(Neue) Arbeitswelt

Das Personalvermittlungs-vs.-Zeitarbeits-Battle?!

Zeitarbeit, Quelle: Guedo/pixelio.de
Geschrieben von Gastautor

Immer wieder werden die Berufsgruppen Personalvermittler, Personalberater, Headhunter und Zeitarbeit durcheinander geworfen. „Oh, du machst dein Praktikum bei einem Personalberater?! Also verdient ihr euer Geld durch Zeit- bzw. Leiharbeiter?“. Für viele stehen diese Begriffe eng beisammen und es wird bei Personalvermittlung sofort an Zeit- und Leiharbeit gedacht. Aber hier gilt es zu unterscheiden. Personalvermittlung und Zeitarbeit sind verschiedene Dienstleistungen, die unabhängig voneinander sind. Sie können jedoch teilweise miteinander oder ergänzend zueinander angeboten werden.

Das Missverständnis

Personalberatung, Personalvermittler, Headhunter und Arbeitnehmerüberlassung. Das scheint doch auf den ersten Blick alles das gleiche zu sein. In vielen Fällen, besonders in unserem, werden die Personalvermittlung und -beratung mit der Arbeitnehmerüberlassung gleich gesetzt. Die Arbeitnehmerüberlassung oder auch Zeit- bzw. Leiharbeit wird dabei häufig mit Niedriglöhnen, Ausbeutung und gering qualifizierten Fachkräften assoziiert, was uns als Personalvermittler die Arbeit erschwert und ein negatives Image bereitet.

Die Arbeitnehmerüberlassung

Personal Leasing oder auch Zeit- oder Leiharbeit?! Die Grundidee der Arbeitnehmerüberlassung ist es, schneller und flexibler auf Personalanforderungen zu reagieren. Eigentlich kein schlechtes Prinzip, doch wird der Bogen der Flexibilität doch öfters überspannt.

Genauer gesagt, verleiht Unternehmen A seine Mitarbeiter an Unternehmen B, wenn es dort einmal eng wird. So entsteht eine Dreiecksbeziehung zwischen Arbeitnehmer, Verleih- und Entleihfirma. Liest man Erfahrungsberichte von sogenannten Leiharbeitern, so kommt schnell ein negativer Eindruck von Arbeitnehmerüberlassungen auf. Bezüglich der Flexibilität trifft es „auf Abruf parat sein“ wohl besser. Auch über schnell wechselnde Einsatzorte wird sich beschwert. Dazu wird über eine niedrige bzw. nicht angemessene Entlohnung geklagt.

Die Personalberatung bzw. Vermittlung

Was genau machen wir denn nun? Wenn wir uns von den Leiharbeitsfirmen unterscheiden, muss ja irgendetwas anders laufen.

In einem Satz gesagt, suchen wir als Personalvermittler oder Recruiter nach dem passenden Personal für unsere Auftraggeber und vermitteln diese in ein festes Beschäftigungsverhältnis. Für die erfolgreiche Vermittlung erhält die Personalvermittlung üblicherweise eine Provision in Anlehnung an den Monatslohn oder das Jahresgehalt.

Warum werden Personalvermittlungen beauftragt?

  • Junge Unternehmen sind im Aufbau und auf der Suche nach Fach- und Führungskräften. Noch fehlen Personalreferenten, die sich um die Auswahl der Bewerber kümmern können. Also wird die Aufgabe der Personalsuche in erfahrene Hände abgegeben.
  • Unternehmen sparen sich Zeit und Kosten bei der Personalsuche, in dem sie diese abgeben. Stellenanzeigen zu schalten ist nicht immer ganz billig. Und wie erfolgsversprechend die ausgewählte Plattform ist, ist für den Laien auch nur schwer zu beurteilen.

Wie arbeiten Personalvermittlungen?

  • Als Personalvermittlung wird mit dem Kunden das Anforderungsprofil der gesuchten Arbeitskraft besprochen und abgesteckt. Danach erfolgt die Suche über Anzeigenschaltung und/oder im Bewerberpool. Bei eingehenden Bewerbungen werden die Bewerber zu ersten Gesprächen eingeladen und es wird eine Vorauswahl getroffen. Erst die Bewerber, die auf die Stelle und auch zum Auftraggeber passen, werden dem Kunden als Profil vorgestellt. Dieser kann sich dann zwischen den Bewerbern entscheiden, welchen er im persönlichen Gespräch kennen lernen will.

Was ist das Ziel von Personalvermittlungen?

  • Für unsere Kunden den besten Kandidaten zu finden und diesen in ein festes Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Hierbei geht es nicht um Entleihung, sondern um die gezielte Suche und das Zusammenbringen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Es ist zwar nur ein kleiner Einblick in das Geschäft der Personalvermittlung, aber ich hoffe, dass der Unterschied zwischen Zeitarbeit und Personalvermittlung deutlicher geworden ist.

Hat jemand von euch schon einmal Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln können? Mit einer Zeitarbeitsagentur oder auch mit einem Personalvermittler?

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6 Kommentare

    • Das ist korrekt. Ergänzend als noch: Wo ist der Unterschied zum Headhunter?

      Unter Headhunting zählt die direkte Ansprache von Arbeitnehmern, die auch in einem festen Beschäftigungsverhältnis stehen. Headhunter versuchen also einen Personenkreis anzusprechen, der sich nicht direkt auf eine Stellenausschreibung bewerben würde. Headhunter versuchen somit Arbeitnhemer abzuwerben und für sich zu gewinnen um sie auf Honorarbasis zu vermitteln. In den USA ist das Headhunting weitverbreitet, gewinnt aber in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

  • Grundsätzlich kann ich diesen Ausführungen nur beipflichten. Es wurden jedoch die privaten Arbeitsvermittler hierbei vergessen. Diese arbeiten vom Prinzip her wie Personalvermittler, mit dem Unterschied, dass das erfolgsabhängige Vermittlungshonorar über den sogenannten Aktivierungs.- und Vermittlungsgutschein (MPAV) der Arbeitsagenturen und Jobcenter vergütet wird. Hierbei wird durch die Beauftragung eines privaten Arbeitsvermittlers, von denen es im Bundesgebiet rd. 1.200 Unternehmen gibt, weder das Arbeitgeber.- noch das Arbeitnehmerbudget belasten. Auch der in diesem Fall oft zitierte Steuerzahler wird entgegen anderslautender Gerüchte, nicht in die finanzielle Verantwortung durch die Abwicklung über den Aktivierungs.- und Vermittlungsgutschein genommen. Der Gutschein wird an Leistungsbezieher, oder durch drohende Arbeitslosigkeit (z.B. gekündigter Beschäftigungsvertrag) und somit zukünftiger Leistungsbezieher (Arbeitslosengeld I oder Arbeitslosengeld II) durch das jeweils zuständige Amt (Arbeitsagentur oder Jobcenter) ausgegeben. Der Gegenwert des Aktivierungs.- und Vermittlungsgutscheins beträgt inkl. 19% Mehrwertsteuer 2.000,00€. Diese Summe bekommt der private Arbeitsvermittler durch Antragsstellung von dem den Gutschein ausstellenden Amt in 2. Raten ausgezahlt. 50% (1.000,00€) wenn das vermittelte Beschäftigungsverhältnis die ersten 6 Wochen besteht. Die restlichen 50% (1.000,00€) erhält der private Arbeitsvermittler durch erneute Antragstellung, nachdem das Beschäftigungsverhältnis min. 6 Monate andauert. Sollte eine oder gar beide Fristen nicht erreicht werden, bleibt die entsprechende Rate, bzw. bereits die erste Rate aus. Was wiederum den Bewerbern die Sicherheit verschafft, dass ein privater Arbeitsvermittler stets daran größtes Interesse besitzt, dass das von ihm vermittelte Beschäftigungsverhältnis eine hohe Nachhaltigkeit besitzt. Diese o.g. 2.000,00€ stehen im Verhältnis des ansonsten erhaltenen Arbeitslosengelds. Unterstellen wir hier also die Vermittlung einer Vollzeitstelle und den Umstand, dass der zuvor leistungsbeziehende Bewerber min. die Summe eines durchschnittlichen Hartz IV Empfängers (durchschnittlich inkl. Kosten der Unterbringung akt. 790,00€ / Monat) erhielt, würden die ohne die Vermittlung und somit Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, gezahlten Arbeitslosengelder innerhalb der ersten 6 Wochen der Summe von 1.185,00€ und nach 6 Monaten von 4.740,00€ entsprechen. Dieser Summe stehen nach 6 Wochen 1.000,00€ und nach gesamt 6 Monaten die Summe von 2.000,00€ aus dem Gutschein gegenüber. Es ist also unschwer zu erkennen, dass durch den Gutschein in keinster Art und Weise eine Budgetbelastung entsteht.
    Da jedoch auch private Arbeitsvermittler unter ihren Arbeitgeberkunden Unternehmen haben, die an entsprechend hoch qualifiziertem Personal Bedarf anmelden, fungiert der private Arbeitsvermittler in dem meisten Fällen sodann auch als Personalvermittler.

  • Vom Ansatz her gut, allerdings werden Personalberatung und Personalvermittlung leider immer noch nicht voneinander abgegrenzt – schade, schade!

    Seriös arbeitende Personalberater greifen nicht in die Schublade und ziehen Lebensläufe raus, sie betrachten jeden neuen Auftrag auch als neues Projekt, schalten ganz gezielt sinnvolle Stellenanzeigen und recherchieren umfassend den Markt. Hier geht es eben nicht nur um die bloße Vermittlung von Kandidaten an Unternehmen sondern vielmehr darum, sowohl den aktiven (Stellenanzeigen) als auch den passiven (Headhunting) Arbeitsmarkt zu erfassen, um eine Win-Win-Situation sowohl für das suchende Unternehmen als auch den Kandidaten zu finden. Diese Unternehmen arbeiten nicht rein erfolgsabhängig, da gute Arbeit eben auch gutes Geld wert ist. Wie sagt der Schwabe: „Was nichts kost`, taugt nichts!“ Vielleicht ist da doch was dran… Bei seriösen Beratern findet eine umfassende Recherche des Marktes und seiner Marktteilnehmer statt, um dann die wenigen wirklich passenden Kandidaten ganz gezielt über eine Anzeige oder direkt anzusprechen und zu einer Bewerbung zu motivieren.

    Entsprechend ist der Headhunter derjenige, der eine vakante Position im Auftrag des suchenden Unternehmens allein durch gezielte Recherche und Ansprache erfolgreich besetzt, er schaltet keine Stellenanzeigen sondern nutzt ausschließlich den passiven Arbeitsmarkt für seine Direktansprache.

    Es ist immer wieder ärgerlich, dass jeder sich Personalvermittler, Personalberater oder Headhunter nennen darf und dadurch die wenigen wirklich guten Marktteilnehmer in dieser Branche in einen Topf mit „Eintagsfliegen“ und „schwarzen Schafen“ landen… Aber letztlich entscheidet der Kunde und da stellt sich dann die Frage, ob „Geiz wirklich geil ist….“.

    Und nur so ganz am Rande, Headhunting gewinnt nicht erst in jüngerer Zeit zunehmend an Bedeutung, bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts gibt es Direktansprache in Deutschland, seit den 80er/90er Jahren sind diese als Headhunter „sichtbar“ und erfolgreich tätig.

    Und Direktansprache ist eben NICHT die massenhafte Ansprache von mehr oder weniger passend erscheinenden Personen über die sozialen Netzwerke wie XING, LinkedIn, Facebook o. ä.

    Ich hoffe, ich konnte hier noch ein wenig mehr Licht in´s Dunkel bringen und stehe für Rückfragen sehr gern zur Verfügung.

    Viele Grüße

    K.S.

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