Bewerbung & Interview

Wie formuliere ich mein Anschreiben?

Wie formuliere ich mein Anschreiben für eine Bewerbung?

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bewerbe mich hiermit bei Ihnen um die ausgeschriebene Stelle als Einzelhandelskaufrau. …
Sehr vielen Bewerbern erscheint der Eingangssatz des Anschreibens am banalsten. Dementsprechend lieblos ist er auch oft gestaltet. Doch bricht wohl nichts im Anschreiben mehr Bewerbern das Karriere-Genick, denn ein Personaler liest ein solches Anschreiben, bleibt schon an der Anrede hängen und wirft die Bewerbung ohne großes Federlesen in den Papierkorb. Was genau kann man denn nun mit diesen wenigen Worten schon falsch machen?

Zunächst: Herr Maier-Schmidt, der Personaler des Unternehmnens XY hat sich die Mühe gemacht, seinen Namen im Stellenangebot zu hinterlassen. Und er freut sich über jeden, der das Angebot liest und den Job gern haben will. Wer den Namen dann übersieht und das Anschreiben unpersönlich an die sehr geehrten Damen und Herren sendet, macht nicht den interessiertesten Eindruck.  Wer sich nicht die Mühe macht, den konkreten Ansprechpartner zu nennen, der hat entweder das Jobangebot nicht aufmerksam genug gelesen und er ist deshalb nicht mehr in der Liste relevanter Bewerber, oder aber es dem Bewerber egal und er ist deshalb nicht mehr in der Liste relevanter Bewerber. Denn auch wenn der Name nicht genannt ist: Meist wird erwartet, dass man sich als Bewerber via Internet oder Telefon erkundigt und das Anschreiben entsprechend persönlich gestaltet.

Was in ein Anschreiben für einen Job gehört

Das konkrete Jobangebot sollte ebenfalls benannt werden und zwar mit Fundstelle des Angebots, Referenznummer und genauer Jobbezeichnung, denn Stellenangebote werden meist großflächig ausgeschrieben. Es interessiert die meisten Personaler, wo genau man die Stellenausschreibung gefunden hat, immerhin können so einzelne Stellenbörsen, Print-Medien usw. in ihrer Tauglichkeit evaluiert werden. Sind mehrer Stellen ausgeschrieben, ist es unabdingbar, anhand der Referenznummer nach zu vollziehen, um welche Stelle genau sich jemand bewirbt.

Wer eher Anschreiben kreativer Natur bevorzugt und den ersten Satz nicht mit Formalien vollstopfen will, der sollte diese Angaben in den Betreff setzen. In der Regel ist es immer ratsam von der Norm abzuweichen, gerade wenn man dazu animieren will, das eigene Anschreiben über den ersten Satz hinaus zu lesen. Mit etwas ausgefalleneren, persönlicheren oder sogar leicht humoristisch angehauchten Formulierungen kann man seine Persönlichkeit bereits von Beginn an unterstreichen, Neugierde wecken und bleibt im Gedächtnis. Das insgesamt erhöht die Chancen, im Auswahlverfahren zumindest eine Stufe weiter zu kommen.

Das Anschreiben ist das eigentliche Herzstück der Bewerbung, in dem man sich persönlich vorstellt und mit welchem man dem eigenen Lebenslauf auch tatsächliches Leben einhaucht. Erworbene Qualifikationen sind in Listenform ganz übersichtlich erfassen, aber wer ist der Mensch hinter den Zeugnissen? Genau darüber erlaubt ein Anschreiben Einblick und genau deshalb wiegen Fehler im Anschreiben meist auch schwer.

Dass man sein Studium erfolgreich absolviert hat, geht eindeutig aus dem Zeugnis hervor. Was nicht daraus hervor geht, ist, wo man Schwerpunkte gesetzt hat und warum. Passt man auf ein Stellenangebot gerade deshalb bestens, weil man sich im Studium oder Praktikum darauf spezialisiert hat, dann sollte man ausführlicher im Anschreiben darauf eingehen. Die eigene Kompetenzen verblassen sonst hinter einem farblosen und wenig aussagekräftigen Zeugnis und dem Lebenslauf.

Formulierung der Motivation für den neuen Job

Ebenso sollte man die Motivation darlegen, warum genau man einen Beruf erlernt hat oder eine Fachrichtung studiert hat. In der Regel brütet man vorher über einer solchen Entscheidung und entschließt sich zielgerichtet für eine berufliche Laufbahn. Schwieriger ist es da für Quereinsteiger, die sich umorientieren wollen. Da muss man hinter seiner Fehlentscheidung stehen und kann damit gute Gründe für einen Jobwechsel bieten. Die erlernten Qualifikationen und Kompetenzen, die in den Zeugnissen zu ersehen sind, haben dann jedoch oft nur indirekt oder marginal etwas mit dem angestrebten Job zu tun. Doch gerade hier hilft eine gute Argumentation im Anschreiben, um trotzdem oder gerade deswegen von sich zu überzeugen. Keine Ausbildung ist umsonst und Kulturtechniken wie „selbstständiges Erarbeiten fremder Themen“ usw. sind in jedem Job gern gesehen und sollten nicht unerwähnt bleiben.

Persönliche Anrede im Bewerbungsanschreiben

Eine persönliche Anrede und ausführlichere Worte darüber, warum man als Bewerber genau Dies und Jenes gern täte – damit steht das Anschreiben schon einmal gar nicht schlecht da. Nun will man als Bewerber auch im Gedächtnis bleiben und aus der Menge hervor stechen. Was leider in einigen Anschreiben auch etwas zu gut gelingt, wenn nämlich die Rechtschreibregeln etwas zu frei ausgelegt werden. Verunglimpfte Wörte, die man erst auf den zweiten Blick identifizieren kann, weil sie nahezu entstellt wurden, bleiben sicher im Gedächtnis und man macht mächtig von sich Reden. Aber das Ziel sollte ja eigentlich weniger humoresker Art sein.

Fehler im Bewerbungsanschreiben

Hier und da kann einem ein Rechtschreibfehler unterlaufen, das ist allzu menschlich. Deshalb sollte man als Bewerber immer mindestens einen Freund/Verwandten/Bekannten drüber lesen lassen. Nach mehreren Stunden des Brütens über Inhalt und Form der einzelnen Sätze wird beinahe Jeder betriebsblind und selbst auffällige Fehler übersieht man einfach. Da hilft ein frisches und völlig unbedarftes Auge.

Da fragt sich nun bestimmt der/die Eine oder Andere, warum man richtig schreiben können muss, wenn man doch beispielsweise als Drogerie-Fachverkäuferin praktisch damit nicht so glänzen muss? Selbst wenn es in vielen Berufen darauf nicht ankommt, ist es bei der Bewerbung einfach ein Zeichen von mangelndem Ehrgeiz und wenig Willen zum Job, beim Anschreiben zu schludern. Außerdem zeigt eine richtige Schreibweise von schwiergen Wörtern, dass man beispielsweise einen Duden benutzen kann. Der Bewerber weiß sich offenbar zu helfen, wenn es schwieriger wird. Und zu guter Letzt legt ein schön formuliertes und korrekt geschriebenes Anschreiben auch Zeugnis darüber ab, dass man sich gut artikulieren kann. Und das kann im Umgang mit Menschen, den man ja nun im Job auf die eine oder andere Weise fast immer hat, nie verkehrt sein.

Lebenslauf im Anschreiben

Hilfe, mein Lebenslauf! Und meine Zeugnisse…!!! Brüche, Fehlentscheidungen, häufige Wechsel, längere Auszeiten… Einige haben nun einmal nicht den klassischen geraden Berufs-und Lebensweg eingeschlagen, sondern sind quasi Zickzack gelaufen. Das sieht auf den ersten Blick bei der Bewerbung nicht besonders schön aus, umso wichtiger ist dann ein gut überlegtes Anschreiben, denn der Zickzack-Kurs muss automatisch ein schlechter Kurs gewesen sein!

Das Anschreiben dient dabei nicht als Rechtfertigungspamphlet, in dem steht, dass es das Leben nicht gut mit einem gemeint hat und man das Opfer vieler Unwägbarkeiten war. Vielmehr sollte man sachlich und ehrlich begründen, warum man zum Beispiel dreimal in kurzer Zeit das Unternehmen gewechselt hat. Sind menschliche Differenzen der Grund dafür, sollte man sich hier, wie übrigens auch im Bewerbungsgespräch, davor hüten, über Mitarbeiter und Vorgesetzte zu lamentieren. Es reicht eine Begründung wie: Man hat im Team nicht den richtigen Anschluss gefunden, konnte sich nicht mit der Firmenphilosophie identifizieren, der Aufgabenbereich hat vielleicht doch weniger gepasst, als ursprünglich angenommen und so weiter… Auf jeden Fall sollten Schuldzuweisungen unterbleiben!

Wer längere Auszeiten hinter sich hat, um zum Beispiel einen Angehörigen zu pflegen oder weil man ein Kind bekommen hat, der kann im Anschreiben diesen scheinbaren „Makel“ (der beim besten Willen keiner ist!) als besonders positiv hervor heben: Wer Kinder hat, der ist besonders gut im Zeitmanagement, wer Kranke pflegt, ist geduldig, hilfsbereit und verantwortungsbewusst. Im Falle einer Krankheit hilft nur Ehrlichkeit, die komplette Genesung ist nun einmal notwendig und braucht Zeit. Die neu erlangte Gesundheit und den enormen Elan für einen Job sollte man dann im Anschreiben herausstellen.

„Perfektion“ im Bewerbungsanschreiben

Am schwierigsten dürfte im Umgang mit dem nicht perfekten Lebenslauf dann vorallem sein, in aller Kürze zu erklären und das Positive klar zu formulieren. In Zweifelsfällen helfen wir da gern einmal über Kommentare weiter!

Ein nicht ganz so einfaches Thema beim Anschreiben sind die sogenannten Soft Skills. Immer wieder werden die guten Eigenschaften eines Bewerbers nur lieblos aneinander gereiht:

Ich bin kontaktfreudig, gut im Umgang mit Menschen und teamfähig.

Dieser Satz überzeugt Niemanden wirklich davon, dass ich die genannten Eigenschaften auch mitbringe. Im Gegenteil: Es wirkt aufgesetzt und aus dem Bewerbungsratgeber abgeschrieben. Viel eher muss ich als überzeugender Bewerber darlegen, was genau mich denn zum guten Umgang mit Menschen befähigt und wieso ich gut imTeam arbeiten kann.

Gut im Team ist man in der Regel dann, wenn man sich mit anderen gern austauscht über Ideen und Aufgaben nicht eigenbrödlerisch, sondern gemeinsam mit anderen Mitarbeitern und Kollegen löst. Mit Menschen geht man gut um, wenn man Einfühlungsvermögen besitzt und offen auf Andere zugeht. Es darf also ruhig ein klein wenig ausführlicher sein, wenn man seine Soft Skills beschreibt.

Softskills in der Bewerbung

Was genau Softkills nun sind, darüber lässt ein bisschen streiten. In der Regel meint man damit Kompetenzen, die nicht auf rein berufliche Qualifikationen sind, aber trotzdem von großer Bedeutung für den Job sind: Selbstständigkeit, Flexibilität, Kommunikationsfreudigkeit und -Kompetenz, Charakterstärken wie Geduld, Ausdauer und Optimismus, Teamwork, Pünktlichkeit…

All das lässt sich in diese Kategorie einordnen und man sollte im Anschreiben mindestens zwei bis drei davon unterbringen, um sich als Mensch zu beschreiben. Denn aus diesen Soft Skills geht noch am besten hervor, ob ich in das Unternehmen passe und wie ich als Person abseits meiner Abschlussnote bin.

Die allgemeine Theorie zum Anschreiben ist ja ganz schön und gut, ob Makel im Lebenslauf, Anrede oder Erläuterung zum Lebenslauf, doch welche konkreten Vorschläge gibt es für das Anschreiben, vor allem für den schwierigen Einstieg? Pauschal lässt sich schon einmal sagen: Es muss zum Bewerber und zum Job passen! Ein flippiger Einstieg, der Aufmerksamkeit erregt, ist in kreativen Jobs eine gute Möglichkeit, um sich zu präsentieren. Ob man damit in anderen Branchen Punkte sammelt, ist fraglich. Entspricht es gar nicht dem eigenen Typ, fühlt sich der Personaler im Gespräch, in dem man deutlich zurückhaltender ist, vielleicht verschaukelt. Immerhin geht er mit eienr gewissen Erwartungshaltung an den Menschen heran, von dem er nur einen ersten Eindruck durch das Anchreiben erhaschen konnte.

Beispiele für ein Anschreiben

Sehr geehrte Herr Schmidt,

aus Ihrer Stellenanzeige geht hervor: Sie suchen einen Menschen wie mich! Kompetenz und Erfahrung im Bereich Online-Marketing, ein freundliches und aufgeschlossenes Wesen, Flexibilität und Selbstständigkeit sind genau die Eigenschaften, die mich auszeichnen.

Eine solche Präsentation ist sicher nicht Jedermans Ding (und meins übrigens auch nicht), dennoch erweckt es bei nahezu Jedem Neugier auf den Menschen und ob er wohl hält, was er mit diesem Anschreiben verspricht. Es geht auch zurückhaltender und trotzdem nicht langweilig:

Sehr geehrter Herr Schmidt,

Sie suchen ab sofort eine Softwaretesterin. Als solche würde ich mich Ihnen gern zur Verfügung stellen/bei Ihnen bewerben. Aus Ihrer Stellenbeschreibung geht hervor, dass Sie viel Wert auf diese und jene Eigenschaften und Kompetenzen legen. Folgene Qualifikationen bringe ich mit und passe damit genau in das von Ihnen gwünschte Profil.

Das klingt auf jeden Fall zurückhaltender und sachlicher, aber es hebt sich deutlich ab vom Standardeinstieg á la „hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen als Softwaretesterin.“ Zum Abschluss auf jeden Fall noch einmal prüfen, ob man im Betreff genau auf die Stelle verweist, wenn dies aus dem Anschreiben nicht hervor geht. Denn viele nennen die genaue Stelle eben normalerweise genau in diesen ersten Zeilen, die hier etwas aus der Masse heraustreten sollen.

Der Ton macht die Musik, das trifft auch auf das geschriebene Wort zu. Manche Anschreiben „klingen“ einfach negativ und pessimistisch, auch wenn man inhaltlich Nichts bemängeln kann. Das ist wohl eines der schwierigsten Unterfangen: Woran merke ich, welche Wirkung mein Anschreiben zwischen den Zeilen vermittelt?

Ein paar einfache Regeln helfen da schon weiter: Keine oder nur sehr rar gesäte Passiv-Konstruktionen verwenden. „Müssen“,“leider“, „bedauerlicherweise“ et cetera sollten sehr bedacht und im Zweifelsfall nicht verwendet werden, denn sie klingen irgendwie immer nach Hiobs-Botschaft, Weltuntergang und Dramatik, es sei denn der extrem positive Kontext hebt die Wirkung auf.

Leider musste ich mein Studium abbrechen und musste eine Aushilfstätigkeit in einem Copy Shop annehmen.

„Leider“ ist eines der Wörter, das einem sehr häufig im Anschreiben  begegnet, wenn etwas schief gelaufen ist. Allerdings klingen Sätze, die mit „leider“ beginnen auch irgendwie alle gleich und lassen sofort vermuten: „Oh oh, da hat was gar nicht hingehauen!“ Wie wäre es stattdessen mit:

Mein Studium habe ich nach dem 6. Fachsemester ohne Abschluss beendet, weil … Stattdessen habe ich eine Tätigkeit im Bereich/im Unternehmen/… aufgenommen. Mein Aufgabenbereich umfasste…

Ist von der Sache her dasselbe, klingt aber völlig anders! Gleiches trifft von der Wirkung auf den Abschlusssatz zu:

Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.

Ihr würdet Euch nicht „über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freuen“, sondern Ihr fändet es total super, wenn Ihr Euch vorstellen könntet und erzählen könntet von Euch und dem was Ihr gemacht habt und vorweisen könnt. Und genau so sollte es klingen. Wie wäre es mit:

„Ich möchte mich Ihnen sehr gern persönlich vorstellen und freue mich daher sehr auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.“

„Ich freue mich schon sehr darauf, Ihnen in einem persönlichen Gespräch einen Eindruck von mir und meinen Kompetenzen und Fähigkeiten zu vermitteln.“

Tatendrang pur! Das klingt viel selbstbewusster und aktiver, nicht passiv und abwartend. Und damit sollte es das auch erst einmal damit gewesen sein mit dem Thema Anschreiben. Bei Fragen dürft Ihr gern ungehemmt mailen oder kommentieren. Wir werden es garantiert aufgreifen!

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2 Kommentare

  • Interessanterweise sehen das nicht alle Personaler so, daß sie gerne persönlich angesprochen werden wollen – bin jetzt in kurzer Zeit schon über die zweite Stellenausschreibung gestolpert, wo weder ein Ansprechpartner noch eine Telefonnumer genannt wird (und ich hab gesucht und mich geärgert). Nur „bewerbung@“ als email bzw. Link zum elektronischen System und Postanschrift (auch ohne Namen).
    Also keine Chance eine persönliche Anrede zu setzen. Es sei denn man will über die Telefonzentrale hinterherrecherchieren. 8-(
    Ach ja, und eines der Unternehmen hatte >10000 Angestellte. Von wegen nur Klitschen.

    An die „Telefonnummer für Rückfragen angegeben ohne Kontaktnamen“ Ausschreibungen hingegen hab ich mich fast schon gewöhnt. Die telefonieren und beantworten halt gerne Alibifragen zur Ausschreibung. 8-;

    Die „Faux-Pas“ beschränken sich offenkundig nicht nur auf die Bewerberseite….

    P.S.: Ein Kollege von mir hat auch schon mal ein Bewerbungsgespräch in ner Hotellobby erlebt. Und ja, die wollten seriös wirken. 8-;

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