(Neue) Arbeitswelt

Haben Akademiker zu hohe Ansprüche?

Quelle: stevensokulski/pixabay.com
Geschrieben von Anna M

Wenn man in der Google-Suche „Akademiker haben zu hohe Ansprüche“ eingibt, werden einem etliche Einträge vorgeschlagen und auf den ersten Seiten sind die meisten Treffer von unterschiedlichen Partnerbörsen. Ob nun die Akademiker bei der Partnersuche besondere Wünsche und Ansprüche haben und deshalb Probleme haben, den passenden Lebensgefährten zu finden, soll hier nicht diskutiert werden, aber interessant ist diese Information auf jeden Fall.

Partnersuche oder Jobsuche sind gleich wichtig für einen Menschen und sein Allgemeinwohl. Persönliche Ansprüche und Wünsche sind natürlich auch von großer Bedeutung und schließlich sollte es bei der Wahl der geeignete Arbeitsstelle oder auch des  richtigen Partners um eine langfristige und möglichst stabile „Lösung“ handeln. Die Entscheidung sollte gut überlegt sein und man muss genau wissen, was man will.

Unglaublich und fast schon witzig ist dabei eine Geschichte, die ich letztens von einer Freundin gehört habe. Sie selber, studierte Kunsthistorikerin, arbeitet als Redakteurin für einen Online-Shop hier in Jena und hat kürzlich einen ehemaligen Kommilitonen getroffen. Dieser ist auch seit mehr als zwei Jahren fertig mit seinem Kunstgeschichtsstudium und schreibt derzeit seine Doktorarbeit. Das heißt, er hat seit seinem Abschluss keinen Job gehabt und sich voll und ganz auf seine Promotion konzentriert. Auf keinen Fall möchte ich diesen Weg irgendwie werten oder kritisieren. Irgendwann hat er dann jedoch beschlossen, sich für eine Stelle zu bewerben und hat auch einige Bewerbungen raus geschickt. Nach einem längeren Gespräch über die Bewerbungserfahrungen kam heraus, dass er sich auf die Stelle meiner Freundin auch mal beworben hatte. Nur hat er diese Stelle damals dankend abgelehnt. Erstaunt fragte sie ihn nach seiner Begründung, denn schließlich hat er seit seinem Studium noch keinerlei Berufserfahrungen sammeln können. „Ein Akademiker sollte sich nicht unter Wert verkaufen! 27 Tage Urlaub sind viel zu wenig und dann gibt es noch nicht mal Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld!“ Er bräuchte viel mehr freie Zeit für seine Doktorarbeit, die er noch neben dem Job abschließen möchte und es wäre ja fast eine Frechheit, jemandem einen Arbeitsstelle ohne all die Zusatzzahlungen anzubieten. Das hat meine Freundin und später auch mich total umgehauen! Sie selber kann ein Lied davon singen, wie schwer es ist einen gut bezahlten Job in diesem Bereich, vor allem in Jena, zu finden und war verärgert über diese Kommentare. Unbegreiflich, dass man nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit noch so hohe Ansprüche stellt und eine Sonderbehandlung aufgrund des akademischen Status erwartet!

Ich habe lange darüber nachgedacht und mich auch geärgert, vor allem weil ich weiß, wie schwer es ist als Geisteswissenschaftler einen passenden Job zu finden, der einem gefällt und im Idealfall Parallelen zum eigenen Studium aufweist. Erstaunt und etwas fasziniert war ich jedoch über das große Ego und die ausgeprägte Selbstsicherheit dieses Doktoranden – er weiß also, was sein Wert ist! Hat er recht oder sind seine Ansprüche zu hoch?

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

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