Ratatouille

Rückkehrer nach Ostdeutschland

Berufsleben, Quelle: Alexas Fotos/pixabay.com
Geschrieben von Angelika

Laut Untersuchungen zieht es die Ostdeutschen, die nach 1990 in den Westen zogen, zu drei Vierteln wieder in den Osten zurück. Ich war eine von den ca. 40.000 jährlich, die den Sprung zurück gewagt hat. Nach knapp 10 Jahren München, überzeugte ich meinen Schwaben-Mann von einem Umzug in das (landschaftlich) grüne, familienfreundliche, liberale  Jena. Anfangs pendelte ich noch nach München für vier Tage pro Woche, während mein Mann nach Niederbayern fuhr. Natürlich war das nur eine Übergangssituation, heute haben wir im Osten unseren festen Wohnsitz und Arbeit gefunden. Doch warum tut man sich den Wechsel an?

Während die meisten Abwanderer von „harten“ Faktoren im Westen wie

  • ein höheres Gehalt
  • Karrierechancen oder
  • überhaupt einer Jobmöglichkeit

angelockt worden sind, sind es für den Großteil der Rückkehrer oft „weiche“ Faktoren wie

  • Familie
  • Freunde
  • Heimatverbundenheit
  • Großeltern für die Enkel in der Nähe
  • Kita-Plätze
  • günstigere Möglichkeiten, ein Zuhause zu mieten oder zu kaufen,

die zu einem Schritt gen Osten führen.

Zum Klassentreffen vor 5 Jahren waren mehr als die Hälfte meiner ehemaligen Klassenkameraden in den Westen gezogen, viele würden, wenn sie denn könnten, gern wieder zurückkommen, meinten sie damals. Oftmals sind es die Lebensumstände, die Sesshaftigkeit, die dies erschweren oder westdeutsche Lebenspartner, die sich einen Umzug nicht wirklich vorstellen können. Die Hürden sind aber meistens gar nicht so hoch, wie viele immer glauben mögen.

Und wer meint, dass Rückkehrer im Westen unglücklich waren, der irrt. Über 81,2 % fühlten sich von der Gastregion gut aufgenommen laut einem Artikel der ZEIT.

Knapp jeder 10. Rückkehrer macht sich außerdem nach seiner Rückkehr selbständig, das ist ein auffallend hoher Wert.

Wer zurück kommt und sich anstellen lässt, muss mit teils kräftigen Gehaltseinbußen rechnen. Hatte ich nach 8 Jahren Berufserfahrung in München um die 2.700 EUR netto am Monatsende, von denen ich mein Leben gut bestreiten konnte, waren es anfangs in Jena knapp 1.000 EUR, die nach einem Vollzeit-Arbeitsmonat auf meinem Konto ankamen. Dieser Tatsache sind sich jedoch die meisten bewußt, wenn sie nach Stellen im Osten Ausschau halten. Bei einer Befragung des Leibniz-Institutes gab mehr als die Hälfte der Teilnehmer an, ein geringeres Gehalt oder einen anderen Beruf zu akzeptieren, falls es im Gegenzug mit der Rückkehr klappt.

Rückblickend freue ich mich darüber, damals nach München gegangen zu sein – Großstadtleben, internationale Kollegen, professionelles Arbeiten in einem jungen Team  und selbstverständlich ausreichend Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen, das alles war eine gute Erfahrung.

Jetzt, wo ich eine eigene Familie habe, bin ich froh, wieder „zu Hause“ zu sein.

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

1 Kommentar

  • Wow … ich glaube für viele kommt ein Wechsel bei derartigen Einkommenseinbußen wie in deinem genannten Beispiel von vornherein nicht in Frage. Zumal die „preiswerteren / günstigeren“ Wohnungen auf Jena kaum zutreffen.

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