Bewerbung & Interview

Ungeschickte Absagepraxis von Arbeitgebern: Ein positiver Eindruck ist schnell zerstört

Heute gebe ich mal wieder etwas aus der Rubrik „Persönliche Erfahrungen“ zum Besten: Vor einigen Monaten war ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wobei ich sowohl das Gespräch als auch die Unternehmensvertreter als sehr angenehm empfand. Am Ende des fast 2-stündigen Kennenlernens sagte man mir, dass ich mich gut geschlagen hätte, die finale Entscheidung aber aufgrund der Vielzahl der Bewerber erst in etwa 2 Wochen fallen würde. Soweit so gut.

Einen Tag später erhielt ich eine E-Mail von dem betreffenden Unternehmen, jedoch von einer Person, mit der ich während des gesamten Bewerbungsprozesses nie zu tun hatte. Und ausgerechnet dieser Ansprechpartner überbrachte mir die „frohe“ Botschaft einer Absage. Mein erster Gedanke: „Geht’s noch?“ Klar war ich über die Ablehnung enttäuscht, viel unpassender fand ich jedoch die Absagepraxis an sich. Mein positiver Eindruck des Unternehmens war auf jeden Fall innerhalb von Sekunden dahin.

Aus Bewerbersicht habe ich mir stets gewünscht, eine Absage immer dann telefonisch zu erhalten, wenn bereits ein persönliches Kennenlernen stattgefunden hat. Und dass einer der mir bereits bekannten Unternehmensvertreter diese Aufgabe übernimmt, habe ich ehrlich gesagt als selbstverständlich vorausgesetzt. Ist das denn zu viel verlangt?

Heute frage ich mich, ob meine Reaktion übertrieben war. Was meint ihr? Habt ihr als Bewerber schon einmal ein ähnliches Erlebnis gehabt? Könnt ihr von anderen kuriosen Erfahrungen berichten? Und was sagt ihr dazu, liebe Personaler?

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7 Kommentare

  • Nein, die Reaktion ist auf keinen Fall übertrieben.

    Im letzten Jahr bin ich bei einem Unternehmen sogar in die zweite Runde gekommen und nach dem Gespräch sagte man mir, dass ich in drei Tagen eine Info bekäme (musste schnell gehen weil Kündigungsfrist). Nach mehr als einer Woche rief ich die Personalchefin, die auch an dem Gespräch teil nahm, an und fragte nach dem Status Quo. Die sagte, dass keine Entscheidung gefallen ist und ich mich noch gedulden sollte. Zwei Wochen später rief ich den Chef an, um zu Fragen, wie es denn aussieht. Auch der sagte mir, dass ich mich noch gedulden sollte. Einen Tag später war die sehr unpersönliche Absage in der Post, die schon Tage vorher geschrieben wurde (s. Datum). Nichtmal der Chef hatte den Mumm, mir persönlich abzusagen .

  • Ich gehe gerade durch den Bewerbungsprozess für Graduate Programs in England, das geht so in die Richtung von Traineestellen. Meist sind diese Programme auf zwei Jahre angesetzt, mit unterschiedlichen Rotationen durch die Firmen.

    Ein paar Erfahrungen:

    Beispiel 1:
    Bei einem großen Unternehmen aus der Nahrungsmittelbranche kämpfte ich mich erfolgreich durch die Online-Bewerbung, Onlinetests und das erste Telefoninterview. Nach dem zweiten Telefoninterview erhielt ich leider eine Absage. In dem ganzen Prozess stand ich nur mit einer Recruitingfirma in Kontakt, erhielt dann aber von einer E-Mail Addresse des Unternehmens (hr@…) die Absage. Dort wurde mir die Möglichkeit für Feedback eingeräumt, ich solle mich am Freitag zwischen 4 und 5 Uhr melden. Das tat ich (zweimal), doch jeweils wurde mir gesagt, die Ansprechpartnerin sei gerade am Telefon, würde mich aber definitiv zurück rufen.

    Das war so etwa vor zwei Wochen… Bis dahin ist nichts weiter passiert.

    Beispiel 2:
    Ich bewarb mich bei einem anderen großen Nahrungsmittelkonzern. Gut einen Monat hörte ich gar nichts, dann kam die Einladung zum Online Test. Diese Tests bestehen meist aus Matheaufgaben bzw. Aufgaben zum logischen Denkvermögen oder zu Handlungen in bestimmten Situationen. Ich hatte fünf Tage Zeit, und schickte die Tests rechtzeitig ab. Ein paar Tage später erhielt ich eine E-Mail. Gratulation, Sie haben unsere Mindeststandards erfüllt. Ich denke mir, super, alles gut gelaufen. Doch es ging noch weiter: Leider hatten wir nur eine bestimmte Anzahl an Interviewterminen zu vergeben, und diese sind nun alle schon gebucht. Eventuell kommen wir in der zweiten Bewerbungsrunde auf Sie zurück.

    Aha…? Und warum habe ich dann die Onlinetests ausgefüllt und bestanden? Irgendwie komme ich mir bei solchem Vorgehen dann auch ein bisschen veräppelt vor.

    Das sind dann eben die Firmen, bei denen ich auch eigentlich NICHT anfangen möchte. Speziell bei der ersten Firma hatte ich nach immerhin zwei Telefoninterviews noch keine konkrete Vorstellung, wie das Programm ablaufen würde, und auch keine Möglichkeit, meine Fragen zu stellen. Der Recruiter sagte mir, die könnte ich dann im Assessment Center stellen, er könne mir da nicht weiterhelfen. Aha? Outsourcing, gut und schön, aber dann erwarte ich auch, dass die Recruiting Firma sich auskennt. Ist das zuviel verlangt? Immerhin investiere ich auch viel Zeit in den Bewerbungsprozess, und wenn man dann so „abgefrühstückt“ wird ist das sehr schade und sicherlich nicht imagefördernd.

    Aber nun gut, es gibt auch positive Beispiele, wie man es „richtig“ machen kann. Hoffentlich klappt es dann bei einer der Firmen, bei denen man sich als Bewerberin auch wohlfühlt.

  • Hallo Jennifer, ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner weiteren Suche! Gerade dein 2. Beispiel hat mich besonders überrascht – nach erfolgreich bestandenen Tests wird man quasi trotzdem „bestraft“.
    Aber du hast recht. Natürlich gibt es auch positive Unternehmensbeispiele, bei denen man dann umso lieber anfängt zu arbeiten.

  • Hi Alex, eine „traurige“ Erfahrung, die du da gemacht hast. Ja, vielleicht hatten die Unternehmensvertreter einfach nicht den Mut dir die Wahrheit zu sagen. Oder aber in besagtem Unternehmen wusste die linke Hand nicht was die rechte tut!? So oder so, es ist beides nicht erfreulich.

  • Es ist leider übliche Praxis, daß Absagen von irgendeiner unbekannten Hilfskraft unterschrieben werden, während in der Stellenausschreibung und im Vorstellungsgespräch noch ein leitender Mitarbeiter der Personalabteilung Ansprechpartner war. Das passiert selbst bei bekannten Unternehmen und Personalberatungen wie Continental, Kienbaum u.v.m. Den Vogel schießt die Continental AG ab, wo die Absagen von Azubis verschickt werden – bei Bewerbungen auf leitende Managementpositionen mit sechsstelligen Jahresgehältern.

    Sind diese Personalabteilungen sich nicht bewußt, daß sie das Image ihres Unternehmens nachhaltig ruinieren? Gerade Bewerber sind eine wichtige Zielgruppe: Dem Unternehmen positiv aufgeschlossen und meist zukünftige Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten, Konkurrenten oder gar Mitarbeiter auf anderen Positionen.

  • …mal aus dem Nähkästchen eines Personalers: manchmal sind so Hinhalte-Taktiken notwendig, wenn die Fachabteilung die Unterlagen liegen lässt und keine Zeit im Tagesgeschäft findet. Hinhalten nach einem Gespräch kann oft die Strategie verfolgen, dass man versucht, mehrere „Eisen im Feuer“ zu halten. Man wartet bis der Wunschkandidat zugesagt und den Vertrag unterschrieben hat, da erst gibt es die Absage für die Nummer 2 und 3.

  • … da muss ich Ina leider Recht geben – häufig passiert so etwas. Trotzdem sollte sich ein gut funktionierendes und faires Unternehmen bei Bewerbern, die bereits persönlich im Gespräch waren, die Zeit nehmen, auch persönlich abzusagen.
    Leider haben wir ja alle die AGG-Herausforderung, die es uns schwer macht, persönliche Absagemails zu schreiben, allerdings sage ich in solchen Fällen immer telefonisch ab und kündige an, dass eine unpersönliche Absagemail noch einmal hinterher kommt.

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