichen Grüssen
    Martina

    • Hallo Martina,
      das ist natürlich eines der Beispiele, die nicht unbedingt dafür sprechen, sich bei einer Agentur zu bewerben. Bzw. wenn man so eine Erfahrung gemacht hat wie du, überlegt man sicher genau, ob man sich im Fall des Falles noch einmal bei einer Personalagentur bewirbt. Ich kann uns wieder als Beispiel anführen: hier macht es keinen Unterschied, ob Vermittlungsgutschein oder nicht. Ich hoffe einfach, dass nicht wir die Ausnahme sind, sondern eher Agenturen wie in deinem Beispiel.
      Viele Grüße
      Anna

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