(Neue) Arbeitswelt

Jobsharing – Wie sieht der perfekte Job für Querdenker aus?

Quelle: JoshuaEarle/unsplash.com
Geschrieben von wissensscanner.de

Im März durften wir bereits einen Artikel von Julia Lutz von wissensscanner.de bei uns auf dem Blog veröffentlichen. Nachdem sie uns zunächst über Scanner-Persönlichkeiten informiert hat, stellt sie heute ein mögliches Arbeitszeitmodell für eben diesen „Typ“ Mensch auf dem Bewerberblog vor. Was ist eigentlich Jobsharing?

Was hat der Arbeitsmarkt für grenzenlose Optimisten und Weltverbesserer zu bieten?

In meinem Umfeld gibt es weit und breit nur geradlinige Lebensläufe. Alles ist vorgeplant und muss in das bewerte und altbekannte Muster passen. Erfolgreiches Abitur, danach sofortiger Einstieg ins Studium, damit einem kein anderer den Platz weg schnappen könnte – und so geht es dann weiter… Schlag auf Schlag.

Ein Praktikum nach dem anderen, die besten Noten, soziales Engagement bis zum Umfallen und so schnell wie möglich den ersten festen Job finden – furchtbar unterbezahlt natürlich – aber was tut man nicht alles für die eigene Karriere?!

Nein, ernsthaft. Was müssen wir denn noch alles für die perfekte Karriere tun? Es ist genug.

Schon lange schaffen es viele nicht mehr aus diesem Kreislauf heraus und bleiben auf der Strecke. Burnout … ausgebrannt und total erschöpft. Wir stoßen einfach tagtäglich an unsere Grenzen und haben oft keinen, der uns bremst.

Das Traurige daran ist nur, wir sind alles andere als unglücklich. Wir nehmen es so hin, weil unsere Gesellschaft nun einmal so läuft und wir von allen Seiten gezwungen sind, uns anzupassen. Gegen den Strom schwimmen wird nur nett belächelt – Unternehmen und Entscheider wollen keine „Gegen-den-Strom-Schwimmer“, sie wollen Leistung und jemanden, den man vorzeigen kann.

Wir glauben ganz fest daran, dass alles gut wird. Wir glauben, irgendwann reicht es an Anpassung und wir können wieder mehr wir selbst sein, nicht nur von Freitagabend bis Montagmorgen.

Wir möchten uns tief im Inneren nicht an diesen „altbackenen“ Kreislauf anpassen. Wir lechzen nach Veränderung, nach mehr Selbstbestimmung und der Möglichkeit, sich selbst entfalten zu können.

Jeder sagt uns, wir seien etwas Besonderes – leider fühlen wir uns keinesfalls so.
Wir sehen es etwas anders – wenn wir wirklich alle so etwas besonderes sind, sind wir im Endeffekt doch alle gleich, oder?

Über Facebook, Twitter oder Instagram bekommen wir tagtäglich den Eindruck, dass 100 unserer 500 Freunde sogar noch besonderer sind als wir selbst. Diesem Druck standzuhalten kostet uns tagtäglich wertvolle Energie. Gegen Dumping-Praktikantengehälter rebellieren wir nicht, weil wir wissen, ohne geht es nicht.

„Diesem Lebensstil zu folgen ist Schwerstarbeit. Den Bildern zu entsprechen, fast unmöglich.“

Wir sind also genauso gefangen im Hamsterrad, wie alle anderen und viele von uns haben einfach zu viel Angst, diesen Zustand zu durchbrechen.

Kann ich es mir leisten dieses Risiko einzugehen? Mein Leben und meine Karriere ganz und gar anders zu gestalten – vollkommen fern von bekannten Konventionen und Richtlinien?

Für viele von uns ist es schon mitten im Studium klar, dass wir keinesfalls in dieses Hamsterrad einsteigen möchten. Wir haben Angst.
Hören wir doch nur von ausgebrannten Mitarbeitern, 0-8-15-Jobs, kaum eine Chance auf Selbstbestimmung oder Mitspracherecht – Horror pur für Freidenker, kreative Chaoten (wie sie Cordula Nussbaum auch liebevoll nennt) und Visionäre.

Wie sieht also die Arbeitswelt eines Freidenkers aus?

Bieten Branchen heutzutage überhaupt geeignete Alternativen für uns an? Zahlreiche Unternehmen sind schon auf einem guten Weg in innovative Mitarbeiter- und Arbeitsverhältnisse. Jobsharing ist seit einiger Zeit schon im Gespräch und bietet realistische Möglichkeiten für Freidenker und „Selbstbestimmungsliebende“.

Doch was ist Jobsharing?

Jobsharing ist ein Arbeitszeitmodell bei dem sich zwei Personen einen Arbeitsplatz teilen. Im Allgemeinen legen die betreffenden Arbeitnehmer ihre Arbeitszeiten beim Jobsharing selbstständig fest und erledigen die anfallenden Arbeiten in ihrem Zeitabschnitt in eigener Verantwortung. Dabei kann die Arbeitszeit auf unterschiedliche Arten zwischen den Job-Partnern aufgeteilt werden.”
(Quelle: flexperten.org)

Mit solch einem Arbeitsverhältnis ist es möglich, seinen eigenen Fokus, egal ob dieser auf der Familie, auf eigenen größeren oder kleineren Projekten, auf sozialem oder ehrenamtlichem Engagement oder auf Hobbies liegt.

Könnte dies nun DIE Möglichkeit für die heranwachsende Generation sein, um selbstbestimmt und innovativ seine Arbeit gestalten zu können?

Leider bieten heute gerade einmal 11 Prozent der Unternehmen in Deutschland Jobsharing als Beschäftigungsform an. Hier wird es noch einige Zeit dauern, bis auch andere Unternehmen umdenken und auch gezielt nach Quer– und Freidenker suchen werden.

Eine interessante Anlaufstelle für Scanner, Querdenker und Visionäre ist auch die Jobsharing Seite von Jana Tepe und Anna Kaiser. Hier finden sich schon heute zahlreiche interessante Stellen.

„Jobsharing könnte eine Methode sein, sich selbst treu bleiben zu können.“

Bereits im Studium kam es mir dauerhaft so vor, als könne ich nicht alle meine Interessen unter einen Hut bringen. Vieles, das mich persönlich oder emotional erfüllt hätte, musste auf der Strecke bleiben – dem „womöglich“ späteren Erfolg zu Liebe weichen. Schon jetzt kann ich mir solch ein Leben dauerhaft nicht vorstellen. Immer nur seine eigenen Ideen und Visionen zurück stecken und dem Arbeitgeber gehorchen?

Heute gibt es smartere Möglichkeiten.

Mein Bauchgefühl mahnte mich einen Gang herunterzuschalten, dazu eigenen Herzensprojekten nach zu gehen, neue Hobbys auszuprobieren und das Leben einfach zu genießen.

Mein Kopf jedoch redete mir tagtäglich ein, ja mein Studium nicht zu viel zu vernachlässigen, mir ein Praktikum nach dem anderen aufzuhalsen, nebenbei noch kein Projekt unberührt zu lassen, das mich nur in irgendeiner Weise in meiner Karriereplanung weiter bringen könnte und sich gut im Lebenslauf machen könnte. „Ich muss dem geradlinigen und altbekannten Weg folgen, um erfolgreich zu werden.“

„Einer wirklich sinnvollen Aufgabe nachgehen zu können ist das Wichtigste.“

Ich hatte immer Angst als Faulpelz, als Dickkopf oder „Selbstverwirklicher“ abgestempelt zu werden, trotz des Gefühls, einfach nicht in dieses Schema F reinzugehören.

Wäre also dieses neuartige Arbeitsverhältnis für Menschen wie mich die Lösung? Dem Hamsterrad nicht ganz zu entfliehen und „auszusteigen“, sondern ein „fast“ klassisches Leben führen zu können und trotzdem eigene Herzensprojekte erfolgreich zu verwirklichen?

Neben dem „Muss-Job“ noch einer sinnvollen Aufgabe nachgehen zu können und Mehrwert schaffen?

Innovationen machen oft Angst – wenn wir Jobsharing für uns ausprobieren möchten, müssen wir missionieren und endlich wieder etwas mehr Inhalt in den Ausdruck „Suche nach neuen Herausforderungen“ bringen.

Suchst du auch noch nach neuen Herausforderungen?

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