Bewerbung & Interview

Gehaltsvorstellung – Hilfestellung zur Ermittlung & Formulierung deines Marktwerts

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Geschrieben von Susan

Jeden unserer Bewerber frage ich nach der Gehaltsvorstellung. Dabei stelle ich fest, dass die meisten nur zögernd antworten und nahezu überrumpelt von dieser Frage wirken. Sicher “über Geld spricht man nicht”, jedoch solltest du im Bewerbungsprozess ganz klar kommunizieren und argumentieren können, was du dir gehaltlich vorstellst und worauf du diese Angabe stützt.

Die Frage nach dem Gehalt beantworten oder nicht?

Ist eine Stelle akut zu besetzen gibt es zwei wichtige Kriterien, welche gern als Ausschlusskriterium seitens der Unternehmen genutzt werden. Zum einen ist dies das frühestmögliche Einstiegsdatum und zum anderen der Gehaltswunsch.

Auch in den Stellenausschreibungen der TowerConsult bitten wir Bewerber explizit diese Informationen im Zuge ihrer Bewerbung anzugeben.

Wie man die Frage nach dem Gehalt beantwortet und damit der konkreten Informationsaufforderung nachkommt, wird im Netz und unter Personalberatern auf verschiedene Weise behandelt. Wie so oft hat man die Qual der Wahl. Eine eindeutige Empfehlung scheint es nicht zu geben. Die eine Fraktion tendiert dazu, nicht darauf einzugehen. Andere empfehlen die Frage mit der Angabe einer Gehaltsspanne zu beantworten und somit die konkrete Antwort zu umgehen. Weitere sehen die beste Möglichkeit darin, eine konkrete Zahl zu nennen. Zum Teil wird sogar empfohlen sich von seiner Gehaltsforderung nicht abbringen zu lassen, schließlich soll sich der Bewerbende nicht unter Wert verkaufen.

Fest steht: Wer nicht auf die Gehaltsfrage eingeht, wirft bereits ein erstes negatives Licht auf seine Bewerbung. Du bist nicht auf die ausdrückliche Aufforderung der Stellenanzeige deine Bewerbungsunterlagen unter Angabe deiner Gehaltsforderung zu übersenden eingegangen. Hast du dich etwa nicht ausreichend informiert? Gibt es einen Grund, weswegen du deine Gehaltsvorstellung absichtlich für dich behältst?

Möchtest du in deiner Bewerbung deine Gehaltsvorstellung nicht nennen, dann umgehe diese Thematik mit einer eleganten Formulierung und zeige, dass du die Aufforderung der Gehaltsangabe zur Kenntnis genommen hast.

„Gern erläutere ich Ihnen meine Gehaltsvorstellung in einem persönlichen Gespräch.“

Der Unterschied zwischen einer Bewerbung über uns, den Personalvermittlern und einer direkten Bewerbung bei deiner Wunschfirma: Wir, als Vermittler sortieren Kandidaten auf Grund fehlender Angaben nicht aus, sondern holen uns diese fehlenden Informationen nach Erhalt der Bewerbung aktiv ein.

Gehalts(s)panne versus Fixum

Das tückische an der Angabe einer Gehaltsspanne, ist die damit aufgezeigte obere und untere Grenze. Der Personaler, welcher die Stelle so kostengünstig wie möglich besetzen möchte, orientiert sich zumeist am unteren Ende der Spanne. Somit wird aus der angegebenen Gehaltsspanne ganz schnell eine Panne. Du als Bewerber orientierst dich eher an der oberen Grenze. Je nach Größe der Spanne sorgt dies in einer möglichen Verhandlung für eine nicht ausgleichbare Differenz.

Entscheidest du dich für die Angabe einer Gehaltsspanne, ist diese eher an deinem wahren Wunschgehalt anzusiedeln, als an deiner Schmerzgrenze.

„Meine Gehaltsvorstellungen liegen zwischen 46.500 und 49.700 Euro pro Jahr. In einem persönlichen Gespräch würde ich gern weitere Details besprechen.“

Ich persönlich empfehle die Angabe einer konkreten Zahl. Aber auch bei dieser Variante gibt es unter Experten verschiedene Ansätze. Die am häufigsten ausgesprochenen Empfehlungen zielen auf die Angabe von krummen statt glatten Zahlen.

Begründet wird dies mit einer rein psychologischen Wirkung. Eine krumme Zahl suggeriert, dass du dich ganz genau über deinen Marktwert informiert hast. Wobei ich der Meinung bin, dass man auch nach einer guten Recherche und Selbsteinschätzung durchaus eine glatte Zahl angeben kann. Hinzu kommt ein weiterer Effekt, welcher in der späteren Gehaltsverhandlung von taktischer Bedeutung ist. Bei einer krummen Zahl neigen die Verhandelnden eher dazu in Hunderterschritten zu verhandeln. Bei einer glatten Zahl bewegen sich die Verhandelnden zumeist in Tausenderschritten aufeinander zu.

Die explizite Angabe deiner Gehaltsforderung – eine wichtige Information für Personaler

Wie bereits angedeutet, wird das von Bewerbern gewünschte Gehalt sehr gern als Filterkriterium für die engere Kandidatenauswahl genutzt.

In den meisten Fällen steht für eine zu besetzende Position, ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Bewerber welche mit ihren Gehaltsvorstellungen den Budgetrahmen sprengen, werden aussortiert.

„Qualität hat seinen Preis”. Dies gilt auch für deine Arbeit. Ist dein Gehaltswunsch viel zu niedrig angesetzt, wirft dies wieder die Frage nach dem „Warum“ auf. Bist du etwa nicht gut genug? Auch ein Personaler muss effektiv arbeiten und wird seine Zeit lediglich für Kandidaten aufwenden, welche ein hohes Besetzungspotenzial mit sich bringen. Daher ist es für dich wichtig eine realistische Gehaltsvorstellung zu formulieren und deine gegebenenfalls bestehende Verhandlungsbereitschaft bereits in der Bewerbung zu signalisieren.

 „Ein Bruttojahresgehalt von 46.500 Euro entspricht meinen Vorstellungen.“

„Meine Gehaltsvorstellungen liegen im Bereich von 46.500 Euro pro Jahr.“ (signalisiert Verhandlungsbereitschaft)

 

Gehaltsvorstellung in der Bewerbung platzieren

Die Gehaltsvorstellung gehört üblicherweise ins Anschreiben und zwar ans Ende. Folgst du dem Trend und verzichtest auf das Anschreiben, verzichte nicht auf die Angabe deiner Gehaltsvorstellung. Beispielsweise kannst du diese im Lebenslauf aufnehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre, in deinem E-Mail Anschreiben darauf einzugehen. Immer öfter sehen wir die Angabe zum Gehaltswunsch formuliert als PS.

Dein Marktwert: realistische Gehaltsvorstellung & selbstbewusste Einschätzung

Die Äußerung des Gehaltswunsches ist eine Gratwanderung. Das Gehalt darf nicht zu hoch angesetzt werden und aus dem Budgetrahmen der angestrebten Position fallen. Unter Wert darfst du dich jedoch auch nicht verkaufen.

Eine realistische Einschätzung, der für den anvisierten Job üblichen Gehaltsspanne ist unabdingbar und verlangt eine gründliche Recherche. Wie hoch sind typischerweise die Gehälter in einer solchen Position? Hilfreich hierfür sind Gehaltstabellen, welche dir eine erste grobe Orientierung bieten.

Darüber hinaus ist das Einkommen von weiteren Faktoren abhängig. Die Beantwortung der folgenden Fragen hilft dir, dich mit den gegebenen Gehaltsstrukturen auseinanderzusetzen.

  • Wie groß ist das Unternehmen?
  • Wie lange besteht die Firma bereits?
  • Wie ist es aktuell um das Unternehmen bestellt (finanzielle Situation, aktuelle Auftragslage)?
  • Wie sehen die Gehaltsstrukturen an diesem Standort beziehungsweise in dieser Region aus?

Größere Unternehmen, welche sich am Markt etabliert haben und mit einer guten Auftragslage glänzen, müssen auch in strukturschwachen Gebieten für gute Kandidaten tiefer in die Tasche greifen. Ebenfalls beeinflussen die Nachfrage und das Angebot der angestrebten Position deinen Marktwert. Positionen, für welche es kaum qualifizierten Nachwuchs gibt, werden überdurchschnittlich bezahlt. Zu guter Letzt steht und fällt eine realistische Gehaltsvorstellung mit dir selbst.

  • Wie viele der in der Stellenbeschreibung geforderten Anforderungen erfüllst du wirklich?
  • Wie viel Erfahrung bringst du mit?
  • Schätzt du dich selber als Junior oder Senior ein?
  • Kannst du relevante Erfolge nachweisen?
  • Hast du dir bereits einen Namen in der Branche erarbeitet?
  • Kannst du mit anderen Qualifikationen oder Soft Skills über den gewünschten Anforderungen hinaus einen Mehrwert für das Unternehmen bieten?

Bist du am Ende immer noch unsicher, ob du mit deinem Gehaltswunsch im Rahmen liegst, hör dich um! Frage Bekannte, Kollegen, Kommilitonen, aber setze deren Antwort immer in den Kontext.

Fazit

Unabhängig davon für welches angepriesene Vorgehen du dich letzten Endes entscheidest, bedenke: Auch beim Thema Gehalt geht es um ein zukünftiges Miteinander! Diplomatisches Vorgehen ist daher in jedem Fall empfohlen.

Wenn du dich mit der Gehaltsanalyse gründlich auseinandersetzt schärfst du nicht nur deinen Gehaltswunsch, sondern bist ebenfalls in der Lage diesen zu untermauern. Damit schaffst du dir eine solide Argumentationsgrundlage für die anstehende Gehaltsverhandlung, auf welche ich in meinem nächsten Artikel weiter eingehen werde.

Über den Autor

Susan