Bewerbung & Interview

Muss ich das Unternehmen in der Bewerbung loben?

Neulich fand ich mich unerwartet in einer hitzigen Diskussion wieder. Das Thema? Bewerbung. Konkreter: Der Teil, in dem der Bewerber darstellen soll, warum er sich ausgerechnet in dem jeweiligen Unternehmen bewirbt. Während es für mich eine natürliche Selbstverständlichkeit darstellt, hielt es meinen Gesprächspartner vor Empörung kaum auf dem Stuhl. Seiner Meinung nach ist dieses „Geschleime“ absolut überflüssig. „Ich habe meinen Beruf gelernt, weil er mir Spaß macht und ich das Geld selbstverständlich für meinen Lebensunterhalt brauche. Was interessiert mich das Unternehmen, in dem ich arbeiten soll?“

Nein, vermutlich ist es wirklich nicht das, was die Personaler hören wollen. Den meisten wird bewusst sein, dass man einen Job zum Leben braucht. Aber dennoch möchte jeder Arbeitgeber loyale Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann und der nicht bei der nächsten Gelegenheit den Job wechseln.

Wie wichtig ist also die Motivation für ein Unternehmen in der Bewerbung?

Klar lesen Personaler auch gerne nette Worte über das Unternehmen. Aber Bedingung ist das nicht. Letztendlich sind die Fähigkeiten und die Qualifikation des Bewerbers ausschlaggebend, niemals nur die Motivation. Ein Senior-Softwareentwickler mit 20 Jahren Berufserfahrung würde nicht sofort abgelehnt werden, nur weil er in seiner Bewerbung kein Loblied auf das Unternehmen singt. Aber ein junger Kreativer bekommt vielleicht eher eine Chance sich zu beweisen, wenn der Arbeitgeber merkt, dass er voller Tatendrang steckt und für die Firma brennt.

Es kommt darauf an, in welchem Beruf und welcher Branche wir uns bewegen. In kreativen und öffentlich wirksamen Arbeitsfeldern ist es meiner Ansicht nach sehr wichtig, sich wirklich mit dem Unternehmen identifizieren zu können, während ich mir vorstellen kann, dass es in technischen Berufen weniger relevant ist, für wen man gerade den Code oder Schaltplan schreibt.

Aber wie steht ihr dazu? Wie wichtig ist Euch das Unternehmen, in dem ihr arbeitet? Oder ist es egal, solange der Job Spaß macht?

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8 Kommentare

  • Bezogen auf die letzten Fragen:

    Als Freiberufler hat man wahrscheinlich eine ganz andere Perspektive dazu. Ich habe bisher in keiner Auftragsverhandlung das Unternehmen / den Auftraggeber besonders hervorheben müssen. Beide Seiten wissen ja immer sehr genau, worum es geht.

    Für Bewerbungen im allgemeinen: Eine Identifikation mag helfen, aber alles darüber hinaus halte ich für gefährlich.

  • Im Grunde ist doch jede Bewerbung wie ein Flirt – ob im Anschreiben oder bereits im Vorstellungsgespräch. Bei (fast) jedem geht Lob runter wie warme Semmel, kalt werden sie schnell genug. Vorausgesetzt, man schaut genauer hin 😉

  • Ehrlich gesagt habe ich noch nie verstanden, warum ein Bewerber schreiben soll, warum er sich gerade für dieses Unternehmen interessiert. Er kann doch eh nur das wiederholen, was er irgendwo im Netz über das Unternehmen findet. Ehrlicher wäre es zu schreiben: „Ich suche in meinem zukünftigen Job … (Sicherheit, wechselnde Aufgaben, viel Geld …). Finde ich das bei Ihnen? Ihre Personalmarketingaussagen vermitteln mir diesen Eindruck. Wenn es stimmt, sollten wir uns unterhalten“.

    Ausnahme: Der Bewerber kennt jemanden, der dort arbeitet und weiß daher aus verlässlicher Quelle, ob er dort findet, was er sucht. Dann kann der Bewerber im Anschreiben klar darauf eingehen.

    Ich bin seit 13 Jahren im Recruiting aktiv und es wird Zeit, dass sich HR und die Unternehmen von ihren alten Zöpfen und Vorstellungen verabschieden, wie eine Bewerbung auszusehen hat. Ich muss immer schmunzeln, wenn mir ein Bewerber, der uns bisher noch gar nicht kannte, schreibt wie toll wir sind. Ganz ehrlich: Woher will er das wissen?
    Das empfehlen zwar alle Bewerbungsratgeber, aber deswegen wird es nicht richtiger.
    Herzlichen Gruß,
    Henrik Zaborowski

  • ein erfahrener Kollege hat mir mal gesagt: “ ich glaube eh kein Wort, aber es ist positiv wenn der Kandidat ein paar wirklich plausible Gründe vorbringen kann. Ansonsten bedeuten die Floskeln wohl nur – ich bin bereit mich an die Spielregeln zu halten“.
    Aus meiner Sicht sollte wohl mindestens rüber kommen, das der Bewerber sich mit dem Unternehmen im Vorfeld auseinandergesetzt hat und nicht nur den Firmennamen im Anschreiben ausgetauscht hat. (Was ja einigen Bewerbern schon schwer genug fällt)

    Grüße, Reinhard

  • Kann dem ganzen zustimmen. Im Endeffekt kann man nicht sagen was jetzt am wichtigsten ist oder wie wichtig es ist. Sind die Qualifikationen stark, kann das eine „schwächere“ Motivation ausgleichen, genauso umgekehrt kann eine durchschnittliche Qualifikation durch eine außerordentliche, schlüssige Motivation ausgeglichen werden.

  • Meiner Meinung nach ist es schon wichtig, dass der Arbeigeber das Gefühl hat, dass der Bewerber vom Unternehmen begeistert ist. Selbst wenn der Beruf Spaß macht und man von sich aus immer alles gibt, ist die Motivation bei der Arbeit für den Traumarbeitgeber noch ein Stückchen höher. Wenn man das Umfeld liebt (die Mitarbeiter, das Produkt, das Image der Marke) entwickelt man einfach viel mehr Gefühl für die Ziele des Unternehmens und ordnet sich diesen Zielen eher unter.

    Der Personaler muss dieses Gefühl einfach haben, dass der Mitarbeiter ein Interesse an einer guten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens hat. Gleichgültigkeit ist da meiner Meinung nach fehl am Platz.

    Das ist aber nur meine Meinung und wird sicherlich nicht die allgemeine Meinung präsentieren.

    Beste Grüße
    Markus

  • Meines Erachtens sollte der Bewerber Interesse am Unternehmen vermitteln. Es ist wichtig, sich vorab über das Unternehmen und den Job gut zu informieren. Dann kommt man auch in dem Vorstellungsgespräch kompetent und interessiert rüber. Das macht oft den Unterschied und gute Vorbereitung ist nicht zu ersetzen. Nicht fundiertes Prosa „Geschleime“ würde bei mir eher negativ ankommen, außer der Bewerber kann dazu Fakten aufführen.

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