(Neue) Arbeitswelt

Dialekte in der Berufswelt

Quelle: jan37k/pixelio.de
Geschrieben von Anna M

Dialekte sind etwas Besonderes. Wenn man jemanden in seinem eigenen Dialekt sprechen hört, fühlt man sich gleich heimisch und es verbindet. Außerdem zeigen die Dialekte die unterschiedlichen Seiten einer Sprache auf und mache diese interessanter und bunter. Wie sieht es aber in der Berufswelt aus? Sind da auch alle Dialekte gern gesehen bzw. gern gehört? Oder ist Hochdeutsch die einzige akzeptierte Variante der deutschen Sprache?

Wer von euch spricht einen auffälligen Dialekt und hatte bereits Probleme oder unangenehme Situation aus diesem Grund erleben müssen? Viele Dialekte sind mit Vorurteilen behaftet und Menschen werden einfach abgestempelt, weil sie sächseln, schwäbeln oder mit tiefsten Niederbayerisch daherkommen. Immer mehr Sprechcoachs werden aufgesucht, um den lästigen und Karriere bremsenden Dialekt abzulegen. Schließlich ist die Sprache des Menschen die zweite Wahrnehmung nach dem Aussehen, die aufgenommen wird.  Ein Dialekt kann schnell unprofessionell oder gar nachlässig wirken. Man würde aus dem Dorf kommen und deshalb kein anständiges Hochdeutsch sprechen können. Ist das wirklich so? Gibt es diese Vorurteile?

Wenn man eine Masse auf seine Seite ziehen will, muss man anscheinend den Dialekt ablegen. Ob in der Politik oder in der Musikbranche – bei beiden sollte der Dialekt nicht in den Vordergrund geraten – man erreiche mehr Menschen, wenn man neutral bleibt. So geraten die Dialekte immer mehr ins Vergessen und das ist sehr schade. Ein Dialekt zeigt, wo man herkommt, Menschen fühlen sich verbunden, ein Dialekt kann sehr sympathisch wirken und Situationen auflockern. Was kann einem Besseres passieren, als dass der potentielle Vorgesetze denselben Dialekt spricht? Leider werden aber Dialekte oft ins Lächerliche gezogen, werden zur Zielscheibe für Parodien und so entstehen Vorurteile und Klischees. So kann man sich sehr schwer jemanden mit einem starken sächsischen Dialekt in der Telefonzentrale in einem Hamburger Unternehmen vorstellen. Was macht man dagegen? Hochdeutsch lernen? Klingt das nicht komisch, wenn jemand krampfhaft versucht, Hochdeutsch zu sprechen?

Ich komme aus Niedersachsen, wo Hochdeutsch gesprochen wird, und vor zehn Jahren kam ich nach Jena. In meinen Jobs neben dem Studium hatte ich sehr schnell Kontakt zu den „Einheimischen“ gehabt und war die erste Zeit oft irritiert und es kam sogar zu Verständigungsschwierigkeiten – sei es die Uhrzeit oder das obligatorische „ge“ oder „nor“. Damals habe ich zu einer Freundin gesagt, wenn ich irgendwann so rede, soll sie mich erschießen. Ich wurde anfangs immer gefragt, wo ich denn herkomme, ich würde anders sprechen. Das war mir neu und ich habe verdutzt geantwortet, dass ich ja in Russland geboren bin. „Ah ja, genau. Man hört da was.“ Komisch, dass mich vorher nie jemand in Niedersachsen gefragt hat, wo ich herkommen würde. Nun nach zehn Jahren werde ich das „ge“ und „nor“ nicht los und es haben sich andere Besonderheiten der thüringischen Sprache in meinen Wortschatz eingeschlichen. Und ich bin froh darüber! Ich mag Dialekte und ich finde es toll, dass in so einem kleinen Land wie Deutschland es so viele Dialekte gibt. Leider sterben diese aus und das finde ich sehr schade. Der demografische Wandel ist ein großes Problem, denn Dialekte überleben am längsten in den Dörfern.

Natürlich muss man schauen, inwieweit bei einer angestrebten Stelle der Dialekt hinderlich sein kann. Man sollte sich aber nicht verstellen und man selbst bleiben. Alle, die das Glück haben, einen Dialekt zu sprechen, sollten das nicht aufgeben.

Über den Autor

Anna M

Anna war von März 2013 bis Ende 2014 im Bereich Recruiting bei uns tätig. Nach ihrem Magisterstudium in Slawistik, Romanistik und Auslandsgermanistik war sie zunächst als Vertrieblerin tätig. Am liebsten berichtete Anna über den Perspektivwechsel vom Bewerber zum Personaler und ihre oft amüsanten Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag.

2 Kommentare

  • Dialekt ist – genauso wie Religion, Musikgeschmack u.ä. – in meinen Augen Privatsache. D.h. man kann seinen Dialekt ja gerne pflegen – daheim und im privaten Umfeld. Es ist mehr als lästig, wenn ich in einem so kleinen Land wie Deutschland wo anrufe und meinen Gegenüber nicht verstehe, weil er eben tiefstes Bayerisch oder Sächsisch spricht. Ich selbst musste tatsächlich in einem Anruf eines Kunden von der schwäbischen Alb darum bitten, dass mir das Anliegen per Mail, Fax o.ä. mitgeteilt wird, da die Gegenseite auch beim besten Willen nicht verständlich war. Sowas ist einfach unnötig. Auch diese Bemühungen Bayerns schon in der Grundschule die Kinder mit Bayerischunterricht zu versorgen – die Realität sieht nun mal so aus, dass eben nicht alle Kinder aus dem örtlichen Gäu stammen sondern per se u.U. schon mal Multikulti sind. Und dann soll die erste gemeinsame Sprache bayerisch sein? Na wunderbar – hilft sicherlich auf dem weiteren schulischen Weg total weiter…

  • Ja, bei uns in der Schweiz ist es noch schlimmer. Wir sind noch viel kleiner und haben vermutlich fast so viele Dialekte. Ich arbeite schon seit Jahren nicht mehr in dem Kanton, aus dem ich stamme und mein Dialekt ist immer mal wieder ein Missverständnis oder einen Lacher wert. Zum Glück ist Berndeutsch recht beliebt, andere Dialekte haben’s da schwerer.

    Teilweise sind die Dialekte so extrem, dass auch wir sie nicht verstehen und auf Hochdeutsch umstellen geht auch nicht – das können wir definitiv nicht. ;0)

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