Körper, Geist & Job

Stehaufmännchen im Job

Quelle: Bernd Kasper/pixelio.de
Geschrieben von Ulrike

…jeder kennt sie: Menschen, die sich von Krisen und Belastungen im Arbeitsleben nicht unterkriegen lassen, sondern diese scheinbar mühelos wegstecken. Der Fachterminus für die „seelische Widerstandsfähigkeit“ lautet Resilienz. Er leitet sich vom lateinischen resilio (zurückspringen) ab und bezeichnet in der Physik die Elastizität von Materialien, mit der sie nach einer äußeren Krafteinwirkung zu ihrer ursprünglichen Form zurückkehren. Heute geht es um Resilienz aus dem Blickwinkel der Psychologie.

Anfänge der Resilienzforschung

Den ersten Beitrag zur Erforschung von Resilienz lieferte die amerikanische Psychologieprofessorin Emmy Werner. In einer großangelegten Langzeitstudie, die 1955 begann und 40 Jahre dauerte, beobachtete sie die Entwicklung von fast 700 Kindern, die auf einer hawaiianischen Insel geboren waren. Etwa ein Drittel dieser Kinder war ungünstigen Entwicklungseinflüssen wie chronischer Armut, Geburtskomplikationen oder der psychischen Erkrankung eines Elternteils ausgesetzt und dadurch besonders gefährdet für spätere Lern- oder Verhaltensprobleme. Werner konnte feststellen, dass trotzdem ca. 30% dieser betroffenen Kinder zu gesunden, zuversichtlichen und leistungsfähigen Erwachsenen heran wuchsen. Sie verfügten offenbar über eine besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber den Risikofaktoren; die Resilienz.

Wodurch entsteht Resilienz?

Werner identifizierte verschiedene schützende Faktoren, die diesen Kindern eine positive Entwicklung trotz der widrigen Umstände ermöglicht hatten. Zum Einen hatten Temperamentseigenschaften der Kinder einen günstigen Einfluss, die von Mitmenschen tendenziell positiv aufgenommen werden, wie Ausgeglichenheit, Aktivität, Intelligenz und geringe Ängstlichkeit. Zum Anderen gab es schützende Faktoren von außen, wie eine stabile Bindung an die Mutter oder einen anderen Erwachsenen, eine hohe Schulbildung und gute erzieherische Kompetenz der Bindungsperson sowie eine verlässliche Gemeinschaft von anderen Verwandten, Freunden oder Nachbarn. Diese Schutzfaktoren wirkten sich nicht nur auf Kindheit und Jugend aus, sondern hatten auch im Erwachsenenalter noch positive Auswirkungen.

Bedeutung von Resilienz im Arbeitsleben

Die Ergebnisse aus Werners Langzeitstudie wurden nach ihrer Publikation zunächst auf Personen übertragen, die Krebserkrankungen, Terroranschläge oder Kriegsgefangenschaft überlebt hatten und aus dieser Erfahrung nicht nur unversehrt, sondern sogar gestärkt hervor gegangen waren. In den letzten Jahren rückten auch die eher schleichenden Belastungen des Arbeitslebens immer stärker in den Fokus der Resilienzforschung. Stress, hohe Anforderungen und wachsende Jobunsicherheit gefährden das seelische Gleichgewicht – insbesondere, wenn dem Arbeitnehmer wenig eigene Gestaltungsmöglichkeiten zur Strukturierung der Arbeit zur Verfügung stehen oder die Tätigkeit nicht angemessen entlohnt wird.

Die eigene Resilienz steigern

Die gute Nachricht ist, dass sich die psychische Widerstandsfähigkeit stärken lässt. Welche Faktoren im Arbeitsleben zum Beispiel vor Burnout schützen können und wie sich die eigene Widerstandsfähigkeit erhöhen lässt, thematisieren inzwischen viele Coaches, die sogar spezifische Resilienztrainings anbieten. Sie setzen vor allem am Aufbau der eigenen inneren bzw. äußeren Ressourcen an. Nach einem  Modell des Osnabrücker Resilienzzentrums steht Resilienz auf sieben Säulen: Akzeptanz, Verantwortungsübernahme, Lösungsorientierung, Zukunftsplanung, Selbstregulation, Optimismus und sozialen Beziehungen. Zu ihrer Stärkung werden Techniken vermittelt, die dabei helfen, die Opferrolle in einer Belastungssituation zu verlassen, und statt dessen aktiv die Kontrolle zurückzugewinnen. Ein weiterer hilfreicher Ansatz liegt in der Reflexion von Krisen, die man bereits überstandenen hat und in der Frage: Wie habe ich die Situation damals gemeistert?

Egal, ob man sich neue Strategien anliest oder Unterstützung in einem Workshop mit anderen findet – es ist in jedem Fall sinnvoll, auch präventiv, seine persönlichen Resilienzquellen und –reserven aufzuspüren und bewusst zu stärken.

Über den Autor

Ulrike

Ulrike „wagte“ Anfang 2015 nach dem Studium den Schritt ins Berufsleben zu uns und unterstützt uns seitdem als studierte Psychologin im Recruiting. Sie steht nun auf der anderen Seite im Bewerbungsprozess und berichtet über den Perspektivenwechsel, ihre Erfahrungen und andere interessante Themen - natürlich nicht, ohne uns ab und zu einen kleinen Einblick in die Psyche des Menschen zu gewähren.

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