(Neue) Arbeitswelt

Zu hoch gepokert?

Gehaltsvorstellungen, Quelle: Andreas Hermsdorf/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Das Problem mit dem Gehaltswunsch

Gehaltswunsch ist schon eine etwas schwierige Bezeichnung. Wünschen kann man sich grundsätzlich ja erst einmal viel. Und gerade beim Gehalt gehen Wunsch und Realität ja zumeist sehr weit auseinander – nach oben hat man da eine Menge Spielraum. 🙂

Aber mal zurück zum Thema. Das Gehalt und die Angabe dessen ist schon immer eine etwas heikle Geschichte. Ist es nicht defnitiv in der Stellenausschreibung gefordert, geben es die aller wenigsten Bewerber an. Auf Rückfragen am Telefon, per Mail oder im persönlichen Gespräch kommen die Antworten dann eher zögerlich. Schließlich will man als Bewerber ja nicht gleich durch eine zu hohe (oder vielleicht zu niedrige) Angabe aus dem Rennen fallen. Das ist auch vollkommen verständlich.

Dass man sich als Bewerber an Gehaltsstudien orientieren kann, haben wir auch schon ausführlich geklärt, allerdings stellt sich doch immer die Frage, wie aussagekräftig solche Studien sind? Dani berichtet jählich über die Gehaltsstudie von Alma Mater, auch andere Vereinigungen gibt es, die sich dieses Themas annehmen. Aber wer stellt denn die Gehaltsangaben zur Verfügung? Das Unternehmen oder die Angestellten? Welche Unternehmen machen überhaupt mit? Liefern die Unternehmen die Zahlen kann man leicht unterstellen, dass die Angaben beschönigt sein können, denn ein Unternehmen will sicher nicht in schlechtem Licht dastehen und offen zugeben, dass manche Löhne sehr niedrig sind. Wir haben schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass die Gehaltsangaben in derartigen Veröffentlichungen weit über dem liegen, was (hier in Thüringen) normalerweise bezahlt wird.

Doch was ist, wenn man einen Job ausübt, den es als solchen in keiner Gehaltsstudie gibt? Den man in beispielsweise Frankfurt, München oder im Ausland ausübt und nun eine ähnliche Position in der Heimat sucht? Wie sollte man sich da verhalten? Als Bewerber wird man immer Verhandlungsbereitschaft angeben, hat man aber schon mit der ersten Zahl der hoch gepokert, überlegt sich das Unternehmen ja zweimal, ob und wie weit man die Vorstellungen des Kandidaten mit den Gegebenheiten der Firma angepasst bekommt. Klar weiß auch der Bewerber in solchen Fällen, wie viel seine Arbeit wert ist und was er zum Leben braucht (er hat ja Erfahrung und ist nicht in der brenulicheren Situation eines Berufseinsteigers). Aber es gibt sicher immer irgendwelche Kleinigkeiten, die man noch nicht zu 100% beherrscht, aus denen ein sehr verhandlungsfähiger Geschäftsführer etwas drehen kann. Das sollte natürlich nicht sein und ich will hier auch niemanden verteufeln, aber das sind solche Dinge, die einem dann durch den Kopf schießen.

Ich habe kein Patentrezept, wie man in solchen Situationen am Besten vorgeht. Es hilft aber, sich wirklich gut zu überlegen, wo die eigene persönliche Schmerzgrenze ist und  sich dann so gut verkaufen, dass das gewünschte Gehalt eigentlich nur abgenickt wird. Aber ich weiß, das ist auch nicht so leicht. Was habt Ihr denn für Erfahrungen gemacht? Welche Tipps könnt Ihr geben?

 

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2 Kommentare

  • Das Problem ist doch eigentlich, dass es zwar so schön Gehaltsverhandlungen heißt, jedoch nur äußerst selten zu einer Verhandlung kommt. Wie viel die Unternehmen zahlen würden, wird nur selten angesprochen (maximal wenn es ordentlich zahlt und wirklich Leute braucht). Der Bewerber ist hier immer in der Bringschuld „na nun sagen sie mal eine Zahl“. Ist die niedrig, wird zugegriffen und vielleicht noch versucht einen Funken zu drücken, ist sie zu hoch, heißt es gleich bye bye ohne großen Kommentar.
    Gehaltsverhandlung wäre bspw., wenn sich beide vorher Gedanken machen, wie das Gehalt aussehen soll. Dann bspw. im Bewerbungsgespräch schreiben sie diese Zahl verdeckt auf je einen Zettel und drehen diese dann gemeinsam um. Danach wird darüber geredet, diskutiert, verhandelt (weniger Verantwortung, Risiko, Überstundenregelung) und optimalerweise trifft man sich irgendwo in der Mitte. So ein Verfahren macht aber kein Unternehmen mit, weil es da nicht mehr im Vorteil wäre.

  • Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll, wenn der Gesetzgeber festlegen würde, dass in jeder Stellenaus-schreibung das Mindestgehalt genannt werden muss! So könnten mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden:

    1) Es heisst immer, Zeit ist Geld! Auf Seiten der AG und der Bewerber könnte einiger Arbeitsaufwand gespart
    werden, wenn das Gehalt von Anfang an so gut wie bekannt ist. So weis jeder im Vorfeld, ob das Geld
    ausreichend ist oder nicht.
    2) Unterschiedliche Bezahlung trotz gleicher Arbeit, sei es aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Alter, etc, würde
    es in diesem Ausmaß nicht mehr geben.
    3) Lohndumping kann, wie von allen Mitgliedern der WTO offiziell beabsichtigt, eingegrenzt werden.
    4) Trotzdem kann das Gehalt nach oben hin weiter variieren, um so evtl Zusatzqualifikationen, Berufserfahrung,
    etc Rechnung zu tragen und Verhandlungsgeschick zu belohnen

    Ich denke, es gibt mittlerweile so viele unsinnige Vorschriften und Paragraphen, da kann ein vernünftiger nicht viel Schaden…

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