(Neue) Arbeitswelt Bewerbung & Interview

Mit dem Selfie zum Traumjob

Quelle: stokpic.com
Geschrieben von Anna

Nachdem ich vor 3 Wochen an dieser Stelle bereits ausführlich über Nutzen und Probleme von Bewerbungsfotos geschrieben habe, möchte ich heute gleich einen weiteren „Fotobeitrag“ nachschieben. Seit Anfang Mai gibt es in Deutschland eine App, die das Prinzip der Flirtapp Tinder auf den Arbeitsmarkt anwenden möchte. Ziel von SelfieJobs ist es, den Bewerbungsprozess mobil zu machen und zu beschleunigen. Mit dem Selfie zum Jobangebot – eine innovative Idee oder einfach nur Käse?

Tinder für den Arbeitsmarkt

Das Prinzip von SelfieJobs ist rasch erklärt. Man benötigt ein Smartphone und die App. Nach rechts wischen heißt Ja, nach links heißt Nein. Der eine oder andere kennt das von Flirtapps – rechts gleich kennenlernen, links gleich „lieber nicht“, habe ich mir sagen lassen. 😉 Und das soll für den Arbeitsmarkt funktionieren? Rechts wischen bedeutet, ich finde den Job/Bewerber interessant und links wischen heißt Absage? Suspekt! Die Idee stammt aus Skandinavien, kommt in Schweden, Norwegen und Dänemark bereits auf dem Markt zum Einsatz. Sowohl Arbeitgeber als auch Bewerber können mobil und vor allem schnell entscheiden – wischen beide nach rechts, also stimmen beide mit Ja, wird ein Kontakt hergestellt.

Für die Bewertung hinterlegen die Bewerber natürlich ein Foto und einen kurzen Lebenslauf mit Vornamen (!), Ausbildung und bisherigen Berufserfahrungen. Die Unternehmen werden auf Basis der „guten, alten Stellenanzeige“ beurteilt. Außerdem können beide Seiten ein Video einstellen, in welchem sie von sich erzählen bzw. (unternehmens)relevante Faktoren vorstellen. Diese Unkompliziertheit soll den Bewerbungsprozess erleichtern und vor allem beschleunigen. Kein großer Aufwand für das Verfassen des Anschreibens und kein wochenlanges Warten auf eine Zu- oder Absage. Das Video bietet darüber hinaus einen ersten persönlichen Eindruck.

Aussehen oder Kompetenz – das ist hier die Frage

„Jobsuche soll auch Spaß machen dürfen.“, wird der Gründer Martin Tall in der Pressemeldung zum Start in Deutschland zitiert. Nun ja. Jobsuche sollte aus meiner Sicht erfolgreich sein, um am Ende des Monats die Brötchen finanzieren können. Zum Glück basiert der Erfolg bei der Jobsuche auf den Kenntnissen und Fähigkeiten eines Kandidaten und nicht auf seinem Aussehen, bzw. sollte er das. Nur ist aber eben das Aussehen im Kandidatenprofil der App im Vordergrund. Das Bewerbungsfoto ist im Verhältnis riesig, zu den wenigen harten Fakten, die angegeben werden müssen. Wie im vorangegangenen Artikel bereits beschrieben, trägt das Foto am einfachsten zur Eindrucksbildung bei, zusammen mit eigenen Erfahrungen und Einstellungen. Leider führt das aber nicht immer zu richtigen Schlüssen. Man möchte ja niemandem etwas unterstellen, aber wie hoch wird da wohl die Wahrscheinlichkeit sein, dass die engelsgleiche Blondine dem Punk (um hier mal mit Stereotypen zu spielen) vorgezogen wird? Zu allgemeiner GLEICHSTELLUNG (AGG) animiert das nicht.

Eines muss man der App lassen. Sie vereinfacht wie beabsichtigt den Prozess und senkt sicher an der einen oder anderen Stelle die Hemmungen, einen Bewerbungsversuch zu starten. In wie fern man sich als Bewerber nur oder hauptsächlich auf Basis eines Fotos beurteilen lassen möchte, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Vorrangig zum Einsatz kommt die App derzeit noch im gastronomischen Bereich. Sicher ist das ein Arbeitssektor, in welchem ein gepflegtes Aussehen wichtig ist, dieses auch ein Auswahlkriterium darstellen kann. Ob eine hübsche Barista auch immer einen guten Cappuccino zubereiten kann, wage ich zu bezweifeln, hoffe aber hier auf die Auswahlkompetenz der Arbeitgeber, die eben doch auch einen Blick in die Vita eines Bewerbers werfen sollten – unabhängig von der Branche.

Über den Autor

Anna

Anna, unsere „Frau fürs Schöne“, war bis November 2016 verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtete sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schrieb mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgte Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

1 Kommentar

  • Na das ist ja mal ein Fortschritt. Eine schnelle und unkomplizierte Personalauswahl auf dem Smartphone oder Tablet. Ob die App mit dem „Antidiskriminierungsgesetz“ AGG vom 14. August 2006 konform geht? Die in dem Gesetzt aufgezählten Merkmale, die nicht zur Diskriminierung führen dürfen sind Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und die sexuellen Identität. Das Auswahlverfahren über eine Bilder-App ermöglicht zumindest das relativ sicherere Erkennen des Geschlechts, des Alters und bei besonderer Kleidung oder Haarschnitten auch ggf. Religion oder Weltanschauung. Das Thema rund um Piercing und Tattoo wandelt sich in den Köpfen der Bevölkerung und solch individueller Körperschmuck wird in der Gesellschaft und somit auch im Berufsalltag mehr und mehr akzeptiert.
    Die Auswahl, die zuerst nach dem Bewerbungsfoto, und somit nach dem Aussehen entscheidet, könnte also zu einer Diskriminierung führen. Nicht umsonst ist in den USA – und auch in der EU – ein Bewerbungsverfahren, welches auf das Beilegen eines Bewerbungsfotos zur Bewerbung oder Lebenslauf gänzlich verzichtet, akzeptiert. Dies soll ein Diskriminierung ausschließen.

    Was ist also sinnvoll? Wenn man einen tollen Job sucht ist es auf jeden Fall wichtig, den ersten Eindruck so gut wie möglich zu gestalten. Dies geht gerade bei der Bewerbung am besten mit einer perfekten Bewerbung, einen fehlerfreien Lebenslauf und natürlich einem hochwertigen Foto. Egal ob über die E-Mail-Bewerbung oder der SelfieJobs App. Die Optik ist und bleibt ein ausschlaggebender Faktor, solange Menschen über eine Einstellung entscheiden. Also das Foto lieber besser als schlechter.

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