(Neue) Arbeitswelt

Handlungs-Orientierung

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Geschrieben von Ulrike

Andere sagen auch Hands-on-Mentalität…

…wir aber eher nicht. Floskelhafte Anglizismen in Stellenausschreibungen sorgen bei uns im Büro regelmäßig für große Belustigung. Was eigentlich dahinter steckt, müssen wir uns dann meist selbst erstmal herleiten – bzw. „ergoogeln“. Für viele Jobs wird beispielsweise eine zupackende Art, an Aufgaben heran zu gehen, gefordert, die man statt mit „Hands-on-Mentalität“ auch durch das psychologische Konstrukt der Handlungsorientierung beschreiben könnte. Dieses kenne ich aus meinem Studium noch gut und da es sowohl für den Umgang mit persönlichen als auch beruflichen Herausforderungen eine Rolle spielt, möchte ich es heute kurz vorstellen.

Bereits 1981 von Julius Kuhl eingeführt, soll Handlungsorientierung darüber Auskunft geben, ob eine Person auch unter schwierigen Umständen handlungsfähig ist bzw. bleibt. Einer ausgeprägten Handlungsorientierung steht nach Kuhls Theorie die Lageorientierung gegenüber, welche Personen kennzeichnet, die in stressreichen Situationen zunächst eine Weile Nachdenken und Zögern, bevor sie aktiv werden. Ob eine Person eher handlungs- oder eher lageorientiert reagiert, hängt auch von der jeweiligen Situation ab. Entsprechend hat Kuhl drei Facetten der Handlungskontrolle herausgearbeitet.

Facetten von Handlungsorientierung

 

1. Prospektive Handlungsorientierung

Vor Beginn einer Handlung setzt die Facette der „prospektiven Handlungs- bzw. Lageorientierung“ an. Sie gibt an, ob in der Planungsphase einer Aktion, wenn zum Beispiel eine Präsentation ausgearbeitet oder eine Projektarbeit geschrieben werden soll, Entschlossenheit und Initiative (eher handlungsorientiert) oder Entscheidungsschwierigkeiten und Zögern (eher lageorientiert) überwiegen.

2. Handlungsorientierung während einer Tätigkeit

Während der Ausführung einer Handlung greift die Facette „Handlungs- bzw. Lageorientierung bei Tätigkeitsausführung“. Sie zeigt an, ob die Person an einer bereits begonnenen Handlung „dranbleiben“ und darin aufgehen kann (eher handlungsorientiert) oder ob sie sich leicht ablenken lässt und von Aufgabe zu Aufgabe springt (eher lageorientiert).

3. Handlungsorientierung nach einem Misserfolg

Nach einer Handlung greift die Facette „Handlungs- bzw. Lageorientierung nach Misserfolg“. Dabei geht es vor allem um Situationen, die als Misserfolg erlebt werden, wie zum Beispiel eine schlechte Prüfungsleistung oder das Verlieren eines wichtigen Gegenstandes. Die Facette gibt Auskunft darüber, ob sich die Person von negativen Gedanken lösen und wieder aktiv werden kann (eher handlungsorientiert) oder ob sie mit Grübeleien über die vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Lage beschäftigt bleibt (eher lageorientiert).

Die Ausprägung der Handlungsorientierung in diesen drei Facetten lässt sich durch einen eigens von Julius Kuhl konzipierten Fragebogen erfassen. Die Mechanismen, welche der Handlungsorientierung zu Grunde liegen, sind sehr komplex und dadurch zum größten Teil unbewusst. Deshalb erfragt der Test nur die Auswirkungen der Handlungsorientierung auf das eigene Verhalten und die eigenen Gefühle, die man bei sich selbst beobachten kann. Wenn mir zum Beispiel etwas sehr Wichtiges nicht gelungen ist, denke ich anschließend noch lange darüber nach (eher lageorientiert) oder kann ich mich schnell wieder auf etwas Anderes konzentrieren (eher handlungsorientiert)?

Was bedeutet das für den Arbeitsalltag?

Die Vorteile einer eher handlungsorientierten Herangehensweise liegen sicherlich nicht nur für potenzielle Arbeitgeber, sondern auch für jeden Einzelnen auf der Hand. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass die meisten Menschen nicht immer und ausschließlich nur handlungsorientiert oder nur lageorientiert reagieren, sondern sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen einordnen lassen. Fast jeder reagiert mal lageorientiert und auch darin liegen gewisse Vorteile. Kuhl und seine Kollegen haben außerdem herausgefunden, dass Handlungsorientierung sich sogar trainieren lässt!

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr euch jetzt vielleicht mehr unter einer Hands-on-Mentalität vorstellen könnt und euch beim Bewerben davon nicht (mehr) abschrecken lasst 🙂

Über den Autor

Ulrike

Ulrike „wagte“ Anfang 2015 nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben zu uns und unterstützt uns seitdem als studierte Psychologin im Recruiting. Sie steht nun auf der anderen Seite im Bewerbungsprozess und berichtet über den Perspektivenwechsel, ihre Erfahrungen und andere interessante Themen - natürlich nicht, ohne uns ab und zu einen kleinen Einblick in die Psyche des Menschen zu gewähren.

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