(Neue) Arbeitswelt

Auslandserfahrung, ich kriege dich! Heute: Auslandssemester

Ungebrochen zählen die deutschen Studenten zu den reisewilligsten weltweit. Im Zeitraum von 2000 bis 2008 verdoppelte sich deren Anzahl sogar – weltweit sind nur Studenten aus China, Indien und Südkorea stärker an ausländischen Unis vertreten. Kein Wunder, denn Auslandserfahrung zählt zu den wichtigsten Qualifikationen für Hochschulabsolventen, die mit einem Job in einem international tätigen Unternehmen liebäugeln. Doch was gibt es bei der Organisation und Finanzierung eines Auslandssemesters während der Studienzeit eigentlich alles zu beachten?

Auslandssemester: Die Qual der Wahl

Zumindest bei deutschen Studenten sind die beliebtesten Ziele für ein Auslandssemester schnell ausgemacht: Spanien, Frankreich und Großbritannien zählen zu den Top3. Die jeweilige Landessprache zählt zu den meist erlernten Fremdsprachen in Deutschland, insofern ist diese Erkenntnis nicht überraschend. Aber Sonne, Strand und Meer sind sicher weitere Argumente die zumindest die Wahl für Spanien und Frankreich zusätzlich erleichtern. Je beliebter ein Austauschziel aber ist, desto größer ist die Konkurrenz um einen Platz an einer Gastuni im Wunschland. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht immer Südeuropa oder die UK sein müssen. Andere Länder haben auch schöne Unis! 😉
Wie wäre es also mal mit einem etwas ausgefallenerem Ziel? Ich bin vor einiger Zeit für ein halbes Jahr in Antwerpen gewesen und im Vorfeld musste ich mich regelmäßig rechtfertigen, warum es denn Belgien sein müsste, was ja angeblich nicht viel anders zu Deutschland wäre. Eine recht leichtfertige Vermutung, wie ich schnell festgestellt habe. Vom ersten Tag an war ich von der anderen Mentalität der Belgier beeindruckt, die doch häufig sehr viel gelassener erscheint. Wenn man an der meterlangen Kasse im Supermarkt steht und die Kassiererin trotz dessen völlig unbeeindruckt an ihr Handy geht um stattdessen ausführliche Privatgespräche zu führen, dann staunt man als Deutscher nicht schlecht. Neben wertvollen kulturellen Eindrücken hatte ich in Antwerpen die Möglichkeit an einem komplett englischsprachigen Lehrprogramm einer teuren Privatuni teilzunehmen. Parallel habe ich in Intensivsprachkursen Niederländisch gelernt – für deutsche Muttersprachler absolut empfehlenswert! Schneller lernt man als Deutscher wohl keine andere Fremdsprache, noch dazu mit so viel Spaß dabei. Hier eine kleine Kostprobe:

  • Pass op! = Achtung!/ Pass auf!
  • snelheid = Geschwindigkeit
  • Jammer! = Schade!
  • zakdoek = Taschentuch

Bei der Bewerbung für ein Auslandssemester gibt es grundsätzlich zwei Wege. Entweder vertraut man sich einer Organisation an – hier ist das ERASMUS-Programm der Europäischen Union am bekanntesten – die alles Administrative übernimmt und im besten Fall sogar sämtliche Studiengebühren an der Gastuni zahlt. Nachteil ist jedoch immer, dass man sich nur auf Studienplätze von Unis bewerben kann, die die Organisation auch tatsächlich im Angebot hat. Informationen zu sämtlichen Austauschprogrammen hat das Akademische Auslandsamt eurer jeweiligen Uni bzw. FH parat. Alternativ nimmt man den Mehraufwand der kompletten Selbstorganisation in Kauf und kann sich dafür aber bei der eigenen Wunschuni im Wunschland direkt bewerben.

Ganz egal für welchen Weg ihr euch entscheidet, auf einige Punkte solltet ihr bei der Auswahl eurer ausländischen Gastuniversität achten:

  • In welchen Sprachen werden die Vorlesungen während eures Auslandssemesters angeboten? Reichen eure Sprachkenntnisse nicht nur für die Alltagskommunikation, sondern auch auf fachlicher Ebene aus?
  • Wie hoch sind die monatlichen Lebenshaltungskosten während eures Auslandssemesters? Wie ist beispielsweise die Wohnungslage? Knapp und vollkommen überteuert oder ausreichend vorhanden? Sind eure monatlichen Kosten mit eurer geplanten Finanzierung weitgehend abgedeckt?
  • Wie wichtig ist es euch, dass die ausländischen Studienleistungen auch in Deutschland anerkannt werden? Häufig ist das von Einzelfallentscheidungen eurer Professoren in Deutschland abhängig, so dass ihr euch auch schon vor Beginn eures Auslandssemesters mit ihnen darüber unterhalten könnt, wovon sie eine Anerkennung abhängig machen. Eventuell erleichtert das euch die Wahl der richtigen Veranstaltungen im Ausland.

Auslandssemester: Ohne Moos nix los (Finanzierung)

Wie leider bei allen schönen Dingen im Leben, sie kosten Geld. Aber zumindest für ein Auslandssemester gibt es einige Finanzierungsmöglichkeiten:

  • Auslands-BAföG
  • Beantragung eines Bildungskredits
  • eigene Ersparnisse und finanzielle Unterstützung durch die Familie
  • ein Stipendium, bspw. über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Wer gern in die USA möchte, kann sich an die Fulbright-Kommission wenden. Und als Stipendiat eines Begabtenförderungswerks gibt es meistens Sonderstipendien für einen Auslandsaufenthalt.

Seid ihr denn bereits während eurer Studienzeit im Ausland gewesen oder plant ihr dies? Habt ihr Tipps oder besondere Erfahrungen gemacht, die ihr hier teilen wollt?

Hier gibts weitere Infos:

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3 Kommentare

  • Schade ist, dass ein Auslandssemester heutzutage nicht mehr als besondere Qualifikation angesehen wird sondern als Ausscheidungskriterium, wenn es nicht vorhanden ist. Es sollte bessere Unterstützung geben für finanziell schlechter gestellte Studenten.

  • Bei der Finanzierung darf man die Beiträge für die Auslandskrankenversicherung nicht vergessen!! Da läppert sich auch ganz schön was zusammen. (Hier ist ein guter Überblick über die verschiedenen Anbieter, was sie konkret versichern und wie viel es kostet: http://www.uniturm.de/magazin/ausland/auslandskrankenversicherungen-fuer-studenten-im-vergleich-1542). Zumal eine Haftpflicht auch gut wäre. In der Summe mit allen anderen Kosten wird es dann ganz schön teuer. Oder man vermietet sein WG-Zimmer richtig teuer unter. 😉

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