(Neue) Arbeitswelt

Roboter Recruiting – Computer sagt nein!

Roboter Recruiting statt Menschen aus Fleisch und Blut?! In so vielen Ratgebern für die beste und persönlichste Bewerbung wird immer wieder gepredigt, dass sich die Bewerbung von anderen abheben muss. Man muss sich von der Masse unterscheiden und beim zukünftigen Arbeitgeber schon mit seinen Bewerbungsunterlagen in Erinnerung bleiben. Der Trend in großen Unternehmen scheint in eine ganz andere Richtung zu gehen. Maschine löst den Menschen ab und Individualität geht flöten.

Roboter Recruiting– die rechte Hand des Menschen

Online-Recruiting ist bereits überall verbreitet und wird von den Bewerbern akzeptiert. Mit einem Klick kann man seine Bewerbung ganz einfach auch von seinem mobilen Gerät hochladen und sofort abschicken. Beim Personaler kommen die Unterlagen richtig zugeordnet an und der Bewerbungsprozess wird beschleunigt. Es geht auch noch schneller! Auf einigen Karriereseiten von großen Unternehmen wie Bosch kommt inzwischen eine spezielle Statistik-Software zum Einsatz, die die Bewerbungsunterlagen screent. Hier entscheidet also der Roboter, ob man den Job bekommt oder nicht. Er sortiert kurzerhand nur die passenden Kandidaten aus.

Wie denken Recruiting Roboter?

Natürlich werden diese Recruiting Roboter vorher programmiert. Wichtige Keywords für die jeweilige Stelle müssen in den Unterlagen enthalten sein und am wichtigsten sind Zahlen, Daten und Fakten. Roboter sind nicht vorbelastet durch Klischees und haben keine Vorurteile. Sie interessiert es nicht, woher der Mensch kommt, welche Hautfarbe er hat, wie er aussieht, ob er lange arbeitslos war oder vorbestraft ist. Er ist nicht emotional beeinflussbar und entscheidet ganz pragmatisch und faktengerichtet, ob der Bewerber auf die Stelle passt. Xerox geht sogar weiter und programmiert die Software so, dass nicht nur die Hardskills passen müssen, sondern auch die gemeinsamen Interessen außerhalb der Arbeit mit den bereits angestellten Mitarbeitern übereinstimmen müssen. So ist man bei Xerox ganz schnell aus dem Prozess ausgeschlossen, wenn man mehr als vier Profile in den sozialen Netzwerken hat.

Sind die Personaler bald überflüssig?

Ich denke nicht! Es kann natürlich sein, dass es bei 200.000 Bewerbungen der Mensch nicht mehr mitkommt und eine Vorsortierung ganz gut geeignet ist. Vorurteilslos und ohne Rollenklischees kann ein Mensch zwar auch lernen, Entscheidung zu treffen, klappt jedoch nicht immer. Trotz allem bin ich der Meinung, dass man auch hin und wieder in einem Profil, das nicht ganz genau auf die Stelle passt, Potential entdecken kann und vielleicht eine passende Stelle für den Bewerber findet und nicht den passenden Bewerber für eine Stelle.

Wie wäre denn, wenn die Computer alles entscheiden würden?!

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

3 Kommentare

  • Nicht nur die. Alle werden überflüssig, die Geistesarbeiter wie genannt als Erstes, dann die physischen Praktiker.
    Nachteil der Individualität sind aber auch: Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit, Schwankungen der Leistung, Beeinflussbarkeit durch Belastungen aus Familie und Umfeld, Stimmungsschwankungen, Krankheitsausfälle, Mobbing usw. Und es wird nicht lange dauern (5-10 Jahre, spätestens 2030), bis auch die Roboter Individualität „gelernt“ haben. Und sie werden sämliche Probleme der Welt besser lösen als wir Menschen, die heute immer noch Krieg gegeneinander führen.

  • Ich stehe diese neuen Entwicklung nicht grundsätzlich negativ gegenüber, betrachte den Trend aber kritisch. Mehr Objektivität sowie vorurteilsfreie, pragmatische Entscheidungen sind in der Arbeitswelt mit Sicherheit erforderlich und wünschenswert. Jedoch glaube ich, dass auch im Job Intuition und das eigene Bauchgefühl nicht völlig fehl am Platz ist. Außerdem haben für mich Werte wie die Anzahl der Anmeldungen bei sozialen Netzwerke oder die persönlichen Freizeitinteressen keine unmittelbare Aussagekraft über die Fähigkeiten eines potentiellen Mitarbeiters. So werden schlussendlich auch wieder Menschen diskriminiert, eine vollkommene, uneingeschränkte Gerechtigkeit zu erreichen ist kaum möglich.

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