Körper, Geist & Job

Privatleben und Büroalltag

Private Probleme und Angelegenheiten mit ins Büro zu nehmen kann ziemlich heikel werden und kann eventuell noch mehr Probleme mit sich bringen. Ähnlich gestaltet es sich auch im Vorstellungsgespräch. Oder meint ihr, dass es gut ankommt, wenn man eine Lücke im Lebenslauf damit beschreibt, dass man sich von seinem Partner getrennt hat und dachte, dass das Leben nun zu Ende sei und sich deshalb um nichts anderes mehr gekümmert hat?

Privat bleibt privat?!

Privatleben hat im Beruf nicht verloren – das stimmt so nicht. Es fängt schon damit an, dass die Arbeitnehmer persönliche Gegenstände mit zur Arbeit nehmen  und ihren Arbeitsplatz etwas gemütlicher gestalten. Fotos von der Familie, Blumen oder andere Dinge, die den Arbeitsplatz etwas persönlicher und individueller gestalten, hat doch jeder. Manche sagen sogar, dass in solchen Fällen die Angestellten bessere Leistung bringen, weil sie sich wohler fühlen. Alles hat natürlich auch Grenzen 😉 Dutzende Kuscheltiere und freizügige Fotos von seiner Freundin könnten die Kollegen eventuell stören oder unprofessionell wirken, vor allem wenn man ab und an Kundenverkehr am Arbeitsplatz hat.

Wann sage ich es im Büro?

Wir sind und bleiben Menschen und so haben wir auch alle immer wieder private Probleme. Manchmal nimmt uns etwas sehr mit und wirft und völlig aus der Bahn. Das ist ganz normal und prinzipiell auch nachvollziehbar – doch nicht jeder versteht es. Ein Todesfall in der Familie, Scheidung oder andere Katastrophen gehören zu unserem Leben. Wie viel erzählt man jedoch auf Arbeit und muss es überhaupt jemand mitkriegen, wenn ich mich gerade von meinem Partner getrennt habe oder mein Kind Probleme im Kindergarten oder in der Schule hat. Wir halten fest – alles hängt vom Betriebsklima ab! Man kann nur von Glück sprechen, wenn man Kollegen und Vorgesetzte hat, denen nicht komplett egal ist, wie es einem außerhalb der Arbeit geht. Natürlich gibt es Unternehmenskulturen, in denen solche Gespräche eher selten sind oder überhaupt nicht geführt werden. Einige fühlen sich unwohl dabei und wollen nicht auch noch den „Seelenklempner“ spielen. Nach einiger Zeit in einem Unternehmen kriegt man schnell mit, wie weit man gehen kann, angenommen, man ist überhaupt der Typ dafür. Erlaubt es also das Betriebsklima, private Angelegenheiten zu besprechen, kann bei einigen die Identifikation mit dem Team wachsen. Komplette Missachtung der privaten Probleme seiner Mitarbeiter kann dem Unternehmen also nur schaden. Aber auch hier gibt es individuelle Grenzen. Ähnlich ist es im Vorstellungsgespräch. Man sollte vielleicht nicht gleich damit herausrücken, dass der Grund für die drei Monate nichts tun, die Trennung von seiner Freundin ist. Das wirkt ziemlich unprofessionell – man sollte an dieser Stelle auf eine Notlüge zurückgreifen.

Wie gehe ich damit um?

Jeder macht es auf seine Art. Die einen brauchen den Abstand zur Arbeit und lassen sich krank schreiben. In manchen Branchen ist es vielleicht auch ganz gut so. Bei viel Kundenkontakt ist es ungünstig, wenn man immer wieder einen Heulkrampf bekommt oder sich überhaupt nicht konzentrieren kann. Anderen stürzen sich voll und ganz in die Arbeit und vermeiden Pausen. Ablenkung ist das Motto und bloß nichts an sich heranlassen. Keiner darf merken, dass es mir schlecht geht – schon gar nicht der Chef. Sicherlich muss jeder wissen, wie er was verarbeitet, jedoch kann ich einen Rat geben: Ablenkung ist gut – Pausen sind heilsam!

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

1 Kommentar

  • Guter Artikel, der sich mal mit einem Thema befasst, welcher nicht so oft aufgegriffen wird. Ich persönlich bin der gleichen Ansicht, der bereits im Artikel wiedergegeben wird, nämlich das, und das ist ja meistens so, ein guter Kompromiss die beste Lösung für alle Seiten darstellt. Wir sind Menschen und keine Maschinen, und da kann man auch nicht erwarten das wir immer auf Knopfdruck funktionieren und unsere Probleme „wegdrücken“ können. Gleichzeitig zeugt es aber auch von Professionalität, persönliche Probleme, so gut es eben geht, von der Arbeit fernzuhalten und seinen Job zu machen. Gleiches aus der Arbeitgeberseite. Ich persönlich erwarte von einer guten Führungskraft und -persönlichkeit nicht nur wirtschaftliches KnowHow. Um ein Unternehmen „gut“ führen zu können, benötigt man aus meiner Sicht eben auch zwischenmenschliches KnowHow und ein gewisses Fingerspitzengefühl für seine Mitarbeiter. Man sollte dabei tatsächlich nicht immer gleich den „Seelenklempner“ spielen, allerdings sollte einem als Chef auch nicht alles, was seine Mitarbeiter betrifft, egal sein. Genügend Studien beweisen, ein guter Kompromiss zwischen Professionalität und Menschlichkeit hält die Motivation der Mitarbeiter aufrecht und bietet gleichzeitig genügend Raum für Autorität und die gesunde berufliche Distanz.

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