Bewerbung & Interview

Meine Schwächen? Ich bin perfektionistisch, ehrgeizig und überpünktlich.

Schwächen, Vorstellungsgespräch, Quelle: ClkerFreeVectorImages/pixabay.com
Geschrieben von Anna

Über Schwächen im Vorstellungsgespräch

„Wo sehen Sie eigentlich Ihre Schwächen?“ Als diese Frage vor einigen Wochen in einem vor mir begleiteten Interview gestellt wurde, war ich etwas überrascht. Sicher gehörte diese Frage lange zum Standard in Interviews, aber irgendwie finde ich sie leicht angestaubt. Viele Kandidaten setzen sich bereits im Vorfeld gerade mit der Frage nach ihren Schwächen auseinander, lesen dazu im Netz und verkaufen teilweise ihre Stärken als angebliche Schwächen. Sind die Antworten dann überhaupt noch interessant für einen künftigen Arbeitgeber? Offenbar ja, denn die Stärken und Schwächen eines Kandidaten sind nach wie vor wichtige Punkte auf der Agenda in Vorstellungsgesprächen.

Wie reagiere ich?

Zunächst gleich vorweg, die Antwort „Ich habe keine Schwächen. (ha ha)“ kommt nicht gut an. Selbst wenn diese spaßig gemeint ist, bekommt man, meiner Ansicht nach, nur schwer den Bogen danach. Jeder Mensch hat seine Schwächen, das ist sowohl Bewerber als auch Interviewer klar.

Man hat drei Möglichkeiten bei der Beantwortung der Frage:

  1. man nennt Schwächen, die keine sind,
  2. man nennt lustige, nicht ganz ernst zu nehmende Schwächen oder
  3. man ist ehrlich und nennt reale Schwächen.

Angebliche Schwächen

Möglichkeit eins wäre, solche Eigenschaften als Schwächen „auszugeben“, die eigentlich gar keine sind. Dies lässt natürlich positive Interpretationen zu (so der Glaube), bspw. dass ausgeprägter Perfektionismus ja eigentlich als Synonym für Sorgfältigkeit steht. Abzuraten ist auch von der Aussage: „Ich arbeite viel.“ Gerade größere Unternehmen haben interne Personaler und diese führen in der Regel häufig Vorstellungsgespräche. Ergo wissen sie um diese Möglichkeit der Beantwortung und rechnen sie nicht gerade als Pluspunkt an. In den meisten Fällen wird eine Nachfrage kommen. Grund also, sich wirklich mal mit den eigenen Schwächen auseinanderzusetzen.

Witzige Schwächen

Möchte man dies nicht tun, eröffnet sich eine weitere Möglichkeit: man nennt eine ausweichende, spaßige Schwäche. Das kann gut rüberkommen, ihr ahnt es sicher schon, muss es aber nicht. Auch diese Antwortvariante hat der eine oder andere Personaler sicher schon mal zu hören bekommen. Außerdem kann man dadurch schnell etwas plump rüberkommen.

Natürlich sollte die eigene Reaktion immer auch ein wenig vom Gesprächsverlauf, der Atmosphäre und dem Gegenüber abhängig gemacht werden. Und ja, man kann mit einer witzigen Schwäche auch punkten, wenn sie zur Situation passt. Dies würde sogar für Spontanität und auch Kreativität sprechen. „Ich esse gern Torte, mache deshalb aber auch viel Sport.“ ist jedoch auch in Abwandlungen nicht gerade neu.
Der Gesprächsführende wird so oder so noch eine richtige Antwort hören wollen und auch hier nachfragen. Man kommt also nur schwerlich drum herum, ehrlich zu sein.

Relevante Schwächen

Es ist nicht immer ganz leicht, sich eigene Schwächen einzugestehen. Von schonungsloser Ehrlichkeit, so viel gleich vorweg, ist auch abzuraten („Ich rauche regelmäßig eine Tüte.“ ist zwar ehrlich, aber überflüssig). Dennoch empfiehlt es sich, ehrlich zu sein und auf die Frage nach Schwächen mit relevanten zu antworten. Eine bloße Nennung (z.B. Es fällt mir manchmal schwer, mich auf andere einzustellen und im Team zu arbeiten“) führt jedoch nicht gleich zum Erfolg. Bei jeder Antwort sollte erkennbar sein, dass man an der genannten Schwäche arbeitet und diese natürlich vermeiden möchte. Sinn der Frage besteht nicht darin, einen perfekten Menschen zu finden, denn den gibt es nicht. Wer diese Frage stellt, möchte eigentlich die Persönlichkeit eines Bewerbers kennenlernen und eben auch sehen, ob dieser ehrlich und selbstkritisch ist. Floskeln kommen auch deshalb nicht so gut an.

Hier einige Beispiele zur Anregung:

  • Ich neige dazu, ungeduldig zu sein, möchte teilweise zu viele Dinge mit einmal erledigen. Ich versuche mich in solchen Situationen aktiv selbst zu bremsen, um erst Prioritäten zu setzen und dann die Aufgaben nacheinander zu erledigen und abzuarbeiten.

  • Meine Englischkenntnisse sind durch seltenen Gebrauch in letzter Zeit etwas eingerostet. Ich habe in Vorbereitung auf die neue Stelle angefangen, Bücher auf Englisch zu lesen und auch Serien im Originalton zu schauen, um sowohl das Lesen als auch das Verstehen zu üben.

  • Ich verfüge über wenig Berufserfahrung, bin aber sehr motiviert und lernwillig, um mir die fehlenden Kenntnisse sehr schnell anzueignen, z.B. in meinem Praktikum/meiner Tätigkeit als yyy fehlten mir zu Beginn auch notwendige Erfahrungen, die ich mir durch yyy rasch aneignen konnte.

  • Manche behaupten, ich sei sehr zurückhaltend, aber wenn ich Firmeninteressen vertrete, dann bringe ich diese klar zum Ausdruck.

Wer mutig ist, könnte die Frage zurückstellen und nach Schwächen des Unternehmens fragen. Hierzu würde ich wirklich nur raten, wenn ihr euch in der Gesprächssituation sehr sicher fühlt und einen Draht zum Gesprächsführenden aufbauen konntet.

Was, wenn der Personaler gar nicht nach den Schwächen fragt?

Einleitend habe ich ja bereits meine Meinung zur Frage „Was sind Ihre Schwächen?“ kurz geäußert. Viele Bewerber rechnen damit und bereiten sich vor, was ja auch legitim ist und wie ich versucht habe zu zeigen, trotzdem leider noch danebengehen kann. Wird euch diese Frage nicht gestellt, heißt das nicht, dass euch der gegenübersitzende Personaler nicht kennenlernen möchte. Vielleich ist er die Sache nur etwas anders angegangen, hat euch z.B. nach einer Reaktion in einer speziellen Situation gefragt oder gebeten, eine Gegebenheit zu beschreiben, in der ihr aus eurer Sicht souverän reagiert habt. Auch auf diese Weise kann „das geschulte Ohr“ Stärken und Schwächen erkennen. Für eine solche Frage lohnt es sich genauso, wie für die „Standardfrage“ vorbereitet zu sein. Setzt ihr euch mit euren Stärken und Schwächen auseinander, so macht diese an Situationen fest (Schwächen vielleicht eher an solchen, in denen ihr eine Entwicklungs-/Verbesserungstendenz erkannt habt). Dadurch wird es für euren Gegenüber greifbarer und für euch leichter, euch positiv darzustellen. Habt bei der Vorbereitung vielleicht aber auch folgendes im Hinterkopf: Manchmal ist es hilfreich, Schwächen Schwächen sein zu lassen und Stärken zu stärken. 😉

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Über den Autor

Anna

Anna ist unsere „Frau fürs Schöne“ und verantwortlich für alles rund ums Personalmarketing. Als studierte Kommunikationswissenschaftlerin mit Nebenfach Psychologie kam sie 2013 zu uns ins Team. Seitdem berichtet sie über den Weg vom Berufsanfänger zum "Experten" und schreibt mit Einfühlungsvermögen über die Höhen und Tiefen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag. Im Büro versorgt Hobbyköchin Anna uns mit den neusten Rezepten, flotten Sprüchen und viel guter Laune.

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