(Neue) Arbeitswelt

Cultural fit oder was?!

Cultural Fit, Flüchtlinge, Quelle: geralt/pixabay.com
Geschrieben von Anna M

Es reicht oft nicht, wenn man die besten fachlichen Voraussetzungen für eine Stelle hat, die richtigen Erfahrungen gemacht hat, die richtigen Fremdsprachen beherrscht, die richtigen Auslandsaufenthalte auf dem Lebenslauf stehen hat und die richtigen Noten vorzuweisen hat. Das Zauberwort heißt cultural fit! Sicherlich gibt es auch deutsche Begriffe, aber das wäre ja langweilig, diese zu benutzen!

Die Qual der Wahl

Ein Unternehmen schreibt eine Stelle aus und es bewerben sich, sagen wir mal, 123 Kandidaten darauf. Die Hälfte erscheint auf den ersten Blick als passend. Auf den zweiten Blick bleiben ca. 10 übrig und es finden Gespräche statt. Am Ende kann sich das Unternehmen zwischen drei Kandidaten nicht entscheiden. Alle drei haben die gleichen fachlichen Voraussetzungen, haben ähnliche berufliche Erfahrungen gesammelt – es scheint so, als wären sie Drillinge. Was tun? Eine sehr schwere Entscheidung… Und hier kommt also die Chemie ins Spiel – funkt und knistert es zwischen den Parteien? Der cultural fit muss also übereinstimmen, d.h. dieser wichtige Punkt ist das letzte Puzzleteil und das muss wirklich sitzen. Gemeinsame Wertvorstellungen, Ziele, soziale Kompetenzen, Interessen und andere Komponenten müssen ebenfalls übereinstimmen und zum Unternehmen passen. Das klingt doch alles nach einer Bauchentscheidung oder etwa nicht?

Cultural fit

Cultural fit heißt also, dass der Kandidat kulturell dem Unternehmen nahe sein muss. Was heißt das eigentlich genau und woher weiß man, was die eigene Kultur im Unternehmen so ausmacht? Von Bauchgefühl kann man hier also nicht sprechen, man muss sich zunächst über die eigenen Wertvorstellungen, Ziele usw. klar werden und diese am besten mit allen Mitarbeitern analysieren und definieren – ein internes Employer Branding sozusagen. Das bedeutet viel Aufwand, Zeit und Engagement, aber zahlt sich wohl aus, sagen die Experten. Anhand von abgesteckten unternehmensinternen Eckpunkten werden Recruitingmaßnahmen und -strategien entwickelt. Somit kann man durch gezieltes Fragen (erfolgskritische Faktoren) herausfinden, wie viel Ähnlichkeit zwischen dem Unternehmen und dem Kandidaten vorhanden ist.

Nicht klonen – Mut zeigen!

Alles schön und gut und sicherlich macht das auch alles Sinn. Aber was ist, wenn man immer nur die Klone seines Selbst sucht? Wird es nicht langweilig, wenn alle immer nur Pizza bestellen und gemeinsam kickern? Kann nicht jemand, der Sushi mag und Mensch-ärgere-dich-nicht spielt, neuen Wind ins Unternehmen bringen? Ist cultural fit wirklich alles und bringt so den gewünschten Erfolg? Da wären wir doch wieder beim Roboter Recruiting – 10 von 10 Übereinstimmungen CHECK! Ist das nicht viel spannender, wenn der Kandidat etwas Neues dem Unternehmen bieten kann? Ergänzungen, die so noch nicht vertreten sind und dem Unternehmen Horizonte erweitern und neuen Ebenen öffnen? Ich denke, dass eine gesunde Mischung aus beiden „Fits“ beide Parteien nach vorne bringt, das Unternehmen dynamisch bleibt und die Mitarbeiter gefordert werden. Beides kann man nur in persönlichen Gesprächen, in Kennenlernmonaten, Probezeit, Schnuppertagen und anderen Maßnahmen erfahren. Ein Blick auf die Unterlagen reicht keineswegs aus – das kann auch ein Roboter!

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

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