Bewerbung & Interview

Ich schreibe meine Bewerbung und füg‘ hinzu …

Quelle: bewerbung.net
Geschrieben von Gastautor

Umfrage zur Qualität von Bewerbungsunterlagen

Was möchten die Personalverantwortlichen in Deutschland wirklich in einer Bewerbung sehen? Dieser Frage stellen sich Bewerber jedes Mal aufs Neue bei dem kleinen Spiel: „Ich schreibe meine Bewerbung und füge […] hinzu.“

Eine pauschale Antwort kann nicht gefunden werden, da jeder Personaler seine ganz eigenen Vorstellungen von einer Bewerbung hat. Das ist bereits eines der Ergebnisse, welches die Umfrage des Portals bewerbung.net in Kooperation mit dem Zentrum für ökonomische Bildung der Ruhr-Universität zeigt. Befragt wurden 107 Personalverantwortliche in dem Zeitraum von Oktober 2014 bis März 2015.

Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass 60,2 % der Personalverantwortlichen einen eindeutigen Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Qualität der Bewerbungen sehen. Sollte dieser Wert für Bewerber noch nicht deutlich genug sein: Rund 56,13 % der versendeten Bewerbungen werden bei der ersten Prüfung in den Papierkorb umgelagert. Die Gründe für dieses vorzeitige Ausscheiden des Kandidaten können variieren.

Quelle: bewerbung.net

Quelle: bewerbung.net

Weshalb werden Bewerbungen direkt aussortiert?

Um diese Frage möglichst genau klären zu können, wurden die Teilnehmer nach sogenannten K.o.-Kriterien befragt. K.o.-Kriterien stehen für Aspekte, die zu einem unmittelbaren Ausschließen des Kandidaten vom weiteren Bewerbungsprozess für ein Unternehmen führen können – also alle Dinge, die ein Bewerber besser nicht, oder überhaupt seiner Bewerbung hinzugefügt hätte. Durchschnittlich weisen 42 % der Bewerbungen mindestens eines dieser K.o.-Kriterien auf:

  • Rechtschreib- und Grammatikfehler (68,2 Prozent)
  • Fehlender Unternehmensbezug (67,3 Prozent)
  • Eindeutiges Musteranschreiben (52,3 Prozent)
  • Unvollständige / fehlende Unterlagen (43 Prozent)
  • Falscher / fehlender Ansprechpartner (27,1 Prozent)
  • Falsche Formatierung (26,2 Prozent)
  • Kein Foto (24,3 Prozent)
  • Andere (12,1 Prozent)

An diesen K.o.-Kriterien sind vor allem unterschiedliche Punkte interessant. Zunächst ist der Stellenwert des Bewerbungsfotos bemerkenswert, da dieses seit dem AGG lediglich optional für den Bewerber ist. Ebenso mag sich an dieser Stelle der ein oder andere die Frage stellen, wie es möglich ist, dass ein Bewerber Unterlagen und vor allem den Unternehmensbezug vergisst?!

Da nun bekannt ist, welche absoluten No-Go’s Personalverantwortliche in den Bewerbungen für ihr Unternehmen haben, bleibt nun noch eine Frage offen:

Was füge ich meiner Bewerbung wirklich alles hinzu?

Wer sich bisher immer Sorgen gemacht hat, dass die eigenen Unterlagen nicht neuartig genug sind, der kann erleichtert aufatmen. 32,7 % der befragten Personaler geben an, dass sie kein Interesse an einer neuartigen Bewerbungsart haben. Der Bewerber, der dennoch einfach einmal etwas anderes wagen möchte, kann zum Bewerbungsvideo greifen. Dafür interessieren sich 44,9 % der Befragten. Die Bewerbungshomepage ist hingegen immerhin für 31,8 % von Interesse.

Ich schreibe meine Bewerbung und füge ein Anschreiben hinzu.

Das Anschreiben für die Bewerbung sollte eine DIN A4 Seite nicht überschreiten (84,1 %) und definitiv kein Muster oder Standardschreiben sein, da eben diese die Chancen eines Bewerbers deutlich verringern (58,9 %). Die berühmt berüchtigte DIN 5008 für Geschäftsbriefe, welche häufig als Muss für das Bewerbungsschreiben tituliert wird, ist hingegen für 65,3 % der Teilnehmer vollkommen irrelevant.

Quelle: bewerbung.net

Quelle: bewerbung.net

Ich schreibe meine Bewerbung und füge ein Anschreiben und einen Lebenslauf hinzu.

Häufig wird eben der Lebenslauf von den Bewerbern abgestempelt, als der eher unwichtige Teil der Bewerbung – ist „ja nur eine tabellarische Aufzählung“. Doch eben diese Aufzählung ist für eine Personalentscheidung maßgeblich, da dort die beruflichen Qualifikationen gelistet werden. Um diese direkt zu erkennen, sollte der Lebenslauf für 76,5 % achronologisch aufgebaut sein und dementsprechend mit der aktuellen beziehungsweise zuletzt ausgeführten Tätigkeit, beginnen. Weitere ausschlaggebende Aspekte für einen ausführlichen Lebenslauf sind: stichpunktartige Nennung der wichtigsten Angaben (72 %), tabellarische Form (65,4 %) sowie klar erkennbare Absätze (63,6 %).

Quelle: bewerbung.net

Quelle: bewerbung.net

Ich schreibe meine Bewerbung und füge ein Anschreiben, einen Lebenslauf und ein gutes Layout hinzu.

Das gute Layout einer Bewerbung beschreibt prinzipiell eine übersichtliche Struktur, welche durch eine einheitliche Formatierung gegeben werden kann. Überdies hinaus verbessert ein gutes Layout direkt den optischen Eindruck der eigenen Bewerbungsunterlagen, welcher für 41,4 % zu einem wichtigen Entscheidungsmerkmal werden kann. Für 58,9 % erleichtert eine Bewerbung mit einem guten Layout und Design überdies hinaus die Sichtung.

Ich schreibe … und füge ein Anschreiben, einen Lebenslauf, ein gutes Layout und ein Motivationsschreiben hinzu.

Für denjenigen, der sich bewerben möchte, ist ein Motivationsschreiben kein Zwang. Je nach Stellenausschreibung und Ausgangssituation des Bewerbers kann es jedoch die Chancen erhöhen. Gerade bei einer knappen Entscheidung für die Besetzung einzelner Jobs kann die sogenannte dritte Seite für 38,5 % der Befragten ausschlaggebend sein.

Quelle: bewerbung.net

Quelle: bewerbung.net

Wer nun seine Bewerbungsunterlagen mit allen wichtigen Schreiben sowie den entsprechenden Unterlagen (wichtige (Arbeits-) Zeugnisse, Zertifikate etc.) gespickt hat und sich auf aktuelle Stellenanzeigen bewirbt, kann seine Karriereaussichten wesentlich verbessern. Und wer sich für eine komplette Übersicht zu allen Ergebnissen interessiert, der kann einmal einen Blick auf den entsprechenden Beitrag auf bewerbung.net werfen. Dort werden die Ergebnisse ebenfalls zum Download angeboten…

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Gastautor

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3 Kommentare

  • Die Recherche-Ergebnisse, warum Bewerbungen sofort aussortiert werden, finde ich äußerst interessant. Diese sollten so manchen Bewerber sehr zu denken geben, ob er die Erarbeitung seiner Bewerbung einem Profi überlässt. Denn jeder ist Experte auf seinem Gebiet – so auch professionelle Bewerbungsschreiber, die diese K.O.-Kriterien bestens kennen und deshalb auch diese Fehler niemals machen werden.

  • Schöne Auswertung! Wenn sich der potentielle Bewerber nur etwas besser informieren würde und die o.g. Punkte berücksichtigt – steigen seine Chancen. Sollte der Bewerber inhaltlich (Know-How / Anforderungen) zu 100% erfüllen – hat er natrülich die besten Chancen auf ein Interview.

  • Das ist eine sehr interessante Auswertung. Ich finde es erschreckend, dass die Quote für Verbesserungsbedarf bei über 60% liegt. Ich arbeite schon seit einigen Jahren in der Beratung von Arbeitssuchenden und muss leider auch öfters feststellen, dass einige Bewerber sich mit diesem Thema nicht genug auseinandersetzen oder nur halbherzig Ihre Bewerbungsunterlagen erstellen.

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