Ratatouille

Gastautor – ein (un)attraktives Angebot?

Quelle: benjamin-brueckner.de
Geschrieben von Benjamin Brückner

Wer könnte sich besser zum Thema Gastautorenschaft äußern, als einer, der regelmäßig für uns Gastartikel verfasst? 😉 Wir freuen uns, dass Benjamin Brückner mal wieder etwas für uns und euch geschrieben hat…

Es gilt als offenes Geheimnis: Gastbeiträge bieten eine Menge Vorteile für die strategische Positionierung im Web. Demnach müsste es Scharen von Bloggern geben, die sich darum reißen, Gastartikel schreiben zu können. 5 Gründe, warum das (leider) nicht so ist und 5 Gründe, daran etwas zu ändern.

1. Geiz

Schlicht und ergreifend geiziges Denken. Es ist in Ordnung, an die eigenen Vorteile als Gastautor zu denken. Doch manche Blogger ziehen nicht einmal das in Betracht. Sie sehen nicht die Vorteile eines Artikels, für den sie viel Zeit investieren, dafür aber eine Reichweite von 200.000 potentiellen Lesern bekommen. Sich einen Ruf machen, Kontakte knüpfen, die eigene Expertise ausbauen – all das ignoriert ein geiziger Blogger, wenn er keine Gastbeiträge schreiben will.

Viele Blogger führen ein Inseldasein, weil sie glauben, dass es genügt, im Mikrokosmos des eigenen Blogs zu schreiben. Doch wie sollen Leser überhaupt auf einen aufmerksam werden, wenn es keinen Anreiz gibt? Bei einem guten Blogger ist es so ähnlich wie bei einem guten Schauspieler – erst seine Flexibilität macht ihn herausragend – wenn er uns mit einer neuen Rolle überrascht, die wir vorher nie von ihm vermutet hätten.

Deswegen halten sich auch die Schauspieler am längsten in der Branche, die ein markantes Profil haben, ohne eindimensional zu werden. Sie setzen ihre Stärken einfach vielfältig ein, trauen sich an unkonventionellen Stoff und scheuen sich nicht davor, sich immer wieder aufs Neue zu beweisen. Blogger tun gut daran, genauso vielschichtig zu denken.

2. Wer ewig strebend sich bemüht…

Bequemlichkeit steht in enger Verbindung zum Geiz. „Warum sollte ich jetzt so viel Zeit und Energie in diesen Gastbeitrag investieren? Ich weiß doch eh nicht, was dabei herauskommt.“

Wenn Künstler so an ihre ersten Werke herangegangen wären, dann würden wir heute auf unzählige Bücher, Musikalben und Gemälde verzichten müssen. Man muss immer investieren, um etwas zurückzubekommen, oder etwas schlauer gesprochen: Wir ernten, was wir säen.

Fleiß ist eine Grundtugend des Bloggens. Ohne die Bereitschaft, fleißig zu sein, wird nichts passieren. Bloggen ist eine Tätigkeit, die sich durch Leidenschaft, Beharrlichkeit und Spaß auszeichnet. Natürlich sind Resultate nicht absolut planbar. Doch eine gut angelegte Content-Marketing-Strategie kann dabei helfen, Erfolge zu erzielen.

3. Unfaire Angebote

Es ist nicht immer die Schuld des Bloggers, dass Gastautorenschaften so unbeliebt sind. Einige schwarze Schafe nutzen Blogger aus: Webmaster, die über die Zahl ihrer Leser schwindeln, sich nicht an Absprachen, wie z.B. Veröffentlichungstermine, halten oder nicht wie vereinbart auf die Webseite des Gastbloggers verlinken. Diesen Menschen sollte man natürlich nicht in die Hände spielen.

Daher gilt: Vorab die Seriosität des Webauftritts überprüfen. Welche anderen Gastautoren sind vertreten? Stimmen die Angaben des Webmasters mit den eigenen Nachforschungen (z.B. via SISTRIX) überein? Vor jeder Kooperation sollten Blogger unbedingt auf den Inhalt der Webseite achten. Ein gutes Tool, um sich einen ersten Überblick der Seriosität zu verschaffen, ist das Web-of-Trust-Plugin für Browser. Anhand von User-Bewertungen wird eine Einschätzung ermittelt und als Ampelfarbe neben dem Suchergebnis dargestellt.

Wichtig ist natürlich auch, zu prüfen, ob die entsprechenden Inhalte des Blogs zum eigenen Profil passen. Schließlich stehen Gastblogger mit ihrem Namen für diese Kooperation und das Internet vergisst bekanntermaßen nie.

4. Beschränkter Horizont

Manche Blogger behaupten, sie seien neugierig, weltoffen, hochvernetzt. Und doch sehe ich bei ihnen die immer gleichen Themen aus der Ich-Perspektive, endlose Selfie-Collagen, Outfits, die nur von ihnen getragen werden, kurzum: Der Blog dreht sich im Kreis und um sich selbst.

Das ist so ähnlich wie mit Leuten, die nur von sich erzählen – sie werden schnell langweilig, weil man ihr Desinteresse an anderen Menschen erkennt. Wenn wir im realen Leben nicht gern mit solchen Menschen zu tun haben, warum sollte es bei Bloggern anders sein?

5. Angst

Sicher, jeder Blogger sollte einen hohen Anspruch an seine Texte haben und das ist auch gut so. Man sollte immer sein Bestes geben und den Inhalt im Fokus des Beitrags haben. Viele Blogger befinden sich hier im Zwiespalt: Einerseits wollen sie bekannter werden, sie möchten Leser für sich gewinnen. Andererseits wollen sie sich keinem Risiko aussetzen – es könnte ja auch negatives Feedback geben. Insbesondere mit dem heutigen Problem der Trolle können Kommentare dieser Art auftauchen. Trolling ist jedoch etwas anderes als konstruktive Kritik, es ist einfach nur nervig und wird bereits von einigen Portalen geblockt.

Sicher lässt sich darüber streiten, ob eine Kommentarfunktion grundsätzlich abgeschafft werden sollte. Allerdings ist es gerade bei den großen Medien schwierig geworden, die schiere Flut an Trollen herauszufiltern. Dafür müsste man wohl eigene Redaktionen gründen.

Warum sich Gastbloggen wirklich lohnt

Nun haben wir eine Übersicht der Gründe, weshalb einige Blogger sich davor scheuen, Gastautoren zu werden. Kommen wir nun zu den Vorteilen, die sich ergeben, wenn Blogger über ihren eigenen Schatten springen.

1. Neue Bekanntschaften

Nie war es so einfach, neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen einzugehen. Wie bereits erwähnt ist dabei natürlich Obacht geboten, bei und mit wem. Doch warum nicht zuerst beim eigenen Lieblingsblog anklopfen und mit offenen Karten spielen? Eine herzliche E-Mail mit dem Hinweis darauf, dass man seit langer Zeit Leser ist (das sollte natürlich stimmen, sonst wirkt es wenig authentisch) und gern einen Gastartikel verfassen würde.

Die Blogs reagieren unterschiedlich: Einige lassen dem Blogger freie Hand bei der Themenwahl, andere legen Wert auf eine Stimme, die zum Blog passt. Die wenigsten Blogs jedoch lehnen das Gesuch eines Gastautors von vornherein ab. Im Übrigen lohnt sich auch ein Inserat auf Bloggerjobs.de.

2. Höhere Chancen

Professionelle Gastblogger sind in jeder Branche gern gesehen. Ob Journalismus, IT oder Kultur – ein Gastblogger, der hochwertige Texte veröffentlicht, wird von interessierten Menschen wahrgenommen. Und nicht selten sind es genau die, die ein Blogger doch sucht, oder?

Jeder gute Gastartikel erhöht die Reichweite, wird weiterempfohlen und erzeugt im günstigsten Fall einen Domino-Effekt. Zudem bleibt ein Gastartikel eine dauerhaft im Netz verankerte Arbeitsprobe – vorausgesetzt natürlich, die entsprechende Domain bleibt bestehen.

3. Spaß und Training

Gastbloggen macht einen Riesen-Spaß. Es schult das vielschichtige, komplexe Denken, da man sich immer wieder auf ein neues Thema und einen neuen Stil einlässt. Die größte Herausforderung liegt darin, sich dem Tonus des Blogs anzupassen und dabei seine eigene Stimme beizubehalten.

Ein angenehmer Nebeneffekt ist die Schulung der eigenen Schreibe. Bloggen lernt man schließlich am besten durchs Bloggen. Und wenn Spaß und Lernen Hand in Hand gehen, ist das die optimale Verknüpfung für unser Gehirn.

4. Weiterentwicklung

Gastblogger lernen, mit Menschen zu kommunizieren, Absprachen zu treffen, zu recherchieren, zu verhandeln, usw. Sie entwickeln sich gleichzeitig auf den unterschiedlichsten Ebenen weiter und bekommen Einblick in bisher unbekannte Gefilde. Dies funktioniert natürlich wechselseitig, denn auch die Leserschaft des Blogs lernt ein neues Gesicht kennen und wird dadurch bereichert. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

5. Bereicherung

Gute oder sogar sehr gute Gastartikel machen das Internet lebendiger, schöner, hilfreicher und wertvoller. Gastblogger tun also nicht nur sich und dem Blog einen Gefallen, sondern jedem User, der auf der Suche nach Informationen zum betreffenden Thema ist.

Fazit

Natürlich macht ein Gastartikel viel Arbeit – Arbeit, bei der man nicht mit Garantie weiß, ob sie die Mühe wert ist. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass gut recherchierte und entsprechend interessant verfasste Gastartikel früher oder später die dazugehörige Leserschaft anziehen. Wichtig ist, den richtigen Blog für den Artikel zu finden und sich trotz gewisser Richtlinien nicht zu verbiegen.

Stimmen diese Grundbedingungen, ist das Leben als Gastblogger ein sehr reiches, das viele neue Chancen, Kontakte und Lernpotential birgt – und das Internet ein bisschen reicher an nützlichen Informationen macht.

Über den Autor

Benjamin Brückner

Benjamin Brückner ist Schriftsteller und Texter mit Leib und Seele. Während und nach seinem Philosophie-Studium an der Uni Leipzig war er unter anderem bereits als Redakteur für mephisto 97.6 und die ARD tätig. Seit 2013 arbeitet Benjamin Brückner als freier Texter, betreibt einen eigenen Blog (www.benjamin-brueckner.de) und verfasst seit 2015 auch für uns den einen oder anderen Blogartikel.

4 Kommentare

  • Als Gastblogger kann man auf seinen Blog aufmerksam machen und mehr Leser gewinnen. Gerade als Neuling wirst du doch am Anfang nicht wirklich gefunden. Blogger können sich so auch gegenseitig helfen und inspirieren.

    • Hallo Renate,

      genau das meine ich – Aufmerksamkeit auf eine seriöse Art, nämlich durch gute Gastbeiträge erhalten. Es ist ein Geben und Nehmen, der Blog profitiert ja auch vom hochwertigen Artikel des Gastautors.

      Viele Grüße,
      Benjamin

  • Lieber Benjamin,

    du sprichst mir aus der Seele. Ich finde das Gastbeiträge schreiben ist eine bekannte Geheimwaffe von uns Bloggern – Leider eine oft sehr unbenutzte Möglichkeit.

    Liebe Grüße aus Wien,
    Sebastian

    • Hallo Sebastian,

      einerseits schade, andererseits ein Vorteil für Blogger, die eine so attraktive Möglichkeit nutzen. In diesem Sinne,

      Beste Grüße aus Leipzig,
      Benjamin

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