(Neue) Arbeitswelt

Die ersten hundert Tage im neuen Job

Vorstellungsgespräch, Quelle: pexels.com
Geschrieben von Ina

War das ein Sommer? Herrlich! Leider geht er bald in seine Spätphase und für viele Menschen heißt das auch Start in den neuen Job.

Nach erfolgreich überstanden Bewerbungsverfahren und Vertragsverhandlungen ist die Anstrengung aber noch nicht zu Ende. Jetzt beginnt die spannende Startphase. Alles ist neu, ob Kollegen oder der neue Weg, das Gehirn hat so einiges zu verarbeiten. Darum sollten Sie unbedingt den alten Job gut abgeschlossen haben und erholt in den neuen starten.

Ihre Antennen stehen in den nächsten Wochen auf Vollempfang. Es strömt alles auf sie ein. Um die ganzen Informationen und Eindrücke gut zu sortieren und verarbeiten zu können, hier ein paar Kategorien, die helfen.

Das neue Unternehmen

Ihr neuer Arbeitgeber präsentiert sich nun nicht mehr durch Broschüren, Informationen der Personalabteilung oder des Vorgesetzten.

Sie treten in Kontakt mit einer neuen Kultur. Halten Sie die Augen und Ohren offen und nehmen Sie wahr, wo und wie miteinander kommuniziert wird. Wo gibt es Unterschiede zu der Ihnen vorgestellten Unternehmenskultur und ihren Erwartungen. Gehen Sie offen durchs Haus und scannen sie, wie die Menschen Ihnen begegnen. Mit welcher Geschwindigkeit die neuen Kollegen sich bewegen oder auch, wie die Räume für Arbeit und Pausen gestaltet sind. Dabei merken Sie ganz schnell, ob sie sich wohl fühlen oder wo sich Störgefühle bilden.

Doch Vorsicht vor einer schnellen Verurteilung von Dingen, die für Sie ungewöhnlich sind. Möglicherweise erfüllen bestimmte Sachen auch Funktionen, die Ihnen nur noch nicht bekannt sind. Statt belustigt eine abfallende Bemerkung zu machen, ist hier registrieren und nachfragen die Devise, z.B. warum stehen in der Teeküche 10 Kaffeemaschinen, statt einer?

Die neuen Kollegen

Da gibt es die, die mit offenen Armen auf Sie zukommen und freundlich alles Gute für den Start wüschen. Die, die Ihnen mit Zurückhaltung begegnen und die, die Sie schlicht und ergreifend ignorieren. Doch findet eben menschliche Kommunikation nicht nicht statt. Wenn Ihnen also jemand im Fahrstuhl den Vortritt lässt oder in der Kantine die runtergefallene Serviette wortlos wieder aufs Tablett legt, dann ist das alles im luhmannschen-systemischen Sinne Kommunikation. Nehmen Sie also auch die Kleinigkeiten bewusst auf und achten nicht nur auf die großen Gesten.

Auch hier ist derjenige gut beraten, der nicht sofort in die Bewertung geht, sondern erst einmal sammelt.

Der neue Chef/die neue Chefin

Das dauert ein Weilchen, bis man hier am Bodensatz der Beziehung ankommt. Also machen Sie sich keine Illusionen, Ihren Chef gleich in den ersten Wochen zu ergründen. Das wird sich mit dem gemeinsamen Arbeiten schon ergeben. Hilfreich kann jedoch sein, Erwartungen genau abzufragen und Feedback zu wünschen. Vielleicht vereinbaren Sie nach einem ersten Gespräch mit dem neuen Vorgesetzten eine Art Jour fixe für die Anfangsphase, in dem Sie Arbeitsaufgaben besprechen, Ergebnisse präsentieren und Feedback abfragen können.

Kraft und Ruhe

Die Startphase im neuen Job braucht Ihre volle Aufmerksamkeit. Das ist Stress! Für Sie und Ihr Gehirn, für Freunde und Familie. Sorgen Sie für genügend Ruhe/Schlaf und Ausgleich und suchen Sie sich unbedingt jemanden, mit dem Sie alle Ihre Eindrücke besprechen können. Doch aufgepasst, besprechen Sie dies vorher mit Ihrem Partner und holen sein OK ein, um mögliche Überlastungen an dieser Stelle zu vermeiden. Schnell kann dann die Frage kommen „Kannst Du nicht mal was anderes erzählen, als immer nur von der Arbeit“ oder „Schatz, ich hatte auch einen anstrengenden Tag…“.

Immer mehr Menschen holen sich in solchen Phasen auch professionelle Unterstützung bei einen Business Coach, der Menschen in beruflichen Kontexten begleitet.

Hier die Empfehlung für ein gutes Buch zum Thema:
Die ersten 100 Tage im neuen Job: Vom Start weg erfolgreich

Über den Autor

Ina

Ina ist Personalerin mit Leib und Seele und war von Juni 2012 bis Mai 2015 unsere Frau an der “Front”. Sie hat bereits in der Personalentwicklung, als Headhunter und als Personalleiterin gearbeitet. Heute ist sie auch in Sachen systemische Beratung unterwegs, coacht und begleitet Fach- und Führungskräfte. Ina hat viel erlebt, was im Personalwesen passieren kann und ist gespannt auf das, was sie noch nicht erlebt hat. Über ihre Erfahrungen berichtete sie auch hier auf dem Bewerberblog.

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