Bewerbung & Interview

Bewerber – So wird man sie los

Quelle: S. Hofschlaeger/pixelio.de
Geschrieben von Anna

Bewerber allgemein haben in zwei vorangegangenen Artikeln von mir an dieser Stelle ja schon ihr Fett wegbekommen – z.B. wie das Bewerbungsfoto für eine Absage aussehen sollte. Natürlich wissen wir, dass Personaler und HR-Menschen auch nur mit Wasser kochen und (uns eingeschlossen) natürlich ebenso Fehler machen. Um also ein Gleichgewicht zu schaffen, heute ein adäquater Ratgeber für die Personaler-Seite – wie man Bewerber los wird.
Bitte mit einem Augenzwinkern zu verstehen… 😉

Zeit – das endlose Gut jedes Bewerbers

Ist eine Bewerbung eingegangen, sollte man als Personaler diese möglichst lang liegen lassen. Der arbeitslose Bewerber hat doch eh nix zu tun, da kann er auch ein bisschen warten. Warten, bis er etwas vom Unternehmen hört. Warten, zwischen den einzelnen Etappen innerhalb des Prozesses. Warten, auf die Auswertung des Bewerbungsgespräches. Warten. Tage. Wochen. Die Angebote des Arbeitsmarktes sind so begrenzt, der Bewerber wird und muss schon warten. Und hey, er ist doch der Bittsteller.

Wozu eine Eingangsbestätigung zusenden?

Es ist ja schon ganz schön aufwändig, die Bewerbungsunterlagen zu sichten und auch noch einzuschätzen. Anschreiben und Lebenslauf les… überfliegen, die Zeugnisse müssen gelesen und „interpretiert“ werden, also so die, ähm das Letzte. Dann soll man sich auch noch die Zeit nehmen, dem Bewerber eine Eingangsbestätigung zuzusenden? Der Bewerber ist in seiner Situation so von Selbstbewusstsein und Sicherheit erfüllt, dass er darauf gut und gern verzichten kann.

Bitte schön unfreundlich

Nach einer kurzen Anlaufphase kommen gleich mehrere Bewerbungen auf einmal? Das nervt ganz schön, so viel zu tun! Dann muss man die auch noch alle anrufen. In einem kurzen Gespräch kann so ein Bewerber schon mal merken, dass seine Bewerbung jetzt noch gefehlt hat. Qualifikationen? Ganz schön mau. Die „Eierlegende-Wollmilchsau“ soll es ja schon sein. Nach jeder Frage tief ein- und ausatmen, gelegentlich ein tiefes Stöhnen, das befreit und hilft das Telefonat besser zu ertragen. Je weniger auf den Bewerber eingehen, desto besser. So geht‘s noch schneller. Der Angerufene hat gerade keine Zeit, ist beispielsweise im Auto unterwegs? Tja, Pech gehabt. Ist das Zeitfenster erstmal zu, gibt es keine weitere Möglichkeit. Das spart ja letztlich auch wieder Zeit.

Wie war der Name nochmal?

Bei so vielen Mails und Briefen, Geschäftspartnern und Bewerbern, kann der Name schon mal in Vergessenheit geraten. Kann einem also keiner übel nehmen, wenn man 3, 4 Mal nachfragt, wie der Name noch gleich lautete oder man den Bewerber ab und zu mit dem falschen Namen anspricht. Das gilt übrigens für Telefonate und das Bewerbungsgespräch. Und, auf „hey du“ reagiert ja schließlich jeder. 😉

Für welche Stelle sind Sie nochmal hier?

Gerade Personaldienstleister können schon mal durcheinander kommen. Sie suchen ja für so viele Stellen Bewerber. Wenn dann jemand zum Gespräch eingeladen wird, kann man den schon mal versehentlich einer anderen Stelle zuordnen. Das Aussehen lässt ja bei jedem Menschen immer auch sofort auf den Beruf schließen. Es ist übrigens überflüssig, vor dem Gespräch die Bewerbungsunterlagen nochmal anzuschauen. Eine Halbtagsstelle muss man dem Mittzwanziger nur richtig schmackhaft machen und die alleinerziehende Mutter soll sich doch bitte mal nicht so haben, das bisschen Reisen ins Ausland ist doch zu schaffen…

Die 18 000 € Jahresgehalt in der Leiterposition waren Ihnen ja genug?!

So, jetzt hat man den Bewerber soweit, mündlich hat er schon zugesagt, da kann man im Arbeitsvertrag noch etwas justieren. Den besten Eindruck hinterlässt es, wenn man nicht nur das Gehalt verändert, sondern auch den Aufgabenbereich. Die Rahmenbedingungen sind doch letztlich egal, jeder Kandidat kann froh sein, wenn er die Stelle bekommt.

Mein Tipp zum Abschluss: Das Krümelmonster

Die für das Bewerbungsgespräch bereit gestellten Kekse sollte man als Gesprächsführer am besten selbst essen – und dann mit vollem Mund sprechen. Da fühlt sich jeder Bewerber gleich richtig heimisch…

Über den Autor

Anna

Anna, unsere „Frau fürs Schöne“, war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

4 Kommentare

  • Kann ich da noch einige Punkte zu diesen Artikel hinzufügen, die dann aber eher zur Kategorie „Wie vergraule ich meine Bewerber bzw. wie verschaffe ich meinem Betrieb/Unternehmen ein schlechtes Image“?
    Denn davon bleiben sowohl Berufsanfänger, Berufserfahrene, aber auch Bewerber für Leitungspositionen nicht verschont.

  • Hallo Marion,
    natürlich kannst du Anmerkungen zum Artikel äußern. Dieser zielt ja genau auf das von dir beschriebene Thema ab, eben nur auf ironische Weisen…
    VG Anna

  • Jaa, Unternehmen können viel tun, damit ihr Image schlechter wird. Die angesprochene Unterlassung einer Eingangsbestätigung finde ich dabei weniger tragisch, als dass es viel zu oft keine Absage gibt.

    Ich habe mich auf meinem Blog diesem Thema gewidmet und geschrieben, weshalb ich eine Absage für wichtig halte, wenn gleich sie beim ersten Lesen eher negative Wirkungen hat. Langfristig ist es noch schlimmer, gar nichts mehr zu hören!

  • Nicht antwortende Arbeitgeber scheinen eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Auf eine Initiativbewerbung habe ich eine Absage erhalten. Zeugnisse und Lebenslauf wurden auch wieder zurückgeschickt. So soll es ja auch sein. Als Bewerber kann ich dann einen Schlußstrich ziehen und habe den Kopf für einen neuen Versuch frei. Aber auf konkrete Stellenanzeigen, selbst solche für die von der Arbeitsagentur ein Vermittlungsvorschlag vorlag kommen größtenteils keine Reaktionen. Es kann doch im Informationszeitalter nicht so schwierig sein den Eingang einer Bewerbung zu bestätigen oder dem Bewerber eine Absage zukommen zu lassen.

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