(Neue) Arbeitswelt

Lügen im Berufsalltag – wichtig oder fehl am Platz?

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Geschrieben von Angelika

Psychologen meinen, wir lügen bis zu 200 Mal am Tag, und das einmal abgesehen von getürkten Lebensläufen, frisierten Steuererklärungen und unechten Identitäten im Internet. Die Lüge ist Tabu und Faszinosum zugleich. Doch wann ist es wirklich vertretbar, nicht die Wahrheit zu sagen? Und wann ist die Notlüge sogar ein Muss?

Vor kurzem kam bei uns im Büro die Frage auf, ob wir unsere Bewerber wirklich mit der schonungslosen Wahrheit konfrontieren sollten oder nicht. Eine Referenz brachte Erstaunliches ans Tageslicht, so dass der Mitarbeiter, der den Kandidaten einstellen sollte, dankend ablehnte. Eine Kollegin wollte – ihrer ehrlichen Art entsprechend – helfen und gab dem Bewerber eine Auskunft darüber, woran es mangele und unglücklicherweise auch, wer das gesagt hatte. Doch was passierte in dem Moment bei dem Bewerber? Er fühlte sich in den Grundfesten seiner Persönlichkeit angegriffen und telefonierte dem Referenzgeber und dem anderen Mitarbeiter hinterher und ließ zwischen den beteiligten Parteien somit eine peinliche Situation entstehen.  Eine Notlüge wäre hier die intelligentere und hilfreichere und für den Bewerber die schützende Lösung gewesen.

Ein anderes Beispiel: Unsere Weihnachtsgeschenke für Kunden und Mitarbeiter sind auch heute – am 5.12. – noch nicht bei uns eingetroffen. Liefertermin war vor 2 Wochen. Nach zahlreichen Anrufen beim Werbeartikelvertrieb, wo man uns immer nur mit völliger Ahnungslosigkeit abwimmelte, erhielten wir dann gestern die Aussage, dass die Artikel vom LKW gefallen und dabei zerstört worden seien. AHA! Eine Lüge? Hier spricht alles dafür. Hätte es diesen Unfall tatsächlich gegeben, gehe ich davon aus, dass wir bei einem ordentlich funktionierenden Unternehmen dieser Art über den Umstand informiert worden wären und gemeinsam nach einer Lösung gesucht hätten; auch hätte man schon eher von der Sache gewusst. So aber kam uns diese Aussage völlig unwahrscheinlich vor – wir fühlen uns schlichtweg im Stich gelassen und werden bei dieser Firma nicht mehr bestellen. Hier war die Lüge also kein probates Mittel. Eine ehrliche Aussage über den tatsächlichen Grund wie z.B. Ausfall der Druckmaschinen, unerwartete große Anzahl an Aufträgen, persönliche Fehler wären zwar schmerzhaft, aber glaubhaft gewesen, man hätte hier – vor allem bei einer zeitnahen Rückmeldung – eine Alternative finden können.

„Gutes“ Lügen will also gelernt sein. Dass das im Kindesalter schon eine wichtige Rolle spielt, brachte eine BBC Dokumentation ans Tageslicht, die vor ungefähr 10 Jahren über meinen Bildschirm flimmerte. Hier wurden 0 – 10 Jährige Kinder in gewissen Abständen beobachtet und verschiedene Aspekte gezielt getestet. Das Notlügen scheint eine wesentlicher Faktor zu sein, wie erfolgreich wir sind beim Thema Bindungen. Die Kinder in der Dokumentation jedenfalls, die Notlügen gezielt einsetzen konnten, waren beliebt und hatten einen größeren Freundeskreis als andere.

Lügen, dosiert eingesetzt, scheinen also wirklich wichtig zu sein. Eine interessante Frage kam bei einer Kollegin auf: „Was ist, wenn auf einmal alles erlogen ist und jeder lügt?“ Ein wichtiger Hinweis kam aus einer anderen Ecke: „Wer viel lügt, muss sich auch viel merken“.

Wir jedenfalls freuen uns auf ehrliche Kommentare!

Über den Autor

Angelika

Ist der Projekt-Profi unter uns und kümmert sich seit 2010 um die Vermittlung von Freiberuflern. IT- und Optikprojekte stattet sie schnell, unkompliziert und professionell mit den passenden Fachleuten aus - ein Anruf und das Projekt ist gerettet. Angelika hat Betriebswirtschaft studiert und ist zudem ausgebildete Heilpraktikern. Im Büro sorgt sie für unser medizinisches Wohl und außerdem, dank ihres wunderbaren Humors, oft für gute Laune.

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