Bewerbung & Interview

Anonyme Bewerbung: Deutsches TV kann auch intelligent!

Deutsche Comedians sind speziell, wenn ihr mich fragt. Manche finde ich überhaupt nicht komisch, andere schaffen es mir ein gelegentliches Grinsen zu entlocken. Vor einigen Tagen habe ich aber glücklicherweise wieder feststellen dürfen, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Anlass war ein kurzer Sketch zum Thema anonyme Bewerbung, der mich wirklich zum Lachen gebracht hat.

In dieser Szene ist eine adrett gekleidete, hübsche und junge Frau an einem Schreibtisch zu sehen. Ihr gegenüber sitzt eine zweite, etwas ältere Dame, die als Beraterin Hinweise zu den Bewerbungsunterlagen der Kandidatin gibt. Die Bewerberin kann aus Personalersicht eigentlich einen ganz passablen Lebenslauf vorweisen, doch aufgrund der Gefahr im Bewerbungsprozess diskriminiert zu werden, erhält sie einige Ratschläge um ihre Chancen auf eine erfolgreiche Bewerbung zu erhöhen:

Um keine Rückschlüsse auf das Alter geben zu können, soll sie als erstes ihren Geburtstag herausnehmen. Sie wäre zwar noch recht jung, aber sicher ist sicher. Auch auf das Bewerbungsfoto sollte die Bewerberin verzichten, denn dann erkennt der Mitarbeiter aus der Personalabteilung dass sie attraktiv und blond ist, und das steht ja bekanntlich im Widerspruch zur Intelligenz. Das abgeschlossene Jurastudium mit Prädikat sollte die Kandidatin als Vorsichtsmaßnahme besser auch entfernen. Kann der zuständige Personaler nämlich selbst nicht mit so einem glänzenden Abschluss überzeugen, könnte das Neid hervorrufen der sich ebenfalls negativ auswirkt. Irritiert fragt die Bewerberin, was mit ihrem Praktikum in der Entwicklungshilfe sei, das würde ja soziales Engagement widerspiegeln. Sie bekommt ein „Und was ist, wenn der Personaler Rassist ist? Der findet das nicht gut, wenn sie sich um kleine afrikanische Kinder kümmern“ entgegnet. Und die handschriftliche Unterschrift am Ende des Lebenslaufs? Auch die besser weglassen, denn anhand der Handschrift kann die ganze Persönlichkeit analysiert werden.

Sichtlich verwirrt stellt die Bewerberin fest, dass von ihrem Lebenslauf ja dann gar nichts mehr übrig wäre. Die Beraterin nickt zufrieden und bemerkt, dass sie mit einem leeren Blatt alles richtig machen würde.

Diese Szene war für den Moment nicht nur witzig, sondern eben auch intelligent. Das Thema anonyme Bewerbung wird in dem Sketch besonders ernst genommen und zeigt auf, wie weit man bei der Anonymisierung der Bewerbungsunterlagen mit entsprechender Konsequenz gehen kann.

Ganz rational betrachtet ist es natürlich immer noch traurig, dass Bewerber aufgrund ihres Alters, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder Aussehens in Bewerbungsprozessen nachteilig behandelt werden. Da ist es gut nachvollziehbar, dass man sich selbst irgendwann die Frage stellt, wie ernst die anonyme Bewerbung und die Anonymisierung der eigenen Bewerbungsunterlagen tatsächlich genommen werden sollte. In Deutschland wird die anonyme Bewerbung meines Wissens nach nur vereinzelt praktiziert, zumindest von Seiten der Unternehmen. Und wie sieht es bei den Bewerbern aus? Habt ihr bereits eine anonyme Bewerbung geschrieben, welche Daten vernachlässigt ihr dabei, und wie viel Erfolg hattet ihr letztendlich?

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