Bewerbung & Interview

Mut zur Absage mit Begründung

Der heutige Artikel ist meiner Kollegin Anna gewidmet, die trotz widriger Umstände einen unserer  Bewerber telefonisch vor nackte Tatsachen stellte und nicht die 08/15-Standardabsage per E-Mail wählte. Schließlich wünschen wir uns doch alle ein wenig Ehrlichkeit und möchten wissen, woran wir sind, wenn unsere Bewerbung auf Ablehnung stößt.

Stellt Euch vor, Ihr seid Personaler und erhaltet einen äußerlich sehr seriös wirkenden Lebenslauf. Euer Bewerber hat nicht nur einen für Euch interessanten Studiengang mit der Note sehr gut absolviert, sondern kann darüber hinaus auch soziales Engagement in vielfältiger Weise belegen. Doch dann passiert plötzlich etwas Unerwartetes: Euer Blick streift die letzten angegebenen beruflichen Erfahrungen und stößt dabei auf etwas, das hier unter keinen Umständen wiedergegeben werden kann, darf, sollte und vor allem, möchte. Es ist gleichzeitig interessant, unterhaltsam, zum Schreien komisch und auch irgendwie abartig, ja sogar pervers. Ihr durchsucht die angegebene Website, teilt diese mit  Euren Emotionen und Gedanken vermischte Informationsflut mit Kollegen, seid unschlüssig, wie man angemessen reagieren soll, lacht und weint gleichzeitig.

Ihr seid der Meinung, dass diese Bewerbung unmöglicher Weise an den Kunden oder die Fachabteilung weitergeleitet werden kann. Denn es ist nicht nur die „Berufserfahrung“ als solche, sondern auch die Dreistigkeit, die „Tätigkeit“ als wiederum „Berufserfahrung“ zu bezeichnen und zu meinen, dass etwas Derartiges auf ein positives Echo beim Unternehmen stoßen könnte.

Und nun kommt unsere Anna wieder ins Spiel: Sie ist nervös, hebt den Hörer ab und wählt die Nummer des Bewerbers. Nein, so eine Bewerbung kann sie nicht einfach per E-Mail absagen, der Bewerber braucht dringend eine Rückmeldung dazu, was in den Lebenslauf geschrieben werden kann und was nicht.

Anna: „Guten Tag Herr…., hier ist Anna Meier von der TowerConsult“

Bewerber: „Ja, Hallo“

Anna: „Es geht um Ihre Bewerbung auf die Stelle…., haben Sie kurz Zeit für mich?“

Bewerber: „Ja, natürlich.“

Anna: „Es tut mir sehr leid, aber Ihre Erfahrung in der von Ihnen angegebenen Branche … hat uns dazu veranlasst, auf die angegebene Website… zu schauen und das, was uns da ins Auge fiel, hat uns schwerwiegend beeindruckt. Auf jeden Fall können wir Ihre Bewerbung so leider nicht an den Kunden weiterleiten, damit würden wir unsere Seriosität und Glaubhaftigkeit verlieren.“

Bewerber: „Ja, aber wieso denn?“

Anna: „Ja, weil die Branche oder besser gesagt, die Tätigkeit, etwas unüblich ist.“

Bewerber: „Ja, aber in der Stellenausschreibung heißt es doch, Unternehmensgeist wäre gefordert und das habe ich doch damit bewiesen. Ich würde auch den Lebenslauf überarbeiten“

Anna: „Auch dann würden wir es dem Kunden nicht verschweigen können, denn so etwas kommt immer raus“

Bewerber: „Das finde ich sehr schade, ich kann das gar nicht verstehen.“

Anna: „Ja, das tut mir dann leid.“

Bewerber:  „Ja, danke, tschüss“ und legte eingeschnappt auf.

Anna holte tief Luft und machte ein betrübtes Gesicht.  Gut gemacht, Anna! Es muss eben wohl überlegt sein, was man mit seinen Mitmenschen teilen sollte und was nicht…

Über den Autor

Angelika

Kümmerte sich von 2010 bis 2017 um die Vermittlung von Freiberuflern. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgte sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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