Körper, Geist & Job

Job und Familie: Ein Erfahrungsbericht aus dem Team Teil 2

Nun kommt die Jungmutti nach ihrer Elternzeit wieder auf Arbeit und alles ist wie immer und gleichzeitig total anders. Natürlich ändern sich Aufgabenbereiche, Prozesse, Kunden und die Arbeitswelt selbst. Auch die Tatsache, dass die Aufgaben der einen auf die anderen verteilt wurden, verändert den einzelnen Job. Zumindest in kleinen Organisationen wie der unseren ist das so.Deshalb ist es wichtig, dass sich das Team und die betreffende Mama schon vor dem Start gemeinsam überlegen, wie die Aufgaben neu verteilt werden und wie der Einstieg gestaltet werden kann. Ganz besonders wichtig ist dabei folgende Tatsache: Kleinkinder, die neu in die Kinderkrippe/Kindergarten kommen, werden nach unserer Erfahrung andauernd krank. Sie stecken sich immer wieder neu an und nehmen jeden Infekt mit. In etwa 30% der Fälle stecken sie dann Mama und Papa mit an. Das ist ein Fakt, der beim Thema Job und Familie nirgends wirklich berücksichtig ist, der aber für ein Team deutlich belastender ist, als das Jahr Elternzeit selbst. Denn in dem einen Jahr teilt man sich in die Aufgaben und es richtet sich in recht kurzer Zeit alles ganz gut ein.

Aber unvorhersehbare Fehlzeiten, die plötzlich auftreten und zwischen einem halben Tag und zwei Wochen lang sein können, sind schwieriger zu verdauen. Die Arbeit muss trotzdem getan, Aufgabe immer wieder neu aufgeteilt werden.

Beim Wiedereinstieg muss man deshalb sinnvollerweise diese möglichen Fehlzeiten einkalkulieren. Die „Einstiegsaufgaben“ sollten also idealerweise eher langfristigere Aufgaben sein, die noch keinem allzu großen Termindruck unterliegen. Zudem sind es am besten Aufgaben, mit denen man sich in ein Thema einarbeiten kann und mit denen man sich auch (wieder) profilieren kann. Besonders anstrengende Kunden zu betreuen oder Aufgaben mit hohem Termindruck sind da ungeeignet.

In unserem Team fehlt seit vorletzten Oktober fast immer eine Mitarbeiterin. Im Sommer hält es sich infektmäßig in Grenzen, dafür ist dann Urlaubszeit. Ansonsten ist eigentlich immer ein Kind oder eine Mutti krank oder der Kita/die Tagesmutter hat zu. Wir sind es mittlerweile gewöhnt damit umzugehen und jonglieren recht gut mit Terminen und ToDo-Listen der anderen. Das geht aber nur, weil wir eng zusammenarbeiten und uns viel über unsere Arbeit austauschen. So sind die anderen immer auch halbwegs auf dem aktuellen Stand und können Bewerbern, Kunden oder wemauchimmer meist weiterhelfen. Unerlässlich sind außerdem eine sorgfältige Terminplanung (mit Outlook in unserem Fall), To-Do-Listen (auch Outlook oder Blümchen-Papier, je nach Kollegin), ein gepflegtes CRM-System, viel Absprechen und dass das Büro immer mit mindestens einem Mitarbeiter besetzt ist.

Das klingt jetzt für Arbeitgeber vermutlich als wäre es gar keine gute Idee, junge Eltern und solche, die es werden wollen, einzustellen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Erstens können sich Eltern super organisieren: Spätestens ein Baby bringt einem Zeitmanagement und Verantwortungsgefühl bei. Und zweitens arbeitet man konzentrierter und effizienter, wenn man weiß, dass jederzeit der Kindergarten anrufen könnte, dass das Kind wieder mal Fieber hat und man jetzt sofort ganz schnell den Knirps abholen muss. Und so schaffen wir unsere Arbeit immer und haben Erfolg, weil wir gemeinsam arbeiten.

Nach diesem infektreichen Winter wartet dann im Sommer die nächste Herausforderung: Es geht wieder mal jemand in Elternzeit 🙂

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3 Kommentare

  • Meine Erfahrung mit Elternzeit im öffentlichen Dienst: Es ist ätzend! Die Stellen werden entweder gar nicht besetzt oder es erfolgt keine Vertretung: Alle Arbeit bleibt liegen und unbearbeitet. Möglichkeiten gibt es für Bürger oder Unternehmen fast keine. Erfolgt doch eine Vertretung, ist diese schon mit ihrer Arbeit oft überlastet, somit geht alles noch langsamer.

    Ich bin ja für Eltenzeit. Aber bitte mit organisierter Aufgabenverteilung. Und wer soll sich denn auf befristete Stellen für eine Elternzeit bewerben, wenn diese erst für 1 Jahr ausgeschrieben ist, aber eine Verlängerung möglich ist wenn sich das Elter irgendwann entscheidet, länger wegzubleiben?

  • Ich bin eine Jungmutti und mache gerade eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin. Es ist wirklich total schwer alles unter einen Hut zubekommen. Hätte ich meine Eltern und meinen Freunbd nicht, würde ich all das nicht schaffen. Es ist zwar wirklich hart, aber wenn man will geht meist alles. Wie es in einem öffentlichen Dienst ist, das weiß ich auch nicht. Das es tausendmal härter ist kann ich mir sehr gut vorstellen.

    Alle Mütter die in so einem Dienst arbeiten, drücke ich persönliche ganz fest die Daumen das alles so klappt wie man sich das auch vorstellt.

    Grüßlis

  • Also ich bin eigentlich kein Mensch, der seinen Alltag nach Lebensweisheiten ausrichtet. Aber bei dem Thema „Job und Familie“ fällt mir immer dieses afrikanische Sprichtwort ein, was sich aus meiner Erfahrung einfach bestätigt: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Damit meine ich nicht die Erziehungsmethoden, sondern einfach die Unterstützung durch andere, die einfach nötig ist.

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