(Neue) Arbeitswelt

Downshifting – kann das jeder?

Alle schreiben über Burnout und Überlastung bei der Arbeit. In den letzten Jahren schien das fast zum „Trend“ geworden zu sein, ausgebrannt zu sein. War das aber nicht schon immer so gewesen? Gab es nicht schon immer Leistungsdruck und hatte man nicht durch die Generationen durch Angst, seinen Job zu verlieren, wenn man nicht Vollgas gibt und keine 20 Überstanden die Woche leistet. Ist das mit Downshifting genauso?

Immer auf der Überholspur – Workaholics geben alles für ihren Job und lassen ihr eigentliches Leben links liegen. Ihr Leben ist die Arbeit und der Rest ist Nebensache. Überstunden sind selbstverständlich, Wochenenden gibt es nicht und auf die einsame Insel würden sie nur den Laptop und ihr Smartphone mitnehmen. Einige können sehr gut damit leben und wollen es anders nicht haben. Immer weiter hoch auf der Karriereleiter und kein Ende in Sicht. Andere wiederum leiden darunter und brennen aus. Depressionen und völlige Erschöpfung stehen nun auf dem täglichen Programm und einfach so wird es nicht einfacher. Man muss was unternehmen.

Downshifting wird in Amerika zwar schon lange praktiziert und nun ist der „Trend“ auch bei uns angekommen. Das Motto heißt: weniger ist mehr! Weniger Arbeit für mehr Lebensqualität. Immer wieder hört und liest man von irgendwelchen Managern in Spitzenpositionen, die nach ihrem Burnout anfangen zu malen, Jugendherbergen leiten, Designer werden oder ähnliches. Wer sich das leisten kann! So leicht stelle ich mir das auch nicht vor.

Was ist also mit dem Durchschnittsverdiener, der genauso alles für seinen Job gibt, vielleicht schon von seinem Naturell nicht nein sagen kann und noch 20 Tage Resturlaub vom vorletzten Tag hinter sich her schleppt? Der kann nicht einfach so – ganz im Sinne von Downshifting – den Job hinschmeißen und anfangen, Tulpen zu züchten, oder? Mit dem Wunsch nach verkürzter Arbeitszeit oder einer längeren Auszeit traut er sich nicht, beim Chef vorzutanzen. Es gibt viele Plattformen, die das Thema Downshifting behandeln. Wo sich Gleichgesinnte austauschen können und es sogar Sammelkassen gibt, in die jeder einzahlen kann und am Ende bekommt einer der Mitglieder das Geld für einen Urlaub. Auch nicht schlecht! Nicht viele nehmen das Problem ernst und fangen an, downzushiften. Ein starkes soziales Umfeld kann auch helfen, aber hat man das nicht schon vorher sehr vernachlässigt, wenn man am „brennen“ war? Ich freue mich auf jeden Fall, dass ein Freund von mir endlich seinen Urlaub vom Vorjahr genommen hat und nun mit dem Fahrrad auf Mallorca unterwegs ist!

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

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